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Schnellere Lehrerausbildung: Schwarz-Rot will Referendariat verkürzen
Regional · 02.09.2026 16:43

Schnellere Lehrerausbildung: Schwarz-Rot will Referendariat verkürzen

Kurz: Die hessische Landesregierung plant eine Reform der Lehrerausbildung: Das Referendariat soll verkürzt und praxisorientierter gestaltet werden.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Die hessische Landesregierung, getragen von einer Koalition aus CDU und SPD, hat weitreichende Pläne zur Umgestaltung der Lehrkräfteausbildung vorgelegt. Im Zentrum der Reform steht eine deutliche Verkürzung des Vorbereitungsdienstes, allgemein als Referendariat bekannt. Künftig soll diese praktische Ausbildungsphase, die direkt auf das universitäre Lehramtsstudium folgt, nur noch 18 statt wie bisher 21 Monate in Anspruch nehmen. Mit diesem Vorhaben strebt die Regierung eine Anpassung an den Standard der Mehrheit der anderen deutschen Bundesländer an. Die Reform beschränkt sich jedoch nicht allein auf eine zeitliche Straffung. Vielmehr soll die gesamte Struktur der Ausbildung grundlegend modernisiert werden. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Reduzierung des bürokratischen und prüfungsintensiven Aufwands zugunsten einer stärkeren Einbindung in den tatsächlichen Schulalltag. Die Landesregierung begründet diesen Schritt mit der Notwendigkeit, angehende Lehrkräfte besser auf die realen Anforderungen des Berufsalltags vorzubereiten. Während die Koalitionspartner das Vorhaben als notwendige Modernisierung und Stärkung der Praxisorientierung preisen, regt sich im Landtag bereits erheblicher Widerstand. Insbesondere die Oppositionsparteien äußern deutliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit und den langfristigen Auswirkungen dieser Maßnahmen. Die Debatte im Landtag am vergangenen Mittwoch verdeutlichte die tiefen Gräben zwischen den Befürwortern eines effizienteren Ausbildungssystems und Kritikern, die eine schleichende Qualitätsminderung befürchten.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Fakten

Die geplanten Änderungen sind detailliert ausgearbeitet. Neben der bereits erwähnten Reduzierung der Gesamtdauer von 21 auf 18 Monate sieht der Entwurf eine signifikante Verringerung der sogenannten Unterrichtsbesuche vor. Bislang müssen Referendare im Verlauf ihrer Ausbildung bis zu 14 benotete Stunden vor ihren Ausbildern absolvieren. Diese Zahl soll künftig auf acht reduziert werden. Kultusminister Armin Schwarz (CDU) und die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Nina Heidt-Sommer, betonen, dass dadurch der Prüfungsdruck auf die angehenden Lehrkräfte sinken soll. Im Gegenzug wird die Zeit für eigenverantwortlichen Unterricht erhöht. In den beiden Hauptphasen der Ausbildung sollen Referendare künftig 14 bis 16 Unterrichtsstunden pro Woche eigenverantwortlich übernehmen. Auch die Gewichtung der Abschlussnote wird angepasst: Das Gutachten der Ausbildungsschule, das bisher lediglich 7,5 Prozent zur Gesamtnote beiträgt, soll künftig mit 25 Prozent gewichtet werden. Dies gibt Schulleitungen und betreuenden Lehrkräften einen deutlich größeren Einfluss auf die Bewertung. Zudem kündigte das Ministerium an, dass aktuelle Themen wie Inklusion, Demokratiebildung, Schulrecht, psychische Gesundheit sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz stärker in die Ausbildungsinhalte integriert werden sollen. Die Zeit in den begleitenden Ausbildungsseminaren wird im Zuge der Reform reduziert, um Raum für die verstärkte Praxiszeit zu schaffen.

Hintergrund – der bisherige Verlauf

Die Diskussion um die Reform der Lehrerausbildung in Hessen ist eingebettet in eine langjährige Debatte über die Attraktivität und Effizienz des Lehrerberufs. Die aktuelle Initiative der schwarz-roten Landesregierung stellt den Versuch dar, auf die veränderten Rahmenbedingungen im Bildungswesen zu reagieren. Die bisherige Struktur des Referendariats, die auf eine Dauer von 21 Monaten ausgelegt war, wurde von vielen Beteiligten zunehmend als starr und zu stark auf formale Prüfungsleistungen fokussiert wahrgenommen. Die Idee, den Vorbereitungsdienst an die 18-monatige Dauer anderer Bundesländer anzupassen, ist dabei kein neues Konzept, sondern wird seit geraumer Zeit in bildungspolitischen Kreisen diskutiert. Der aktuelle Gesetzentwurf ist das Ergebnis der Bemühungen der Koalition, den Übergang vom Studium in den Beruf flüssiger zu gestalten. Die Argumentation der Regierung stützt sich dabei auf die Annahme, dass eine stärkere Gewichtung der praktischen Erfahrung vor Ort in der Schule eine bessere Vorbereitung auf die Komplexität des Lehreralltags bietet als eine hohe Anzahl an künstlich inszenierten Prüfungsstunden. Dieser Prozess wurde durch die Notwendigkeit vorangetrieben, den Lehrerberuf angesichts des Fachkräftemangels attraktiver zu gestalten und gleichzeitig die Qualität der pädagogischen Ausbildung sicherzustellen, indem moderne Herausforderungen wie die Digitalisierung und Inklusion stärker in den Fokus rücken.

Die Beteiligten – Positionen und Akteure

Die Debatte wird von verschiedenen Akteuren im hessischen Landtag geführt. Kultusminister Armin Schwarz (CDU) verteidigt das Vorhaben vehement gegen die Kritik der Opposition. Er unterstreicht den Wert der direkten Praxis im Klassenraum und wirft Kritikern vor, reflexhaft auf jede Änderung mit dem Vorwurf der Kürzung zu reagieren. Unterstützung erhält er von der SPD-Bildungspolitikerin Nina Heidt-Sommer, die den Leitsatz vertritt, dass Unterrichten primär durch das tatsächliche Unterrichten erlernt werde. Auf der Seite der Kritiker steht vor allem die Fraktion der Grünen. Deren bildungspolitischer Sprecher, Daniel May, sieht in dem Vorhaben kein Qualitätskonzept, sondern ein reines Sparprogramm. Er zweifelt den Vergleich mit anderen Bundesländern an, da dort das Studium teilweise länger dauere, während Hessen lediglich das Referendariat kürze. Zudem warnt er vor einer versteckten Abdeckung von regulärem Unterricht durch Referendare. Die FDP, vertreten durch Moritz Promny, nimmt eine differenzierte Haltung ein. Während er die Aufwertung des Schulgutachtens begrüßt, warnt er davor, dass eine schnellere Ausbildung nicht automatisch eine bessere sei. Die AfD, vertreten durch Heiko Scholz, lehnt die Pläne als reine Verdichtungsreform ab und warnt vor einer Konzentration des Drucks durch die Reduzierung der Prüfungsbesuche.

Einordnung – was das bedeutet

Einzuordnen ist das Vorhaben der Landesregierung als ein Versuch, die Balance zwischen theoretischer Ausbildung und praktischer Anwendung neu zu justieren. Die Kritik der Grünen, dass es sich hierbei um eine verdeckte Maßnahme zur Deckung des Lehrermangels handeln könnte, basiert auf der Berechnung, dass die zusätzlichen Unterrichtsstunden der Referendare rechnerisch 400 bis 600 Vollzeit-Lehrerstellen entsprechen könnten. Dies deutet auf einen Zielkonflikt hin: Einerseits soll die Ausbildung modernisiert werden, andererseits steht der hohe Bedarf an Lehrkräften an den Schulen im Raum. Die Aufwertung des schulinternen Gutachtens bei der Abschlussnote ist ein deutliches Signal für eine stärkere Dezentralisierung der Bewertung. Den Berichten zufolge verlagert sich damit die Verantwortung für die Qualitätssicherung stärker in die Hände der Schulen selbst. Die Reform zielt darauf ab, den Übergang in den Beruf zu beschleunigen, was angesichts des hohen Bedarfs an qualifiziertem Personal eine strategische Entscheidung der Koalition darstellt. Dass dabei jedoch die Qualität der Ausbildung gewahrt bleibt, ist der zentrale Streitpunkt, der die politische Debatte in den kommenden Monaten prägen wird.

Offene Fragen – was der Quelltext nicht beantwortet

Obwohl die Pläne der Regierung in vielen Punkten konkretisiert wurden, bleiben einige Fragen offen. Der Quelltext enthält keine Informationen darüber, wie genau die Lehrpläne der Ausbildungsseminare gekürzt werden sollen, um die Reduzierung der Seminarzeit zu kompensieren, ohne inhaltliche Lücken zu hinterlassen. Ebenso bleibt unklar, wie die Qualität der Betreuung durch die Schulleitungen und Mentoren gewährleistet werden soll, wenn diese durch die Reform eine deutlich größere Verantwortung bei der Notengebung tragen. Es wird nicht explizit ausgeführt, welche konkreten Mechanismen verhindern sollen, dass Referendare als billige Arbeitskräfte zur Schließung von Lücken im regulären Stundenplan missbraucht werden, wie es die Opposition befürchtet. Auch die Frage, ob es begleitende Studien gibt, die belegen, dass eine 18-monatige Ausbildung bei gleichzeitiger Erhöhung der Unterrichtslast tatsächlich zu kompetenteren Lehrkräften führt als das bisherige Modell, bleibt unbeantwortet. Zudem fehlen Details darüber, wie die neuen Themengebiete wie Künstliche Intelligenz in den bereits verkürzten Zeitrahmen integriert werden sollen, ohne die Ausbildung zu überfrachten.

Wie es weitergeht – nächste Schritte

Das Gesetzgebungsverfahren befindet sich noch in einem frühen Stadium. Die Koalition aus CDU und SPD hat den Entwurf in den Landtag eingebracht, doch eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Der nächste wichtige Schritt ist für den Oktober terminiert. Dann sollen im Landtag umfassende Anhörungen stattfinden, zu denen Lehrkräfteverbände, Vertreter der Universitäten sowie weitere Fachexperten geladen sind. Diese Anhörungen dienen dazu, die Auswirkungen der Reform kritisch zu beleuchten und gegebenenfalls Anpassungen am Gesetzentwurf vorzunehmen. Erst nach Abschluss dieses Konsultationsprozesses wird der Entwurf in seiner finalen Form zur Abstimmung in das Parlament eingebracht. Bis dahin bleibt der Ausgang des Gesetzgebungsverfahrens offen, da die Regierung auf Basis der Anhörungen noch Änderungen vornehmen kann, um auf die Kritik der Opposition oder der Fachverbände zu reagieren. Ein konkretes Datum für die endgültige Verabschiedung des Gesetzes wurde bisher nicht genannt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-verkehr-nacht-strasse-19282141/ · Foto: Masood Aslami
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-schnellere-lehrerausbildung-schwarz-rot-will-referendariat-verkuerzen-100.html