Verletzungssorgen belasten die Vorbereitung
Der SC Paderborn steht vor einer richtungsweisenden Phase. Während die Mannschaft in die zweite Hälfte der Vorbereitung auf die dritte Bundesliga-Spielzeit der Vereinsgeschichte startet, ist die personelle Lage angespannt. Nach einem erfolgreichen Testspiel beim VfL Osnabrück, das mit einem 2:0-Sieg endete, musste der Verein einen herben Rückschlag verkraften: Stürmer Sven Michel fällt aufgrund einer Muskelverletzung im Adduktorenbereich für mehrere Wochen aus. Trainer Ralf Kettemann bezeichnete den Ausfall als schmerzhaft, da Michel zuletzt in einer körperlich starken und spritzigen Verfassung agierte.
Michel ist jedoch nicht der einzige Akteur, der dem Team derzeit nicht zur Verfügung steht. Das Lazarett des Bundesliga-Rückkehrers ist bereits vor dem Saisonstart gut gefüllt. Neben Sebastian Klass (Adduktoren) und Nick Bätzner (Knie) muss der Verein auch auf Kapitän und Abwehrchef Felix Götze (Achillessehne) verzichten. Besonders schwer wiegen zudem die langfristigen Ausfälle der Neuzugänge Timur Gayret (Kreuzbandriss) und Nyamekye Awortwie-Grant (Knie).
Fokus auf die Offensive: Effizienz als Knackpunkt
Trotz der defensiven Stabilität, die das Team in der Vorbereitung bereits unter Beweis gestellt hat, bereitet die Offensive dem Trainerteam Sorgen. Zwar erspielt sich der SC Paderborn regelmäßig gute Gelegenheiten, doch die Verwertung dieser Chancen lässt zu wünschen übrig. Kettemann betonte nach dem jüngsten Test, dass das „Finale“ vor dem Tor fehle. Die mangelnde Abschlussqualität zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die jüngere Vergangenheit: Bereits in der vergangenen Saison benötigte das Team für 59 Tore eine vergleichsweise hohe Anzahl von 512 Schüssen.
Um die Effizienz zu steigern, setzt Kettemann auf psychologische Kniffe. Er plant, die Stürmer im Training gezielt in Abschlusssituationen zu bringen, um Selbstvertrauen aufzubauen – notfalls auch durch eine reduzierte Anzahl an Verteidigern in den Übungseinheiten. Der Trainer mahnt jedoch zur Geduld: Man dürfe die jungen Spieler nicht überfordern, nur weil sie nun in der Bundesliga antreten. Es sei wichtig, die Entwicklung der Akteure gesund und realistisch einzuordnen.
Transfermarkt und Kaderplanung
Die Lücke, die der Abgang von Topscorer Filip Bilbija hinterlassen hat, ist bisher unbesetzt geblieben. Bilbija, der in der vergangenen Spielzeit 15 Treffer erzielte, spielt nun in der zweiten englischen Liga für Derby County. Sportdirektor Sebastian Lange hatte bereits Mitte Juli angekündigt, dass noch zwei bis drei Neuzugänge verpflichtet werden sollen, doch bisher sind keine Vollzugsmeldungen erfolgt.
Zusätzlich gibt es Spekulationen über weitere Abgänge. Mika Baur wird mit Celtic Glasgow in Verbindung gebracht, während Mainz 05 Interesse an Laurin Curda bekundet. Trainer Kettemann zeigt sich in dieser Hinsicht gelassen und betont, dass man für alle Szenarien eine Lösung finden werde. Der aktuelle Kader setzt primär auf junge Talente aus unteren Ligen, was bedeutet, dass der Mannschaft im Vergleich zur Konkurrenz einiges an Bundesliga-Erfahrung fehlt.
Lichtblicke und Ausblick
Trotz der genannten Probleme gibt es positive Ansätze. Neuzugang Jano ter Horst, der eigentlich in der Dreierkette eingeplant ist, hat in der Vorbereitung bereits Torgefahr ausgestrahlt. Auch der 21-jährige Albert Milgramm konnte durch seinen Zug zum Tor überzeugen, wenngleich ihm das nötige Glück im Abschluss noch fehlt.
Für den SC Paderborn wird es in Kürze ernst. Am 23. August steht das DFB-Pokalspiel beim 1. FC Phönix Lübeck an, bevor am 29. August der Bundesliga-Auftakt beim 1. FSV Mainz 05 folgt. Bis dahin bleibt dem Trainerteam wenig Zeit, um die offensive Abstimmung zu verfeinern und die verbliebenen Akteure auf das geforderte Niveau der höchsten Spielklasse zu heben.