Ein traumatischer Rückblick im Gerichtssaal
Im Rahmen eines laufenden Prozesses vor dem US-Bundesbezirksgericht in Buffalo, New York, hat der Schriftsteller Salman Rushdie erstmals öffentlich detailliert über den Messerangriff auf seine Person im Jahr 2022 gesprochen. Der heute 79-jährige Autor schilderte vor Gericht die dramatischen Minuten, in denen er bei einer Lesung von Hadi Matar attackiert wurde. Der Täter stach dabei mehr als ein Dutzend Mal auf Rushdie ein, was den Autor in lebensgefahr brachte.
Der Tathergang aus Sicht des Opfers
Rushdie beschrieb vor dem Gericht, wie er versucht habe, dem Angriff zu entkommen. Der Täter habe ihn jedoch zu Boden gerungen und unaufhörlich auf ihn eingestochen. Der Schriftsteller erinnerte sich an die Szene auf der Bühne, die durch eine massive Blutlache gekennzeichnet war. Die Schwere der Verletzungen ist bis heute sichtbar: Durch den Angriff wurde ein Sehnerv durchtrennt, was zum Verlust des Augenlichts auf einem Auge führte. Rushdie demonstrierte dies im Zeugenstand, indem er auf Aufforderung der Staatsanwaltschaft seine Brille abnahm, deren eines Glas abgedunkelt ist.
Hintergrund des zweiten Verfahrens
Während Hadi Matar bereits 2025 in einem Verfahren im Bezirk Chautauqua wegen versuchten Mordes zu einer 25-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde, sieht er sich nun mit zusätzlichen Terrorismusvorwürfen konfrontiert. Die Anklage wirft ihm vor, im Auftrag der libanesischen Hisbollah gehandelt zu haben. Ziel der Tat soll die Durchsetzung einer Fatwa gewesen sein – eines religiösen Erlasses, der seit 1989 gegen Rushdie besteht. Diese Fatwa wurde seinerzeit vom iranischen Führer Ajatollah Khomeini als Reaktion auf Rushdies Roman „Die satanischen Verse“ verhängt, den Teile der muslimischen Welt als blasphemisch betrachteten. Matar plädiert in diesem neuen Verfahren auf nicht schuldig.
Beobachtungen im Gerichtssaal
Berichten zufolge trat Salman Rushdie während seiner rund einstündigen Aussage gefasst und verbindlich auf. Der 28-jährige Angeklagte verfolgte die Aussage des Autors weitgehend passiv. Er blickte während der Schilderungen meist auf den Tisch der Verteidigung oder wandte sich seinem Anwalt zu. Ein direkter Blickkontakt zwischen Täter und Opfer fand laut Beobachtern lediglich statt, als Rushdie den Gerichtssaal nach seiner Aussage wieder verließ.
Einordnung und Verarbeitung
Der Angriff im August 2022, der vor Hunderten von Augenzeugen stattfand und durch Videoaufnahmen dokumentiert wurde, hat eine weltweite Debatte über die Sicherheit von Autoren und die Freiheit der Kunst ausgelöst. Salman Rushdie, bekannt für Werke wie „Mitternachtskinder“, hat den Vorfall und die Zeit der Genesung bereits literarisch verarbeitet. Im April 2024 veröffentlichte er das Buch „Knife: Gedanken nach einem Mordversuch“, in dem er die Ereignisse und seine persönliche Aufarbeitung reflektiert. Das aktuelle Verfahren in Buffalo markiert einen weiteren juristischen Schritt in der juristischen Aufarbeitung eines Falls, der die internationale Öffentlichkeit seit Jahrzehnten beschäftigt.