Eine neue Eskalationsstufe im Jemen
Die Sicherheitslage im Jemen hat sich drastisch verschlechtert. Nach einer Phase relativer Ruhe ist der Bürgerkrieg wieder voll entbrannt. Die Huthi-Miliz zeigt sich dabei zunehmend aggressiv: Neben Gefechten mit der international anerkannten Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird, richten sich die Angriffe nun verstärkt gegen zivile Ziele. Besonders besorgniserregend ist die tägliche Bedrohung der Schifffahrt im Roten Meer, bei der bereits saudische Frachter beschädigt wurden und mindestens ein Schiff sank.
Die Strategie der „Einheit der Schlachtfelder“
Beobachter sehen in der aktuellen Entwicklung eine besorgniserregende operative Koordination zwischen verschiedenen Akteuren in der Region. Unter dem Begriff „Einheit der Schlachtfelder“ wird eine zunehmende Abstimmung zwischen den Huthi, irakischen Milizen und dem Iran beschrieben. Laut Experten des Doha Instituts hat sich die Zusammenarbeit von einer rein geografischen Solidarität hin zu einer operativen Vernetzung entwickelt. Dabei spielt die Hisbollah eine zentrale Rolle, die Berichten zufolge sowohl die irakischen Milizen als auch die Huthi militärisch ausgebildet haben soll.
Bedrohung der globalen Ölrouten
Die strategische Bedeutung des Roten Meeres hat durch die Blockade der Straße von Hormus massiv zugenommen. Da Saudi-Arabien aufgrund der dortigen Spannungen alternative Exportwege nutzen muss, ist das Rote Meer zur zentralen Lebensader für den Ölexport geworden. Über den Hafen Yanbu wird derzeit ein Vielfaches der ursprünglichen Ölmenge verschifft. Die Meerenge Bab al-Mandab, die diese Tanker passieren müssen, ist nun ins Visier der Huthi geraten. Eine Blockade dieses Nadelöhrs hätte laut Analysen der Cambridge University schwerwiegende Folgen für die internationale Energieversorgung.
Asymmetrische Kriegsführung und neue Allianzen
Die Huthi setzen bei ihren Angriffen auf eine Mischung aus Drohnen, ballistischen Raketen und unbemannten Sprengbooten. Letztere gelten unter Militärexperten als besonders gefährlich, da sie mit bis zu einer Tonne Sprengstoff bestückt werden können. Diese asymmetrische Kriegsführung zwingt die betroffenen Staaten zu neuen Sicherheitsstrategien. Saudi-Arabien hat darauf reagiert und ein Militärbündnis mit der Türkei und Pakistan geschlossen. Ein Angriff auf einen der Bündnispartner wird nun als Angriff auf alle drei Staaten gewertet, was die Abschreckung gegenüber der Huthi-Miliz und ihren Unterstützern erhöhen soll.
Hintergrund und Ausblick
Der Konflikt im Jemen schwelt bereits seit 2014, als die Huthi große Teile des Landes unter ihre Kontrolle brachten. Trotz einer informellen Waffenruhe seit 2022 bleibt die humanitäre Lage für die jemenitische Bevölkerung prekär. Die aktuelle Aggression der Miliz wird von Experten auch als ein Signal an die USA und deren Verbündete gewertet. Es besteht die Sorge, dass die Huthi ihre Kapazitäten genau in dem Moment voll ausschöpfen, in dem der Iran unter maximalem Druck steht, um so den globalen wirtschaftlichen Spielraum der westlichen Staaten einzuschränken. Die weitere Entwicklung bleibt aufgrund der komplexen Verflechtungen innerhalb der sogenannten „Achse des Widerstands“ hochgradig volatil.