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Roland Korn ist tot: Er war der Chefarchitekt von Ostberlin
Kultur · 27.07.2026 15:28

Roland Korn ist tot: Er war der Chefarchitekt von Ostberlin

Kurz: Der langjährige Chefarchitekt von Ost-Berlin, Roland Korn, ist im Alter von 96 Jahren verstorben. Ein Rückblick auf das Wirken eines prägenden DDR-Baumeisters.

Ein Leben für die Architektur der DDR

Der Architekt Roland Korn, der über Jahrzehnte das Gesicht von Ost-Berlin mitgestaltete, ist im Alter von 96 Jahren verstorben. Wie aus Berichten hervorgeht, verstarb der gebürtige Thüringer am 20. Juli in seiner Wahlheimat Gera. Zwischen 1973 und 1989 bekleidete Korn das Amt des Chefarchitekten von Ost-Berlin und hinterließ ein architektonisches Erbe, das heute unter dem Begriff „Ostmoderne“ eine neue Wertschätzung erfährt.

Vom Maurerlehrling zum Stadtplaner

Korns beruflicher Werdegang begann fernab der großen Metropolen. 1930 in Saalfeld geboren, absolvierte er zunächst eine Maurerlehre, bevor er ein Studium des Bauingenieurwesens aufnahm. Seine frühen beruflichen Stationen führten ihn unter anderem zum VEB Projektierung in Berlin sowie zum Generalprojektanten der damaligen „ersten sozialistischen Stadt“, dem heutigen Eisenhüttenstadt.

In der DDR war das Bauwesen stark durch kollektive Strukturen geprägt. Die „Vergesellschaftung der Entwurfsleistung“ ließ wenig Raum für individuelle architektonische Handschriften. Erst in der späteren Phase der DDR wandelte sich dieses Bild, und Architekten wie Korn konnten ihre Entwürfe stärker profilieren. Dennoch blieb die Arbeit stets in die Vorgaben volkseigener Betriebe eingebettet.

Ikonische Bauten und die Ostmoderne

Ab 1961 eröffnete sich für Korn die Möglichkeit, bedeutende Berliner Bauvorhaben maßgeblich zu beeinflussen. Zu seinen bekanntesten Projekten zählen:

* **Das Staatsratsgebäude:** Ein Bauwerk, das durch die Integration des historischen Schlossportals als „Baureliquie“ und die markanten, rot eingefärbten Lisenen auffällt.

* **Interhotel Stadt Berlin:** Heute als „Park Inn“ bekannt, prägt es seit den späten 1960er Jahren den Alexanderplatz.

* **Haus des Reisens:** Ein weiteres Zeugnis seiner Arbeit am Alexanderplatz, das zwischen 1968 und 1971 entstand.

Diese „Gesellschaftsbauten“ unterschieden sich von den standardisierten industriellen Bausystemen der Zeit. Da sie sich nur bedingt in die typischen Plattenbau-Raster einfügen ließen, boten sie Korn Spielraum für eine individuellere Gestaltung. Heute werden diese Gebäude als Teil der Ostmoderne geschätzt; einige von ihnen stehen bereits unter Denkmalschutz.

Wandel in der Stadtplanung

Als Stadtarchitekt trug Korn eine enorme Verantwortung. Er organisierte den Bau der großflächigen Wohnsiedlungen in Marzahn und Hellersdorf. Doch er setzte auch Akzente, die einen Bruch mit der bis dahin vorherrschenden Doktrin darstellten. Im Vorfeld des Schinkel-Jubiläums 1981 leitete er eine Abkehr vom flächendeckenden Abriss historischer Quartiere ein.

Ein prominentes Beispiel für diesen Kurswechsel ist das Nikolaiviertel. Hier wurde versucht, auf Basis des historischen Straßennetzes eine neue Altstadt zu schaffen. Auch das heutige Hilton-Hotel am Gendarmenmarkt, das Korn zwischen 1985 und 1987 entwarf, zeugt von diesem Bestreben, durch die Verwendung von Barockformen eine städtebauliche Lücke zu schließen.

Die Zeit nach der Wende

Der politische Umbruch 1989 markierte für Korn eine Zäsur. Zwar blieb er zunächst in der Senatsverwaltung von Berlin tätig, fand dort jedoch nach eigenen Angaben nicht den richtigen Platz für sein Wirken. Er entschied sich, den öffentlichen Dienst zu verlassen und arbeitete bis zum Jahr 2000 als freier Architekt weiter.

Die architektonische Einordnung seines Werkes bleibt ein fortlaufender Prozess. Während die Protagonisten der DDR-Architektur offiziell den Blick nach Moskau richten mussten, ließen sie sich in der Praxis oft von westlichen Strömungen inspirieren. Die Anerkennung, die Korns Bauten heute erfahren, unterstreicht den Stellenwert dieser Gestaltungsleistung, die lange Zeit verkannt wurde.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-dammerung-wahrzeichen-reise-20633195/ · Foto: Levent Simsek
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/zum-tod-von-roland-korn-chefarchitekt-von-ostberlin-201068692.html