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Reparieren statt wegwerfen: Neue Konstruktionsrichtlinien für E-Auto-Akkus
Technik · 13.08.2026 10:25

Reparieren statt wegwerfen: Neue Konstruktionsrichtlinien für E-Auto-Akkus

Kurz: Das Forschungsprojekt E-Track der TU Graz hat neue Konstruktionsrichtlinien für E-Auto-Batterien entwickelt, die Reparaturen und Recycling deutlich erleichtern.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Das Forschungsprojekt E-Track, eine gemeinsame Initiative der TU Graz und der Universität Graz, hat wegweisende Konstruktionsrichtlinien für Traktionsbatterien in Elektrofahrzeugen vorgestellt. Der Kern der Meldung ist der Paradigmenwechsel in der Bauweise von Batteriepacks: Statt der derzeit weit verbreiteten, fest verklebten Systeme, die im Schadensfall oft einen vollständigen Austausch erfordern, schlagen die Forscher reparaturfreundliche und recyclingorientierte Designs vor. Diese neuen Ansätze ermöglichen es, Batteriegehäuse zerstörungsfrei zu öffnen, um einzelne Zellen oder Module zu entnehmen, zu prüfen oder bei Defekten auszutauschen. Das Projekt wurde von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG gefördert und adressiert eine zentrale Schwachstelle der aktuellen Elektromobilität. Die Ergebnisse zeigen, dass eine verbesserte Reparierbarkeit nicht zwangsläufig zu Lasten der Sicherheit oder der Leistungsfähigkeit der Energiespeicher gehen muss. Durch den Einsatz von mechanisch lösbaren Verbindungen und innovativen Kühlkonzepten schaffen die Wissenschaftler eine wissenschaftlich fundierte Grundlage, um den Lebenszyklus von E-Auto-Batterien nachhaltig zu verlängern und die Abhängigkeit von teuren Komplettaustauschen zu verringern. Damit reagiert das Projekt auf die ökologischen und ökonomischen Herausforderungen, die mit der rasanten Verbreitung von Elektrofahrzeugen und dem damit verbundenen Ressourcenverbrauch einhergehen.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Konzepte

Im Rahmen des Projekts E-Track wurden ein Standard-Basisdesign und zwei alternative Konstruktionskonzepte detailliert untersucht. Die erste Alternative ersetzt den üblicherweise verklebten Gehäusedeckel durch eine verschraubte Variante, bei der mechanisch lösbare Wärmeleitpads zum Einsatz kommen. Die zweite Alternative setzt auf ein verschraubtes, gedichtetes Gehäuse, das mit einem elektrisch isolierenden Öl als Kühlmedium arbeitet. Laut Markus Fasching vom Institut für Fahrzeugsicherheit der TU Graz machen Batteriezellen etwa 75 Prozent der Gesamtmasse eines Packs aus und stellen den größten Kostenfaktor dar. Lebenszyklusanalysen belegen, dass sich reparaturfreundliche Designs bereits dann wirtschaftlich lohnen, wenn lediglich 8 Prozent der Zellen im weiteren Verlauf wiederverwendet werden können. Die konstruktiven Änderungen beinhalten den Verzicht auf großflächige Wärmeleitpasten, die nur durch Zerstörung entfernt werden können, zugunsten von lösbaren Pads oder Ölsystemen. Zudem werden Schraubverbindungen mit definierten Lösepunkten anstelle von strukturellen Klebstoffen verwendet. Die Crashlastpfade sind so in die Rahmenstrukturen integriert, dass das Gehäuse auch nach einem Unfall für Rettungskräfte oder Werkstätten zugänglich bleibt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Sustainable Production and Consumption publiziert.

Hintergrund – Der bisherige Verlauf

Die aktuelle Situation bei modernen Elektrofahrzeugen ist geprägt von sogenannten Cell-to-Pack- oder Cell-to-Body-Architekturen. Diese Bauweisen zielen primär auf eine Maximierung der Energiedichte und eine optimale Raumnutzung ab, indem die Zellen direkt in die Karosseriestruktur integriert werden. Diese Systeme sind jedoch auf eine Lebensdauer von etwa 15 Jahren ausgelegt und nutzen strukturelle Klebstoffe mit Scherfestigkeiten von über 20 Megapascal. In der Praxis bedeutet dies, dass eine zerstörungsfreie Demontage nahezu unmöglich ist. Ein kleiner Defekt führt somit häufig zum wirtschaftlichen Totalschaden des gesamten Batterie-Chassis-Verbunds. Das Projekt E-Track entstand aus der Notwendigkeit, diesen linearen Ansatz zu durchbrechen. Die Forschenden fokussierten sich in der ersten Phase auf elektrische Zweiräder, stellten jedoch bereits frühzeitig fest, dass die gewonnenen Erkenntnisse und Designrichtlinien direkt auf Pkw und Lkw übertragbar sind. Die Forschungsarbeit wurde durch die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt, um eine wissenschaftliche Basis für eine nachhaltigere Batterietechnologie zu schaffen, die den Anforderungen einer Kreislaufwirtschaft gerecht wird und gleichzeitig die hohen Sicherheitsstandards der Automobilindustrie erfüllt.

Die Beteiligten – Institutionen und Experten

Zentraler Akteur ist die Technische Universität Graz (TU Graz) in Zusammenarbeit mit der Universität Graz. Maßgeblich beteiligt ist das Institut für Fahrzeugsicherheit der TU Graz, vertreten durch Markus Fasching, der die Ergebnisse der Studie zusammenfasst und die Bedeutung für die Sicherheit unterstreicht. Die Finanzierung und Förderung des Projekts erfolgte durch die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG. Neben den akademischen Partnern gibt es ein starkes Interesse aus der Industrie: Laut Angaben der TU Graz haben bereits mehrere Industriepartner ihr Interesse an Nachfolgeprojekten bekundet. Diese Partner sollen bei der Weiterentwicklung der Diagnosemethoden und der multiphysikalischen Simulationsmodelle unterstützen. Auch das Battery Safety Center Graz spielt eine wichtige Rolle, da dort geplante Demonstrator-Batteriepacks und Crashtests durchgeführt werden sollen, um die für eine spätere Normung notwendigen Sicherheitsdaten zu generieren. Die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie ist dabei essenziell, um die theoretischen Konstruktionsrichtlinien in die industrielle Fertigung zu überführen und die Akzeptanz für reparaturfreundliche Designs bei den Fahrzeugherstellern zu erhöhen.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist das Projekt E-Track als ein notwendiger Gegenentwurf zur aktuellen Maximierungsstrategie der Automobilindustrie. Während die Industrie bisher vor allem auf Energiedichte und geringe Produktionskosten durch Klebeprozesse setzte, zeigen die Grazer Forscher auf, dass eine "Design-for-Repair"-Strategie nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch attraktiv ist. Den Berichten zufolge stellt das ölgekühlte Design eine besonders interessante Lösung dar, da es nicht nur als Wärmesenke fungiert, sondern durch das elektrisch isolierende Medium auch das Risiko von Kurzschlüssen bei mechanischen Beschädigungen minimiert. Die Ergebnisse stehen in einem deutlichen Kontrast zur aktuellen Marktentwicklung, bei der Batterien als "Black Box" behandelt werden. Die Einordnung der Forschungsergebnisse verdeutlicht, dass die Branche vor einem Zielkonflikt steht: Die Balance zwischen maximaler Effizienz in der Serienfertigung und der notwendigen Demontierbarkeit für eine echte Kreislaufwirtschaft muss neu austariert werden. Die wissenschaftliche Fundierung durch E-Track bietet hierfür eine belastbare Entscheidungsgrundlage, die über bloße Vermutungen hinausgeht.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Obwohl die Konstruktionsrichtlinien wissenschaftlich fundiert sind, bleiben einige Aspekte offen. Der Quelltext beantwortet beispielsweise nicht, wie die Fahrzeughersteller auf die potenziell höheren Produktionskosten reagieren werden, die durch den Verzicht auf automatisierte Klebeprozesse entstehen könnten. Auch die Frage, inwieweit sich die neuen Designs auf das Gesamtgewicht der Fahrzeuge auswirken, wird nicht explizit quantifiziert. Ein weiterer Punkt ist die praktische Umsetzung in der Werkstattinfrastruktur: Zwar wird die Reparaturfähigkeit betont, doch welche spezifischen Schulungen und Werkzeuge freie Werkstätten benötigen würden, um diese komplexen Systeme sicher zu warten, bleibt unbeantwortet. Zudem wird nicht geklärt, wie die Haftungsfrage bei einer Reparatur durch Dritte geregelt werden soll, wenn die Batterien nicht mehr im versiegelten Originalzustand des Herstellers sind. Auch die konkreten Kosten für die Implementierung der neuen Diagnosemethoden auf Basis der elektrochemischen Impedanzspektroskopie in bestehende Service-Prozesse der Autohäuser werden im Text nicht adressiert. Die Lücke zwischen der theoretischen Machbarkeit und der großflächigen industriellen Skalierung bleibt somit eine zentrale Unbekannte.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte

Der Weg zur Standardisierung ist bereits geebnet. Die Forschenden halten eine Integration ihrer Ergebnisse in verbindliche Normen bis Anfang der 2030er-Jahre für realistisch. Dies wird durch die EU-Batterieverordnung gestützt, deren Artikel 11 ab Februar 2027 fordert, dass Batterien für Leichtfahrzeuge entfernbar und ersetzbar sein müssen. Für Traktionsbatterien in Pkw sind bereits separate Anforderungen in Arbeit. ISO-Komitees und DIN-Arbeitskreise, etwa für die Standards ISO 6469 oder DIN 91252, arbeiten bereits an Aktualisierungen. Da ein typischer Normungsprozess zwischen drei und sieben Jahren dauert, ist der Zeitplan für die 2030er-Jahre plausibel. Als nächste Schritte sind die Erstellung von Demonstrator-Batteriepacks sowie umfangreiche Crashtests am Battery Safety Center Graz geplant. Diese sollen die notwendigen Sicherheitsdaten liefern, um die neuen Designs in die offiziellen Normungsprozesse einzubringen. Zudem ist die Weiterentwicklung der Diagnosemethoden, die interne Schäden wie Mikro-Kurzschlüsse erkennen können, ein erklärtes Ziel für kommende Forschungsvorhaben, um die Sicherheit von E-Auto-Batterien über deren gesamten Lebenszyklus hinweg zu gewährleisten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-die-arbeitet-2582930/ · Foto: Athena Sandrini
Quelle: https://www.heise.de/news/TU-Graz-entwickelt-Konstruktionsrichtlinien-fuer-reparierbare-E-Auto-Batterien-11412442.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag