Ein Zeichen gegen die Vereinnahmung
Bei der offiziellen Gedenkveranstaltung für die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 im Berliner Bendlerblock kam es zu einem bemerkenswerten Zwischenfall. Tobias Korenke, ein Nachfahre der Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer und Rüdiger Schleicher, versuchte den dort niedergelegten Kranz der AfD zu entfernen. Die Aktion, die den PR-Berater und ehemaligen Pressechef der Funke Mediengruppe schlagartig in den Fokus der Öffentlichkeit rückte, war als bewusster Protest gegen eine Partei gedacht, die laut Korenke den Nationalsozialismus relativiert.
Hintergrund des Protests
Für Korenke, der sich heute unter anderem im Vorstand der Erinnerungs- und Begegnungsstätte Bonhoeffer-Haus engagiert, war die Anwesenheit des Kranzes eine unerträgliche Provokation. Die Männer und Frauen des 20. Juli leisteten unter Einsatz ihres Lebens Widerstand gegen das NS-Regime. Dass eine Partei, die er als antidemokratisch einstuft, diesen Ort für ihre Selbstdarstellung nutzt, empfand er als Verhöhnung der Opfer.
Die Entscheidung, den Kranz eigenmächtig zu entfernen, traf Korenke nicht aus einem Impuls heraus, sondern als bewusste moralische Handlung. Er betont, dass diese Geste kein heroischer Akt sei, sondern eine Form des bürgerlichen Engagements, das jeder Einzelne im Alltag leisten könne, um die Demokratie zu verteidigen.
Rechtliche Einordnung und moralische Haltung
Obwohl Korenke bei seinem Versuch, den Kranz zu entfernen, gestoppt und des Platzes verwiesen wurde, hält er an seiner Haltung fest. Er erkennt die rechtliche Konsequenz seines Handelns an, betont jedoch, dass er das Richtige getan habe. Nach seiner Auffassung ist es essenziell, der AfD bei jeder sich bietenden Gelegenheit laut und deutlich zu widersprechen. Sein Ziel ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Schutz der Demokratie eine fortlaufende Aufgabe ist, die nicht erst in Krisenzeiten, sondern im täglichen Miteinander beginnt.
Die Resonanz in der Öffentlichkeit
Die Aktion hat eine breite Welle der Zustimmung ausgelöst, die für den normalerweise eher zurückhaltenden Kommunikationsprofi fast unerwartet kam. In einer Branche, die oft von Krawall geprägt ist, wirkte Korenkes leiser, aber entschlossener Protest als ein starkes Signal. Die öffentliche Debatte, die durch diesen Vorfall entfacht wurde, dreht sich nicht nur um den konkreten Kranz, sondern um die Frage, wie die demokratische Gesellschaft mit politischen Kräften umgehen sollte, denen eine Nähe zum Faschismus vorgeworfen wird.
Perspektiven für die Erinnerungskultur
Korenke plädiert dafür, den Rechtsstaat und die demokratischen Werte in Zukunft aktiver und sichtbarer zu feiern. Er sieht im Gedenken an den Widerstand gegen Hitler mehr als nur ein rituelles Pflichtprogramm; es sei ein Auftrag, Haltung zu zeigen. Die kommenden Schritte in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der AfD sieht er in einem verstärkten zivilgesellschaftlichen Widerstand. Die Botschaft ist klar: Der Schutz der freiheitlichen Grundordnung erfordert Wachsamkeit und den Mut, sich gegen Bestrebungen zu stellen, die diese Werte untergraben wollen. Die Resonanz auf seine Aktion zeigt, dass dieses Bedürfnis nach einer deutlichen Positionierung in weiten Teilen der Bevölkerung vorhanden ist.