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Plötzlich im Gespräch fürs höchste Staatsamt: Wer ist Ines Claus?
Regional · 28.10.2026 19:43

Plötzlich im Gespräch fürs höchste Staatsamt: Wer ist Ines Claus?

Kurz: Die hessische CDU-Fraktionschefin Ines Claus ist überraschend als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch. Wer ist die Politikerin?

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Die politische Landschaft in Deutschland befindet sich in einer Phase der Spekulation, da die Suche nach einem Nachfolger für den amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier Fahrt aufgenommen hat. Überraschend ist dabei der Name der hessischen CDU-Fraktionsvorsitzenden Ines Claus in den Fokus der bundesweiten Berichterstattung gerückt. Berichten zufolge soll sie als eine Art Favoritin des Bundeskanzlers Friedrich Merz gehandelt werden, um das höchste Staatsamt in der Bundesrepublik zu übernehmen. Die Wahl durch die Bundesversammlung ist für den 30. Januar 2027 terminiert. Während das Amt des Bundespräsidenten historisch mit bedeutenden Persönlichkeiten besetzt war, wäre eine Wahl von Claus ein Novum, da bisher noch keine Frau und auch noch keine Persönlichkeit aus Hessen dieses Amt innehatte. Die Nachricht hat in Berlin und Wiesbaden gleichermaßen für Aufsehen gesorgt, da Claus außerhalb ihres Bundeslandes bisher kaum einem breiten Publikum bekannt ist. Die Debatte um ihre Person ist jedoch von einer bemerkenswerten Zurückhaltung seitens ihrer eigenen Parteikollegen und einer deutlichen Skepsis bei politischen Mitbewerbern geprägt.

Die Einzelheiten zur Person und zum Prozess

Ines Claus, 49 Jahre alt, ist Juristin und führt seit 2020 die CDU-Fraktion im hessischen Landtag. Ihr Aufstieg verlief rasant: Nachdem sie erst ein Jahr dem Parlament angehörte, wurde sie vom damaligen Ministerpräsidenten Volker Bouffier zur Nachfolgerin von Michael Boddenberg ernannt, der in das Finanzministerium wechselte. Claus, die seit drei Jahren dem CDU-Bundesvorstand angehört und seit Anfang 2026 eine von sechs Stellvertretern des Parteivorsitzenden Friedrich Merz ist, wird oft als Generalistin beschrieben. Sie wuchs in Bochum auf und zog im Alter von acht Jahren nach Hessen. Politisch sozialisiert wurde sie durch ihr Engagement im Pfarrgemeinderat. Trotz ihrer juristischen Expertise und ihrer Rolle als Fraktionschefin in einem stabil geführten Landesverband fehlen ihr bisher Erfahrungen in der Bundespolitik sowie eine ausgeprägte öffentliche Bekanntheit. Auf die Berichte über ihre mögliche Kandidatur reagierte sie mit der Aussage, es sei eine Ehre, in diesem Zusammenhang genannt zu werden. Andere Fraktionsmitglieder bestreiten jedoch, dass sie damit bereits ein konkretes Interesse am Amt des Staatsoberhaupts bekundet habe.

Hintergrund der Personaldebatte

Die Spekulationen um das höchste Staatsamt sind eingebettet in ein komplexes Geflecht aus parteiinternen Machtspielen und strategischen Überlegungen. Vor Ines Claus war bereits der hessische Ministerpräsident und CDU-Landeschef Boris Rhein als möglicher Kandidat im Gespräch, zog sich jedoch aus dem Kandidatenkarussell zurück. Beobachter vermuten, dass die aktuelle Debatte auch dazu dient, Stärke gegenüber dem Koalitionspartner und der CSU zu demonstrieren. Die CSU hat mit der bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner bereits eine eigene, prominente Kandidatin ins Spiel gebracht, die von Ministerpräsident Markus Söder unterstützt wird. Dass der Name Claus nun auftaucht, wird in Berlin teilweise als taktisches Manöver des Kanzlers interpretiert, um den Prozess zu steuern. Die CDU, als größte Fraktion im Bundestag, erhebt den Anspruch, den nächsten Bundespräsidenten zu stellen. Dennoch ist der interne Rückhalt für Claus bisher nicht erkennbar, während Aigner bereits auf parteiübergreifende Sympathien, etwa bei SPD-Politikern wie Hubertus Heil und dem Grünen-Politiker Omid Nouripour, verweisen kann.

Die Beteiligten und ihre Rollen

In das Geschehen sind zahlreiche Akteure eingebunden. Bundeskanzler Friedrich Merz hält sich offiziell bedeckt und hat für den 9. November eine Präsidiumssitzung der CDU angekündigt, um einen geordneten Prozess einzuleiten. Er betonte, bisher weder eine Entscheidung getroffen noch einen Vorschlag unterbreitet zu haben. Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein hält sich mit öffentlichen Äußerungen zur Personalie Claus zurück und mahnt zur Sachlichkeit, indem er betont, erst das Profil und dann die Namen zu diskutieren. Auf der Gegenseite haben sich prominente Politiker wie der SPD-Fraktionschef Matthias Miersch und der ehemalige Bundesarbeitsminister Hubertus Heil klar für Ilse Aigner ausgesprochen. Auch der Grünen-Politiker Omid Nouripour äußerte sich skeptisch gegenüber einer Kandidatur von Claus und stellte die Eignung der Hessin in Frage. Innerhalb der CDU werden zudem Namen wie die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Umweltministerin Karin Prien und die ehemalige Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer als Alternativen für das Amt genannt.

Einordnung der politischen Lage

Einzuordnen ist die Debatte als ein schwieriges Unterfangen für die CDU. Während die Partei den Anspruch auf das Amt erhebt, droht durch die öffentliche Zersplitterung der Kandidatenkür ein Schaden für die Beteiligten. Dass Claus bisher keine öffentliche Unterstützung aus der eigenen hessischen Landespartei erfährt, ist ein Indiz für die interne Stimmungslage. Politische Beobachter bewerten ihre bisherige Arbeit als sachlich und solide, betonen jedoch, dass ihr die für das Bundespräsidentenamt notwendige überparteiliche Strahlkraft fehle. Dass sie sich in der Debatte um den Umgang mit der AfD eher zurückhält, wird fraktionsintern als Zeichen einer strikten, aber unauffälligen Haltung gewertet. Den Berichten zufolge könnte die Nennung von Claus auch als Versuch des Kanzlers dienen, die CSU unter Druck zu setzen, ohne sich bereits auf eine endgültige Person festzulegen. Die mangelnde Bekanntheit der Kandidatin wird dabei sowohl als Schwäche – aufgrund fehlender bundespolitischer Erfahrung – als auch als potenzielle Stärke – als unbeschriebenes Blatt – diskutiert.

Offene Fragen im Prozess

Der vorliegende Quelltext lässt zahlreiche Fragen unbeantwortet, die für den weiteren Verlauf der Kandidatensuche entscheidend sein dürften. Es bleibt unklar, wie fundiert die ursprünglichen Berichte über eine Favoritenrolle von Ines Claus tatsächlich sind und inwieweit der Kanzler diese Spekulationen aktiv befeuert hat. Zudem wird nicht geklärt, ob Claus selbst eine ernsthafte Ambition verfolgt oder ob sie lediglich als Platzhalterin in einem taktischen Spiel fungiert. Es fehlen Informationen darüber, welche spezifischen Kriterien die CDU für das Profil des neuen Bundespräsidenten anlegt, abgesehen von der allgemeinen Erwähnung eines geordneten Prozesses. Auch die Frage, ob es innerhalb der hessischen CDU tatsächlich Vorbehalte gegen Claus gibt oder ob das Schweigen lediglich der parteiinternen Disziplin geschuldet ist, bleibt spekulativ. Ebenso wenig ist bekannt, welche konkreten Gespräche zwischen der CDU und den Koalitionspartnern SPD und Grüne bereits stattgefunden haben oder ob diese erst für die Zeit nach dem 9. November geplant sind.

Wie es weitergeht

Der Zeitplan für die Findung eines Kandidaten ist eng getaktet. Der nächste entscheidende Schritt ist die Präsidiumssitzung der CDU am 9. November, die den Auftakt für einen geordneten Nominierungsprozess bilden soll. Bundeskanzler Friedrich Merz hat angekündigt, vor einer endgültigen Entscheidung das Gespräch mit den Koalitionspartnern SPD und Grüne zu suchen, um eine breite Unterstützung für den künftigen Amtsinhaber oder die Amtsinhaberin zu sichern. Das Ziel ist eine Einigung, die über die eigene Fraktion hinausgeht, um die Wahl in der Bundesversammlung am 30. Januar 2027 abzusichern. Ob Ines Claus in diesem Prozess weiterhin eine Rolle spielen wird oder ob die CDU auf andere, bereits genannte Namen wie Julia Klöckner oder Karin Prien zurückgreift, bleibt abzuwarten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die aktuelle Debatte lediglich ein Testlauf für die öffentliche Wahrnehmung war oder ob die CDU tatsächlich bereit ist, eine bisher wenig bekannte Persönlichkeit für das höchste Staatsamt zu nominieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/neues-rathaus-hannover-22813505/ · Foto: Daniel Lengies
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-ploetzlich-im-gespraech-fuers-hoechste-staatsamt-wer-ist-ines-claus-100.html