Ein beispielloser Machtkampf erschüttert die FIFA
Lange Zeit galt Gianni Infantino als unantastbarer Strippenzieher im Weltfußball. Nach dem wirtschaftlichen Erfolg der Weltmeisterschaft 2026 schien seine Position gefestigt, doch nun sieht sich der FIFA-Präsident mit einer existentiellen Krise konfrontiert. Der Grund für den plötzlichen Vertrauensverlust sind geheime Pläne zur Gründung einer Tochtergesellschaft, an die Infantino bis zu 20 Prozent der Anteile an private Investoren abtreten wollte. Kritiker sehen darin einen Versuch, sich langfristig Einfluss und finanzielle Vorteile zu sichern.
Widerstand aus den eigenen Reihen
Die Kritik an diesem Vorgehen ist massiv. Selbst aus dem engsten Umfeld des Präsidenten regt sich Protest: Sein leitender Berater, Carlos Cordeiro, trat aus Protest zurück und bezeichnete das Vorhaben als schlechtes Geschäft für den Fußball und die Mitgliedsverbände. Besonders brisant ist dabei, dass Infantino die Pläne offenbar ohne Einbindung seiner engsten Berater vorangetrieben hat. Dass das Projekt durch Medienberichte an die Öffentlichkeit gelangte, gilt als Indiz für ein bröckelndes Machtgefüge.
Die Front der Kontinentalverbände
Die Reaktion der großen Kontinentalverbände ist beispiellos. Die UEFA drohte mit einem Boykott sämtlicher FIFA-Turniere, sollte Infantino an seinen Plänen festhalten. Auch die CONCACAF und der asiatische Verband (AFC) haben sich klar gegen den Vorschlag positioniert. Da diese drei Verbände zusammen die Mehrheit der Stimmen innerhalb der FIFA stellen, sind die Investorenpläne rein rechnerisch kaum noch umsetzbar.
Besonders das Statement der AFC wiegt schwer. Der Verband, der Infantino in der Vergangenheit meist loyal zur Seite stand, kritisiert nun die mangelnde Transparenz und die Untergrabung der FIFA-Gremien. Die AFC fordert, die aktuelle Krise als Katalysator für grundlegende institutionelle Reformen zu nutzen.
Umstrittene Methoden der Entscheidungsfindung
Die FIFA versucht, die Kritik als Missverständnis darzustellen und schiebt die Verantwortung auf eine angeblich fehlerhafte Berichterstattung. Dennoch wirken die Begleitumstände der Abstimmung entlarvend: Den Mitgliedsverbänden wurde eine Frist bis zum 19. September gesetzt. Wer dem Deal zustimmt, soll eine Sonderzahlung von 20 Millionen US-Dollar erhalten. Kritiker wie die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness, die lange Zeit als einsame Stimme gegen Infantino agierte, sehen darin ein System, das nun an seine Grenzen stößt.
Ungewisse Zukunft für Infantino
Schon 2018 versuchte Infantino mit dem sogenannten „Project Trophy“, FIFA-Rechte an Investoren – mutmaßlich aus Saudi-Arabien – zu verkaufen. Damals konnte er den Widerstand im FIFA Council noch überwinden. Die aktuelle Situation stellt sich jedoch anders dar. Der internationale Fußball steht vor einer Zerreißprobe, die bereits in wenigen Wochen eskalieren könnte: Sollte die UEFA ihre Drohung wahr machen, könnte die U20-WM der Frauen im September zum ersten Schauplatz eines Boykotts werden.
Für Infantino, der im kommenden Jahr seine letzte formelle Amtszeit antreten wollte, ist die Situation prekär. Was bisher als Formsache galt, ist durch den breiten Widerstand der Verbände zu einer offenen Machtfrage geworden. Die Forderungen nach einer transparenteren Führung und einer echten Beteiligung der Gremien haben den FIFA-Präsidenten in die Defensive gedrängt.