Ein Neuanfang unter veränderten Vorzeichen
Kurz vor dem Auftakt der zweiten Fußball-Bundesliga, bei dem Hertha BSC auswärts auf den VfL Bochum trifft, steht der Verein vor einer wegweisenden Saison. Peter Görlich, seit September 2025 Geschäftsführer bei den Berlinern, blickt der kommenden Spielzeit mit einer Mischung aus Vorfreude und gesunder Anspannung entgegen. Nach einer intensiven sechswöchigen Vorbereitung sieht der gebürtige Darmstädter den Club gut gerüstet, um die erarbeiteten Prinzipien nun unter Wettbewerbsbedingungen auf den Platz zu bringen.
Der "Berliner Weg" als gelebte Strategie
Die vergangene Saison, in der der angestrebte Aufstieg ausblieb, hat bei den Verantwortlichen zu einem Umdenken geführt. Görlich betont, dass der Verein in der Vergangenheit finanziell über seine Verhältnisse gelebt habe. Diese Phase sei beendet. Die aktuelle Strategie sieht eine konsequente Konsolidierung vor, die auch mit einer Reduzierung der Kaderkosten einhergeht.
Der sogenannte "Berliner Weg" soll dabei keine bloße Floskel bleiben. Görlich unterstreicht, dass man verstärkt auf interne Talente setzt. Diese jungen Spieler, von denen einige noch keine Erfahrung im Herrenbereich hatten, sollen sukzessive in die Mannschaft integriert werden. Als Beleg für diesen Kurs führt er das Testspiel gegen den 1. FC Köln an, bei dem die Nachwuchskräfte trotz widriger Wetterbedingungen überzeugt hätten.
Sportliche Neuausrichtung und Kaderplanung
Neben der finanziellen Sanierung steht eine neue fußballerische Identität im Fokus. Die Mannschaft soll künftig durch ein höheres Pressing und eine gesteigerte Intensität agieren. Diese Spielidee wurde in der Vorbereitung konsequent einstudiert.
Bezüglich der Kaderplanung äußert sich Görlich gelassen. Trotz der Einnahmen aus Spielerverkäufen, die laut Medienberichten bei rund 25 Millionen Euro liegen könnten, betont der Geschäftsführer, dass man bei derartigen Summen stets die tatsächlichen Netto-Einnahmen berücksichtigen müsse. Man sei jedoch handlungsfähig und beobachte den Transfermarkt weiterhin genau. Mit Oluwaseun Adewumi wurde bereits ein Spieler verpflichtet, der ein spezifisches Profil abdeckt, das zuvor im Kader fehlte. Weitere punktuelle Verstärkungen sind in den verbleibenden vier Wochen der Transferperiode nicht ausgeschlossen.
Konsolidierung als fortlaufender Prozess
Die wirtschaftliche Lage des Vereins hat sich zwar entspannt, doch von einer Entwarnung kann noch keine Rede sein. Görlich spricht von einer notwendigen Transformation, die den Verein noch einige Zeit begleiten wird. Neben der sportlichen Neuausrichtung stehen auch die Rückzahlung von Anleihen und die Optimierung der kommerziellen Bereiche auf der Agenda.
Ein wichtiger Erfolg in der Vorbereitung war laut Görlich die medizinische Abteilung. Durch gezielte Investitionen konnte die Verfügbarkeit der Spieler auf den höchsten Stand der letzten fünf Jahre gehoben werden – ein Faktor, der für die Stabilität in einer langen Saison entscheidend sein kann.
Ambitionen für die neue Saison
Für die kommende Spielzeit hat Hertha BSC ein klares sportliches Ziel definiert: ein einstelliger Tabellenplatz mit dem Anspruch, das Maximum nach oben herauszuholen. Görlich warnt jedoch davor, sich zu sehr an externen Prognosen zu orientieren. In der zweiten Liga, in der oft jeder jeden schlagen könne, seien mannschaftliche Geschlossenheit, Mut und eine klare Identität wichtiger als reine Finanzkraft.
Der Fokus liegt dabei auch auf der Nachwuchsakademie, in der man in den letzten Jahren nach Ansicht des Geschäftsführers Potenziale ungenutzt gelassen habe. Durch die nachhaltige Ausrichtung soll sichergestellt werden, dass der Verein auch für kommende Generationen ein wichtiger Bestandteil der Stadt bleibt. Das Auftaktspiel in Bochum sieht Görlich als ersten Härtetest, bei dem die Mannschaft beweisen kann, dass sie die neuen taktischen Vorgaben bereits verinnerlicht hat.