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Oscars: »Everytime« geht für Deutschland als bester internationaler Film ins Rennen
Kultur · 25.08.2026 21:38

Oscars: »Everytime« geht für Deutschland als bester internationaler Film ins Rennen

Kurz: Das Drama »Everytime« von Sandra Wollner wurde als deutscher Beitrag für die Oscars nominiert. Erstmals könnten drei deutsche Filme auf der Shortlist landen.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Deutschland hat seine offizielle Auswahl für das Rennen um die begehrte Trophäe in der Kategorie »Bester internationaler Film« bei den kommenden Oscars getroffen. Wie die Auslandsvertretung des deutschen Films, German Films, am Abend des 25. August 2026 in München bekannt gab, ist das Drama »Everytime« der österreichischen Regisseurin Sandra Wollner als deutscher Beitrag für die Academy Awards nominiert worden. Die Entscheidung markiert einen wichtigen Meilenstein für die Produktion, die bereits bei den Filmfestspielen von Cannes für Aufsehen sorgte. Die Jury begründete ihre Wahl mit der besonderen filmischen Qualität des Werkes. Insbesondere die »flirrende, bisweilen entrückte Atmosphäre« des Films habe überzeugt. Die Auswahl stellt sicher, dass Deutschland mit diesem spezifischen, emotional tiefgründigen Werk in den internationalen Wettbewerb tritt, wobei die Konkurrenz in diesem Jahr durch eine bedeutende Regeländerung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences eine völlig neue Dynamik erfährt. Es ist ein Prozess, der nun in den kommenden Monaten durch verschiedene Phasen der Vorauswahl und Nominierung führen wird, bis schließlich die endgültigen Anwärter auf den Goldjungen feststehen.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen, Orte und Zitate

Der Film »Everytime« unter der Regie von Sandra Wollner rückt das Schicksal von Ella und ihrer jüngeren Tochter Melli in den Fokus. Die Handlung setzt ein Jahr nach dem plötzlichen Tod der älteren Tochter Jessie ein, wobei die Protagonistinnen versuchen, ihren Alltag inmitten der Trauer zu bewältigen. Die Erzählweise nutzt dabei subtile Mittel wie kleine Gesten, alte Nachrichten und Videoaufnahmen, um den Verlust greifbar zu machen. Eine zentrale Rolle spielt eine Reise nach Teneriffa, die gemeinsam mit Jessies Freund Lux unternommen wird und verdrängte Gefühle sowie Erinnerungen an die Oberfläche befördert. In den Hauptrollen sind Birgit Minichmayr, Carla Hüttermann und Tristán López zu sehen. Die Jury lobte die Inszenierung als ein Werk, das »elegant mit Form und narrativen Ellipsen« spiele und die »Zwischenräume des Verlustschmerzes« ausleuchte. Es wird betont, wie Erinnerung und Gegenwart sowie Realität und Imagination ineinanderfließen. Die Produktion konnte bereits bei den Filmfestspielen von Cannes den Hauptpreis der Sektion »Un Certain Regard« für sich entscheiden, was den hohen künstlerischen Anspruch des Werkes unterstreicht.

Hintergrund – Vorgeschichte und bisheriger Verlauf

Die diesjährige Oscar-Saison ist durch eine fundamentale Neuerung bei den Einreichungsregeln geprägt, die das Feld der deutschen Anwärter massiv erweitert hat. Bisher war das Auswahlverfahren für den deutschen Beitrag ein vergleichsweise geradliniger Prozess, bei dem ein einzelner Film durch eine Fachjury bestimmt wurde. Nun jedoch gilt eine neue Regelung: Produktionen, die bei bestimmten, von der Academy anerkannten Filmfestivals Hauptpreise gewonnen haben, sind automatisch für die Einreichung qualifiziert. Dies hat dazu geführt, dass neben dem offiziell von German Films ausgewählten »Everytime« auch zwei weitere deutsche Produktionen eine realistische Chance haben, auf die Shortlist zu gelangen. Dabei handelt es sich um Ilker Çataks Film »Gelbe Briefe«, der bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, sowie um Visar Morinas Werk »Von Scham und Geld«, das beim Sundance Festival den World Cinema Grand Jury Prize erhielt. Die Produktionsfirmen dieser beiden Filme müssen die Einreichung bei der Academy noch formal abschließen, was jedoch als reine Formsache betrachtet wird.

Die Beteiligten – Personen und Institutionen

Die Auswahl von »Everytime« wurde durch German Films getroffen, die zentrale Institution für die internationale Vermarktung des deutschen Kinos mit Sitz in München. Die Regisseurin Sandra Wollner zeichnet für das kreative Konzept verantwortlich. Vor der Kamera agieren die Schauspieler Birgit Minichmayr, Carla Hüttermann und Tristán López. Auf der Seite der weiteren möglichen Anwärter sind die Regisseure Ilker Çatak und Visar Morina zu nennen, deren Werke durch ihre Festivalerfolge nun ebenfalls in den Fokus der Academy rücken. Die Entscheidung über die Shortlist wird später im Jahr von einer speziellen Jury aus Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences getroffen, die aus der Gesamtheit der eingereichten internationalen Beiträge eine Auswahl von 15 Filmen für die Shortlist zusammenstellt. Dieser Prozess ist hochgradig kompetitiv und umfasst Vertreter der globalen Filmindustrie, die über die künstlerische Qualität der eingereichten Beiträge urteilen.

Einordnung – Die Bedeutung des Geschehens

Einzuordnen ist die aktuelle Entwicklung als eine Zäsur für die deutsche Oscar-Strategie. Dass erstmals drei deutsche Produktionen gleichzeitig auf eine Nominierung hoffen können, erhöht die statistische Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg deutlich. Den Berichten zufolge ist die neue Regelung der Academy ein Versuch, die Vielfalt und die Bedeutung internationaler Filmfestivals stärker in den Oscar-Prozess zu integrieren. Die Jury-Erklärung zu »Everytime« deutet darauf hin, dass die deutsche Auswahl auf eine ästhetisch anspruchsvolle, poetische Erzählweise setzt, die sich von konventionellen Dramen abhebt. Es ist bemerkenswert, dass Deutschland in der Vergangenheit bereits viermal den Oscar für den besten internationalen Film gewinnen konnte – zuletzt 2023 mit Edward Bergers Antikriegsfilm »Im Westen nichts Neues«. Weitere historische Erfolge feierten »Das Leben der anderen« von Florian Henckel von Donnersmarck, »Nirgendwo in Afrika« von Caroline Link sowie »Die Blechtrommel« von Volker Schlöndorff. Der Erfolg von »Everytime« in Cannes dient dabei als wichtiges Qualitätssiegel für die internationale Wahrnehmung.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der vorliegende Quelltext lässt einige Fragen offen, die für den weiteren Verlauf des Wettbewerbs von Bedeutung sein könnten. So bleibt beispielsweise unklar, welche konkreten Kriterien die Academy-Jury bei der finalen Auswahl der 15 Shortlist-Plätze anlegt, da dies ein interner Prozess der Academy ist. Auch wird nicht explizit ausgeführt, wie die Konkurrenz aus anderen Ländern in diesem Jahr aussieht, was eine Einschätzung der tatsächlichen Gewinnchancen für die deutschen Beiträge erschwert. Zudem bleibt offen, ob die Produktionsfirmen von »Gelbe Briefe« und »Von Scham und Geld« bereits konkrete Termine für ihre formale Einreichung bei der Academy festgelegt haben, auch wenn dies als Formsache bezeichnet wird. Ebenso fehlen Informationen über die genaue finanzielle oder logistische Unterstützung, die die Filme durch die deutsche Filmförderung für die aufwendige Oscar-Kampagne erhalten, die für eine erfolgreiche Nominierung oft entscheidend ist.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte und Termine

Der weitere Zeitplan für die 99. Oscar-Verleihung ist bereits fest definiert. Ein entscheidender Termin ist der 15. Dezember 2026, an dem die Shortlist mit den 15 ausgewählten Filmen für die Kategorie »Bester internationaler Film« veröffentlicht werden soll. Aus dieser Auswahl werden im nächsten Schritt die fünf endgültigen Nominierungen bestimmt. Diese Nominierungen sollen am 21. Januar 2027 bekanntgegeben werden. Eine wichtige Änderung in diesem Jahr betrifft zudem die Art der Nominierung: Nicht mehr das Produktionsland gilt als offizieller Nominierter, sondern der Film selbst. Den Oscar nimmt der Regisseur oder die Regisseurin stellvertretend für das gesamte kreative Team entgegen. Der Höhepunkt des Prozesses ist die 99. Oscar-Verleihung, die am 14. März 2027 in Los Angeles stattfinden wird. Für das deutsche Publikum ist die Übertragung der Zeremonie in der Nacht zum 15. März 2027 vorgesehen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/gebaude-architektur-berlin-deutschland-14129741/ · Foto: Julius Weidenauer
Quelle: https://www.spiegel.de/kultur/kino/oscars-everytime-geht-fuer-deutschland-als-bester-internationaler-film-ins-rennen-a-47941f40-e6ef-45bf-a857-27afdd8a6d6e#ref=rss