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Oscar-Teilnahme: Deutschland tritt mit dem Film „Everytime“ an
Kultur · 25.08.2026 18:43

Oscar-Teilnahme: Deutschland tritt mit dem Film „Everytime“ an

Kurz: Das deutsche Familiendrama „Everytime“ von Regisseurin Sandra Wollner geht als offizieller Beitrag für die 99. Academy Awards ins Rennen.

Ein dramatischer Auftakt für die Oscar-Saison

Die deutsche Filmbranche hat eine richtungsweisende Entscheidung für die kommende Verleihung der 99. Academy Awards getroffen. Wie das nationale Zentrum zur Verbreitung deutscher Filme, „German Films“, offiziell bekannt gab, wurde das Familiendrama „Everytime“ als offizieller deutscher Beitrag für die prestigeträchtige Kategorie „Internationaler Spielfilm“ ausgewählt. Diese Entscheidung fiel nach einem intensiven Auswahlprozess, bei dem eine neunköpfige Fachjury aus einer Vorauswahl von insgesamt elf eingereichten Produktionen wählen musste. Die Wahl auf das Werk von Regisseurin Sandra Wollner markiert einen bedeutenden Meilenstein für die Produktion, die bereits im Vorfeld durch ihre künstlerische Qualität und ihre internationale Resonanz auf sich aufmerksam machen konnte. Der Film, der sich mit den tiefgreifenden Auswirkungen eines tragischen Unfalls auf eine Familie auseinandersetzt, konnte sich gegen eine starke Konkurrenz durchsetzen und repräsentiert nun die deutsche Kinolandschaft auf der weltweit größten Bühne der Filmindustrie.

Die inhaltliche und ästhetische Tiefe des Werks

Im Zentrum von „Everytime“ steht eine Erzählung, die sowohl durch ihre emotionale Wucht als auch durch ihre visuelle Gestaltung besticht. Die Handlung nimmt ihren Anfang über den Dächern Berlins. Die Kamera fängt in einer präzisen und atmosphärischen Weise das Bild zweier Jugendlicher ein, die nach einer durchfeierten Nacht auf dem Dach eines Plattenbaus stehen. Dieser Moment der Unbeschwertheit findet ein jähes und brutales Ende, als das 17-jährige Mädchen in die Tiefe stürzt. Die Regisseurin Sandra Wollner, die auch das Drehbuch verfasste, nutzt diesen tragischen Vorfall als Ausgangspunkt, um die darauffolgende Zerrüttung einer Familie zu porträtieren. Der Film thematisiert dabei nicht nur den Verlust an sich, sondern auch die psychische und physische Verstümmelung der Hinterbliebenen. Kritiker loben insbesondere die Kameraarbeit, die eine schimmernde, fast ätherische Stimmung erzeugt, welche den Kontrast zwischen dem jugendlichen Lebenshunger und der harten Realität des Todes scharf herausarbeitet. Birgit Minichmayr verkörpert in diesem Drama die Rolle der trauernden Mutter und verleiht der Geschichte eine zentrale emotionale Ankerstelle.

Der bisherige Erfolgsweg der Regisseurin

Sandra Wollner, die 1983 in Leoben in der österreichischen Steiermark geboren wurde und heute in Berlin lebt, hat sich in den vergangenen Jahren als eine der profiliertesten Stimmen des zeitgenössischen Kinos etabliert. Ihr Weg zum Erfolg war kein plötzlicher Zufall, sondern das Ergebnis einer konsequenten künstlerischen Entwicklung. Bereits mit ihrem Debütfilm „Das unmögliche Bild“ erntete sie einhelliges Lob von Kritikern und Fachpublikum. „Everytime“ stellt nun die logische Fortsetzung ihrer Auseinandersetzung mit komplexen menschlichen Zuständen dar. Ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg zur Oscar-Nominierung war die Präsentation des Films beim renommierten Filmfestival in Cannes. Dort konnte sich das Werk gegen eine Vielzahl internationaler Produktionen behaupten und wurde mit dem Hauptpreis der Nebensektion „Un certain regard“ ausgezeichnet. Dieser Erfolg in Cannes legte den Grundstein für die nun erfolgte Nominierung durch die deutsche Jury und bestätigte die internationale Relevanz der filmischen Handschrift Wollners.

Die Akteure hinter der Auswahl

Die Auswahl des deutschen Beitrags obliegt dem Gremium von „German Films“. Diese Institution fungiert als zentrale Anlaufstelle für die internationale Vermarktung und Förderung des deutschen Kinos. Die neunköpfige Jury, die für die aktuelle Oscar-Saison berufen wurde, hatte die Aufgabe, aus den elf eingereichten Filmen jenen auszuwählen, der die besten Chancen auf eine Nominierung durch die Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat. Neben der Regisseurin Sandra Wollner und der Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr sind auch die Produzenten und das Team hinter der Kamera maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt. Dass der Film „Everytime“ nun als offizieller Vertreter Deutschlands ins Rennen geht, unterstreicht die Wertschätzung, die Wollners Arbeit innerhalb der deutschen Filmindustrie genießt. Die Juryentscheidung ist dabei als ein Votum für eine spezifische ästhetische Qualität zu verstehen, die über rein erzählerische Aspekte hinausgeht.

Eine veränderte Wettbewerbslandschaft

Die diesjährige Oscar-Verleihung findet unter veränderten Vorzeichen statt, was insbesondere durch neue Regeländerungen bei den Statuten der Academy beeinflusst wird. Diese Neuerungen haben dazu geführt, dass neben dem offiziellen Beitrag „Everytime“ zwei weitere deutsche Produktionen eine gesicherte Startposition erhalten haben. Der Film „Gelbe Briefe“ von Regisseur İlker Çatak ist nach den aktuellen Regeln automatisch qualifiziert, da er bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. Ebenso sicher ist der Platz für Visar Morinas Werk „Von Scham und Geld“, welches den World Cinema Grand Jury Prize beim Sundance Film Festival gewinnen konnte. Diese Konstellation ist ein Novum und bedeutet, dass Deutschland mit drei Filmen im erweiterten Kreis der potenziellen Kandidaten vertreten ist. Einzuordnen ist das so, dass die deutsche Filmkunst durch diese Erfolge bei großen internationalen Festivals eine erhöhte Sichtbarkeit und Anerkennung erfährt, was die Chancen auf eine finale Nominierung in der Kategorie „Internationaler Spielfilm“ statistisch gesehen erhöht.

Die verbleibenden Unwägbarkeiten

Trotz der klaren Auswahl von „Everytime“ als offiziellem Beitrag und der zusätzlichen Qualifikation der anderen beiden Filme bleiben zahlreiche Fragen für den weiteren Verlauf der Oscar-Saison offen. Der Quelltext macht keine Angaben dazu, wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences die drei deutschen Werke im direkten Vergleich bewerten wird. Ebenso bleibt unklar, welche anderen internationalen Produktionen als schärfste Konkurrenten für den deutschen Beitrag in Frage kommen. Es ist nicht bekannt, ob die neuen Regeländerungen der Oscars, die zu der automatischen Qualifikation von Çatak und Morina führten, auch Auswirkungen auf die strategische Vermarktung der Filme durch „German Films“ haben werden. Auch über die genauen Termine für die Bekanntgabe der Shortlists oder den Ablauf der weiteren Auswahlrunden innerhalb der Academy liefert der vorliegende Bericht keine Informationen. Die Dynamik des Wettbewerbs und die spezifischen Kriterien, nach denen die Academy-Mitglieder letztlich ihre Stimmen abgeben, bleiben somit ein Bereich, der erst in den kommenden Monaten durch weitere offizielle Ankündigungen konkretisiert werden wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/klassische-backsteinarchitektur-in-frankfurt-38499529/ · Foto: Arlind D
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kulturnachrichten/everytime-geht-als-deutscher-beitrag-fuer-die-oscars-ins-rennen-201158843.html