Digitale Buchungsplattformen auf Erfolgskurs
Der deutsche Tourismussektor erlebt eine deutliche Verschiebung hin zur digitalen Vermittlung. Wie das Statistische Bundesamt unter Berufung auf Daten der EU-Behörde Eurostat bekannt gab, haben Online-Plattformen wie Airbnb, Booking und Expedia im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Mit insgesamt 68,3 Millionen vermittelten Übernachtungen in Ferienhäusern und -wohnungen wurde ein Zuwachs von 13,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielt.
Dieser Trend verdeutlicht die wachsende Bedeutung der Plattformökonomie für den heimischen Tourismus. Besonders eindrucksvoll ist der Vergleich zum Vor-Pandemie-Niveau: Die aktuellen Zahlen liegen um rund 83 Prozent über dem Wert von 2019. Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, da die Datenbasis im Vergleich zum Vorjahr bereinigt wurde. Da der Anbieter TripAdvisor den Datenaustausch mit Eurostat eingestellt hat, sind dessen Buchungen in der aktuellen Statistik nicht mehr enthalten.
Ergänzung zur klassischen Tourismusstatistik
Die offiziellen Übernachtungszahlen des Statistischen Bundesamtes bilden traditionell nur Betriebe ab einer Größe von mindestens zehn Betten ab. Die Daten der Online-Portale schließen hier eine wichtige Lücke, da sie vor allem kleinere Einheiten erfassen. Nach Angaben der Statistiker fanden 94 Prozent der über die Portale gebuchten Übernachtungen – das entspricht 64,1 Millionen Nächten – in kleineren Unterkünften statt, die in der klassischen Erhebung oft nicht auftauchen.
Regionale Unterschiede und Gästestruktur
Bei der geografischen Verteilung der Buchungen zeigt sich ein deutlicher Fokus auf Süddeutschland. Bayern führt das Ranking mit 10,6 Millionen Übernachtungen an, gefolgt von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen mit jeweils 8,1 Millionen Buchungen.
Die Herkunft der Gäste offenbart zudem unterschiedliche Reisemuster in den Bundesländern:
* **Inlandstourismus:** In Küstenländern wie Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein dominieren inländische Gäste mit einem Anteil von rund 90 Prozent.
* **Internationalität:** In den Stadtstaaten ist das Bild internationaler. So stammten in Berlin beispielsweise mehr als zwei Drittel (67,7 Prozent) der Gäste aus dem Ausland.
Starke Nachfrage aus dem In- und Ausland
Insgesamt zeigt sich eine robuste Nachfrage, die sowohl von inländischen als auch von ausländischen Reisenden getragen wird. Die Zahl der Übernachtungen durch Gäste aus dem Inland stieg 2025 um 15,3 Prozent auf 48,5 Millionen an. Auch der internationale Sektor wuchs um 7,8 Prozent auf 19,8 Millionen Buchungen.
Innerhalb der internationalen Gästegruppen führen die Niederlande mit 2,9 Millionen Übernachtungen die Statistik an. Dahinter folgen Polen mit 2,1 Millionen und die USA mit 1,3 Millionen gebuchten Nächten.
Einordnung der Marktentwicklung
Die Daten verdeutlichen, dass Ferienunterkünfte zunehmend als attraktive Alternative zum klassischen Hotelaufenthalt wahrgenommen werden. Während das Interesse an privaten Rückzugsorten wächst, stehen potenzielle Investoren und Vermieter vor der Herausforderung, die Rentabilität solcher Objekte genau zu prüfen. Die hohe Nachfrage bietet Chancen, erfordert jedoch eine genaue Beobachtung der Marktbedingungen und der individuellen Kostenstrukturen. Die zunehmende Digitalisierung der Buchungsprozesse dürfte auch in den kommenden Jahren ein zentraler Treiber für die Branche bleiben.