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?One Night Only“ im Kino: Auf der Suche nach dem Kondom
Kultur · 27.08.2026 20:52

?One Night Only“ im Kino: Auf der Suche nach dem Kondom

Kurz: Die neue Komödie „One Night Only“ spielt in einer nahen Zukunft, in der Sex nur an einem einzigen Tag im Jahr erlaubt ist. Ein turbulenter Hindernislauf beginnt

Was geschehen ist: Ein Hindernislauf durch eine restriktive Zukunft

In der US-amerikanischen Filmkomödie „One Night Only“ entwerfen die Drehbuchautoren Will Gluck und Travis Braun ein Szenario, das auf den ersten Blick wie eine radikale Dystopie anmutet. In einem alternativen Amerika der nahen Zukunft ist der Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe streng untersagt. Es gibt jedoch eine einzige Ausnahme: Einmal im Jahr wird der Beischlaf für die Bevölkerung legalisiert. Die Berechtigung hierfür wird durch einen Chip im Unterarm signalisiert, der die entsprechende Farbe anzeigt. Diese Prämisse erinnert in ihrer Grundstruktur an die bekannte Horrorfilmreihe „The Purge“, in der ein repressives Regime für einen begrenzten Zeitraum das Gewaltmonopol aufhebt. Während dort jedoch Gewalt und Abrechnungen im Vordergrund stehen, kehrt „One Night Only“ dieses Konzept ins Lustvolle und Komödiantische um. Die Geschichte konzentriert sich auf die nächtlichen Erlebnisse der Protagonisten Owen und Allie, die in dieser einen Nacht versuchen, ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Dabei geraten sie in eine Kaskade von Hindernissen, die den Film zu einer klassischen, wenn auch durch eine dystopische Prämisse erweiterten romantischen Komödie machen. Der Film beleuchtet dabei nicht nur die absurden bürokratischen Hürden einer solchen Welt, sondern auch die menschlichen Sehnsüchte, die sich trotz staatlicher Reglementierung ihren Weg bahnen.

Die Einzelheiten: Von Pizzabäckern und verzweifelten Sängern

Die Handlung setzt bei Owen ein, einem sympathischen jungen Mann, der seinen Laden schließt und gerade noch eine Pizza in den Ofen schiebt. Für ihn ist der Abend präzise durchgeplant: Er möchte seiner Freundin Malika einen Heiratsantrag machen, um anschließend den ehelichen Beischlaf vollziehen zu können. Doch das Schicksal hat andere Pläne, als Malika ihn in einem äußerst ungünstigen Moment mit einer unerwarteten Entscheidung konfrontiert. Parallel dazu lernen wir Allie kennen, eine Sängerin, die ihren Lebensunterhalt unter anderem mit der Produktion von Werbeclips bestreitet. Allie ist auf der Suche nach einer tieferen Verbindung und möchte den Abend nicht nur für flüchtige körperliche Begegnungen nutzen. Sie vermischt Liebe und Sex, was sie in der speziellen Logik dieser Nacht zu einer Außenseiterin macht. Ein zentraler, humoristischer Höhepunkt des Films ist die verzweifelte Suche nach einem Kondom. Da viele Menschen den Zeitpunkt für die notwendige Vorsorge verpasst haben, entwickelt sich ein regelrechter Wettlauf, der von Übervorteilungen und gegenseitigen Ausbremsungen geprägt ist. Die Stadt New York fungiert dabei fast wie ein kleines Dorf, in dem sich die Wege der Protagonisten immer wieder kreuzen, was die Dynamik der Erzählung maßgeblich vorantreibt.

Hintergrund: Eine konservative Dystopie als Komödien-Folie

Die Idee hinter „One Night Only“ speist sich aus einer gesellschaftspolitischen Vision, die sich als konservative Dystopie bezeichnen lässt. Die Filmemacher spielen mit dem Gedanken an eine „moralische Mehrheit“, wie sie in den Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten als politische Kraft existiert und versucht, allgemeine Regeln für das Privatleben der Bürger aufzustellen. Der Film nimmt diese Tendenzen auf und führt sie in eine fiktive Zukunft, in der solche moralischen Vorstellungen gesetzlich verankert sind. Dass ein solches Regime in einer liberalen Metropole wie New York überhaupt durchsetzbar wäre, bleibt dabei eine der Grundannahmen, die das Publikum für den Genuss der Komödie akzeptieren muss. Die Prämisse dient als Katalysator für die heiteren Konsequenzen, die der Film thematisiert. Es ist ein Spiel mit der Vorstellung, dass staatliche Verbote das menschliche Bedürfnis nach Nähe und Erotik nicht unterdrücken, sondern lediglich in eine hochkomprimierte, chaotische Form zwingen. Die Geschichte nutzt den Kontrast zwischen dem repressiven System und der menschlichen Spontaneität, um die komischen Momente zu erzeugen, die den Kern des Films bilden.

Die Beteiligten: Ein Hollywood-Paar in der Entstehung

Der Erfolg des Films ruht maßgeblich auf den Schultern der beiden Hauptdarsteller, Monica Barbaro und Callum Turner. Monica Barbaro, die bereits durch ihre Rolle an der Seite von Tom Cruise in „Top Gun: Maverick“ sowie ihre Darstellung der Joan Baez in „A Complete Unknown“ auf sich aufmerksam gemacht hat, verleiht ihrer Figur eine besondere Tiefe. Callum Turner, der unter anderem durch den Film „Eternity“ und seinen Auftritt bei der Berlinale mit „Rosebush Pruning“ bekannt ist, bildet das männliche Pendant. Beide Schauspieler werden als Alpha-Figuren in einer Riege von eher grotesken Nebenfiguren inszeniert, die den Anforderungen der „One Night Only“-Nacht nicht gewachsen sind. Die Chemie zwischen Barbaro und Turner wird von Kritikern als besonders stark hervorgehoben, da sie eine Strahlkraft besitzen, die an klassische Hollywood-Paare erinnert. Regie führte Will Gluck, der gemeinsam mit Travis Braun auch das Drehbuch verfasste. Ihre gemeinsame Arbeit zielt darauf ab, die urbanen Vignetten des Films mit einer Leichtigkeit zu verbinden, die trotz der dystopischen Rahmenbedingungen den Fokus auf die romantische Entwicklung der Hauptfiguren legt.

Einordnung: Zwischen Genre-Konvention und Subversion

Einzuordnen ist der Film als eine romantische Komödie, die ihre Stärken vor allem in der ersten zwei Dritteln entfaltet. Den Berichten zufolge gelingt es dem Regisseur Will Gluck, das hoch beschleunigte urbane Leben in kurzweiligen und unterhaltsamen Vignetten einzufangen. Die Prämisse der „One Night Only“ dient dabei als hervorragendes Werkzeug, um die Charaktere in Extremsituationen zu bringen. Kritisch anzumerken ist jedoch, dass der Film gegen Ende hin stark in die klassischen Konventionen des Genres zurückfällt. Während die Ausgangslage eine subversivere oder originellere Auflösung hätte nahelegen können, entscheidet sich die Regie für einen eher konventionellen Weg für Owen und Allie. Dennoch ist der Film als „leicht durchwachsene“ Rom-Com einzustufen, die durch ihre Besetzung deutlich aufgewertet wird. Die Qualität der schauspielerischen Leistung kompensiert dabei laut der Analyse die Schwächen im Drehbuch, insbesondere in der finalen Phase des Films, in der die ursprüngliche, mutige Prämisse zugunsten eines vorhersehbaren Endes leicht in den Hintergrund tritt.

Offene Fragen: Was der Film unbeantwortet lässt

Obwohl der Film die nächtlichen Abenteuer der Protagonisten detailliert schildert, bleiben einige Aspekte der Weltgestaltung im Dunkeln. Der Quelltext beantwortet nicht die Frage, wie ein solches restriktives Regime politisch in einer Stadt wie New York implementiert werden konnte. Auch die technischen Details des „Chips im Unterarm“ werden nicht weiter erläutert; es bleibt unklar, welche Instanz die Farben kontrolliert oder wie das System bei technischen Fehlern reagiert. Ebenso wird nicht geklärt, welche Konsequenzen Personen zu erwarten haben, die gegen die Regeln dieser Nacht verstoßen, oder wie das Leben an den übrigen 364 Tagen des Jahres aussieht. Die soziologischen Auswirkungen einer solchen staatlich verordneten Enthaltsamkeit auf die Gesellschaft werden lediglich angedeutet, aber nicht vertieft. Es bleibt somit offen, ob es Widerstandsbewegungen gibt oder wie die allgemeine Bevölkerung mit dieser extremen Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit langfristig umgeht. Der Film konzentriert sich rein auf die komödiantischen Aspekte einer einzigen Nacht, während die politische und soziale Struktur der Welt als bloße Kulisse dient, ohne dass deren Funktionsweise im Detail hinterfragt wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-sitzung-sitzen-innen-7991318/ · Foto: Tima Miroshnichenko
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/kino/kondom-gesucht-one-night-only-im-kino-201163839.html