Ein unerwartetes Aufeinandertreffen in den Alpen
Was als entspannter Kurztrip in ein privates Chalet geplant war, entwickelt sich im ZDF-Film „Nix ist fix“ schnell zu einer Zerreißprobe. Eine Gruppe alter Freunde freut sich auf gemeinsame Tage in der Natur, doch die Anreise gestaltet sich bereits beschwerlich: Aufgrund eines defekten Lifts müssen die Städter den Aufstieg zur Hütte zu Fuß bewältigen. Oben angekommen, folgt die Ernüchterung – das Domizil ist bereits belegt. Eine schwangere Frau und zwei Männer haben sich dort häuslich eingerichtet und denken nicht daran, das Feld zu räumen.
Gesellschaftliche Fronten im Kammerspiel
Regisseurin Natalie Spinell inszeniert mit „Nix ist fix“ eine pointierte Gesellschaftsstudie, die den Kontrast zwischen zwei Lebensentwürfen auslotet. Auf der einen Seite stehen die arrivierten, teils verheirateten oder geschiedenen Freunde, die mit den Herausforderungen des Erwachsenenlebens und eigenen Zynismen kämpfen. Ihnen gegenüber stehen die jungen „Systemsprenger“ – eine Gruppe, die sich durch Polyamorie, Müßiggang und eine gewisse Abenteuerlust definiert.
Der Konflikt entzündet sich an der Frage nach Eigentum und Moral. Während die einen auf ihr Recht als Besitzer pochen, hinterfragen die anderen die Legitimität von Leerstand und gesellschaftlichen Standards. Der Film vermeidet dabei eine einseitige Schuldzuweisung. Beide Parteien haben nachvollziehbare Argumente, was die Dynamik des Kammerspiels besonders reizvoll macht.
Zwischenmenschliche Abgründe hinter der Fassade
Neben dem äußeren Konflikt um die Hütte offenbart der Film die inneren Risse der Freundesgruppe. Die Beziehungen der Charaktere wirken oft wie eine bloße Behauptung; der offene Austausch ist längst einer Fassade gewichen. Die Figurenzeichnung ist dabei horizontal angelegt: Ohne die Vergangenheit der Protagonisten bis ins Detail auszuleuchten, gelingt es dem Drehbuch von Dominique Lorenz, die Charaktere greifbar und vielschichtig zu gestalten.
Zu den prägenden Figuren zählen:
* **Juliane (Julia Koschitz):** Die wohlhabende Besitzerin des Chalets, die durch die Konfrontation mit den Besetzern ihr eigenes Verhältnis zu Besitz hinterfragt.
* **Marcel Mohab:** Ein Küchenunternehmer in der Insolvenz, der unter der mangelnden Unterstützung seines Freundeskreises leidet.
* **Katrin Wichmann:** Sie verkörpert eine Frau, die trotz einer MS-Diagnose tapfer zwischen Lebensfreude und Todesangst balanciert.
* **Ines und Edwin:** Ein Paar, dessen Ehe unter der Wandlung des Mannes vom Journalisten zum radikalen Politaktivisten leidet.
Die Natur als Spiegel und Mahnung
Der Kameramann Ahmed El Nagar setzt das Geschehen in sachlich-klaren Bildern in Szene, die den Figuren den nötigen Raum zur Entfaltung lassen. Die Alpen dienen dabei nicht nur als Kulisse, sondern als unerbittlicher Rahmen. Die Berge ragen drohend in den Himmel und unterstreichen die emotionale Anspannung der Gruppe. Ein Erdrutsch, der sich am Ende des Films ereignet, wirkt wie eine Warnung vor der Zwietracht, auch wenn die Gruppe letztlich glimpflich davonkommt.
Ein Blick auf die Dynamik der Charaktere
Der Film überzeugt durch seine niedrigschwellige Erzählweise, die selbst verschwurbelte Ansichten temporär plausibel erscheinen lässt, ohne sie zu denunzieren. Die „Systemsprenger“ – gespielt von Camille Dombrowsky, Simon Morzé und Slavko Popadic – pendeln dabei geschickt zwischen nerviger Naivität und einer entwaffnenden Ehrlichkeit, die die etablierte Gruppe aus der Reserve lockt.
„Nix ist fix“ ist mehr als nur eine einfache Komödie; es ist eine Auseinandersetzung mit den eigenen Lebensentwürfen. Dass die Gruppe am Ende wieder zueinanderfindet, dient nicht nur der Unterhaltung, sondern lädt das Publikum dazu ein, eigene Verhaltensmuster in den gezeigten Charakteren wiederzuerkennen. Der Film ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.