News aus aller Welt
Start
Nicaragua will Wahlen abschaffen
Schlagzeilen · 23.07.2026 00:16

Nicaragua will Wahlen abschaffen

Kurz: Nicaraguas Regierung plant die Abschaffung demokratischer Wahlen. Präsident Ortega will damit seine Macht festigen, was international auf scharfe Kritik stößt.

Ein beispielloser Schritt gegen die Demokratie

Die politische Landschaft in Nicaragua steht vor einer fundamentalen Zäsur. Wie der Kongress des zentralamerikanischen Staates bekannt gab, arbeitet das Parlament derzeit an einer Verfassungsänderung, die das Ende demokratischer Wahlen vorsieht. Diese Entscheidung basiert auf einer Ankündigung von Langzeitpräsident Daniel Ortega, der damit einen weiteren Schritt zur vollständigen Konsolidierung seiner Herrschaft vollzieht. Die für November 2027 geplanten Wahlen sollen nach den aktuellen Plänen nicht mehr stattfinden.

Machtkonzentration unter dem Ehepaar Ortega-Murillo

Das Parlament, das vollständig unter der Kontrolle von Daniel Ortega und seiner Ehefrau, der Co-Präsidentin Rosario Murillo, steht, begründet diesen drastischen Schritt offiziell mit dem Streben nach „Frieden, Sicherheit und Stabilität“. Beobachter werten das Vorhaben jedoch als konsequente Fortsetzung einer langjährigen Strategie, jegliche politische Konkurrenz auszuschalten und den Machterhalt des Ehepaars dauerhaft zu sichern.

Ortega, der bereits seit knapp zwei Jahrzehnten ununterbrochen die Geschicke des Landes lenkt, sieht in der Opposition eine Bedrohung, die er regelmäßig mit den Interessen der USA oder der ehemaligen Somoza-Diktatur in Verbindung bringt. Seit 2025 regieren Ortega und Murillo das Land offiziell als Co-Präsidenten, nachdem sie bereits in den Jahren zuvor systematisch gegen abweichende Meinungen vorgegangen sind.

Repression als politisches Instrument

Der geplante Wegfall von Wahlen ist kein isoliertes Ereignis, sondern das Resultat einer jahrelangen Entwicklung. Die nicaraguanische Regierung hat in der Vergangenheit den Druck auf die Zivilgesellschaft massiv erhöht. Zu den Maßnahmen gehörten:

* Die Inhaftierung von Oppositionspolitikern und Kirchenvertretern.

* Die Schließung tausender zivilgesellschaftlicher Organisationen.

* Die gewaltsame Niederschlagung von Protesten, wie etwa im Jahr 2018, bei der mehr als 300 Menschen ihr Leben verloren.

Bereits im Vorfeld seiner vierten Amtszeit im Jahr 2021 hatte Ortega alle ernstzunehmenden Gegenkandidaten inhaftieren lassen, um ein für ihn positives Wahlergebnis zu garantieren. Die nun geplante Abschaffung der Wahlen scheint den Prozess der Ausschaltung demokratischer Prozesse lediglich formal zu besiegeln.

Internationale Reaktionen und diplomatische Spannungen

Das Vorhaben hat weltweit für Entsetzen gesorgt. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, betonte die Notwendigkeit, dass Vertreter aller politischen Strömungen das Recht haben müssen, zu wählen und für Ämter zu kandidieren. Eine solche Einschränkung der politischen Teilhabe widerspreche grundlegenden demokratischen Prinzipien.

Auch aus den USA kam deutliche Kritik. Außenminister Marco Rubio bezeichnete die Regierung in Managua als „Murillo-Ortega-Diktatur“ und warf dem Ehepaar vor, ihr autoritäres Wesen offen zu zeigen. Er forderte eine Erhöhung des internationalen Drucks auf das Regime. Bisher hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump jedoch von weitreichenden Sanktionen oder anderen substanziellen Maßnahmen gegen die nicaraguanische Führung abgesehen.

Ausblick auf die kommenden Monate

Die Umsetzung der Verfassungsänderung markiert einen Wendepunkt für Nicaragua. Während die Regierung das Narrativ der Stabilität bedient, zeichnet sich eine zunehmende Isolation des Landes auf internationaler Bühne ab. Die nächsten Schritte des Parlaments werden zeigen, wie schnell die rechtlichen Hürden für die Abschaffung der Wahlen beseitigt werden sollen. Ob der internationale Druck ausreicht, um das Vorhaben zu stoppen oder zumindest zu verzögern, bleibt angesichts der bisherigen Zurückhaltung wichtiger Akteure fraglich.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/reichstag-20988555/ · Foto: Paul Scheelen
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/nicaragua-wahlen-abschaffung-100.html