Ein neues Gesicht für den Euro
Nach fast drei Jahrzehnten steht eine grundlegende Veränderung für das Bargeld im Euroraum bevor. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Prozess zur Neugestaltung der Euro-Banknoten eingeleitet. Die bisher vertrauten Motive – abstrakte Brücken, Tore und Fenster – sollen in den kommenden Jahren durch konkretere Darstellungen ersetzt werden. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte in Frankfurt am Main eine Auswahl von 120 Designvorschlägen vor, die aus einem umfangreichen Auswahlverfahren hervorgegangen sind.
Zwei Konzepte zur Auswahl
Die EZB hat die Entwürfe in zwei thematische Serien unterteilt, von denen eine nach Abschluss der Konsultationsphase realisiert werden soll. Die Bürgerinnen und Bürger der Eurozone sind dazu aufgerufen, ihre Präferenzen auf der offiziellen Website der EZB zu äußern:
* **Serie 1: Europäische Persönlichkeiten und Kultur:** Auf der Vorderseite sollen bedeutende historische Figuren wie Ludwig van Beethoven, Marie Curie oder Leonardo da Vinci abgebildet werden. Die Rückseite widmet sich europäischen Kulturräumen, darunter Opernhäuser, Theater und öffentliche Parks.
* **Serie 2: Natur und Institutionen:** Diese Reihe fokussiert sich auf die europäische Geografie und Politik. Die Vorderseite zeigt Naturmotive wie Flüsse, Wasserfälle und heimische Vogelarten wie den Eisvogel oder den Weißstorch. Die Rückseite soll europäische Institutionen wie das Europäische Parlament oder den Europäischen Gerichtshof in den Mittelpunkt stellen.
Warum ein Designwechsel?
Der ursprüngliche Entwurf des österreichischen Grafikers Robert Kalina setzte bewusst auf abstrakte Architekturstile, um Neutralität zu wahren und kein Mitgliedsland zu bevorzugen. Brücken und Tore dienten dabei als Symbole für Verbindung und Zusammenhalt. Die EZB verfolgt mit der Neugestaltung nun zwei primäre Ziele: Zum einen soll die Identifikation der Bevölkerung mit der gemeinsamen Währung gestärkt werden. Zum anderen ist die technische Komponente entscheidend: Die neuen Scheine sollen mit modernsten Sicherheitsmerkmalen ausgestattet werden, um den Methoden professioneller Fälscher effektiver entgegenzuwirken.
Kritik am neuen Kurs
Die Abkehr vom abstrakten Design stößt nicht bei allen auf Zustimmung. Robert Kalina, der Schöpfer der ersten Euro-Generation, äußerte sich skeptisch gegenüber den aktuellen Plänen. Er befürchtet, dass die Darstellung konkreter Personen oder national geprägter Symbole zu Eifersüchteleien zwischen den Mitgliedsstaaten führen könnte. Besonders die Serie mit Vögeln und Flüssen sieht er kritisch und ordnet diese eher in den Bereich der Philatelie als auf eine Weltwährung ein.
Der weitere Zeitplan
Obwohl die Entwürfe bereits öffentlich diskutiert werden, wird es noch einige Zeit dauern, bis die neuen Scheine in den Geldbeuteln landen. Nach der Bürgerbefragung liegt die finale Entscheidung beim EZB-Rat, der voraussichtlich gegen Ende des Jahres über die Umsetzung beraten wird. Selbst nach einer Entscheidung sind umfangreiche Sicherheitsprüfungen und Testläufe erforderlich, weshalb die Einführung der neuen Banknotenserie erst in einigen Jahren geplant ist. Die bewährte Farbcodierung der Scheine – etwa der rote Zehner oder der blaue Zwanziger – soll dabei beibehalten werden, um die Wiedererkennbarkeit im Alltag zu gewährleisten.