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Natürlicher Wasserstoff: Magnetit im Gestein ermöglicht saubere Energie
Technik · 29.08.2026 21:22

Natürlicher Wasserstoff: Magnetit im Gestein ermöglicht saubere Energie

Kurz: Wissenschaftler haben entdeckt, dass Magnetit in westaustralischen Gesteinsschichten natürlich Wasserstoff produzieren kann – ein Potenzial für saubere Energie.

Ein natürlicher Prozess zur Energiegewinnung

In den tiefen Gesteinsschichten der Erde verbirgt sich ein bisher kaum beachtetes Potenzial für die künftige Energieversorgung. Ein Forschungsteam der australischen Edith-Cowan-Universität hat nun nachgewiesen, dass das eisenhaltige Mineral Magnetit in der Lage ist, auf natürliche Weise Wasserstoffgas zu erzeugen. Diese Entdeckung rückt die weitläufigen Eisenerzlagerstätten in der westaustralischen Region Pilbara in den Fokus der Energieforschung. Es geht dabei um sogenannten weißen oder geogenen Wasserstoff, der sich grundlegend von der künstlich hergestellten Variante unterscheidet. Während für herkömmlichen grünen Wasserstoff große Mengen an Energie in Elektrolyseuren aufgewendet werden müssen, könnte dieser natürliche Wasserstoff direkt aus geologischen Speichern gewonnen werden. Die Forschungsergebnisse, die im International Journal of Hydrogen Energy veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass dieser Prozess durch gezielte menschliche Eingriffe sogar gesteigert werden könnte. Damit eröffnet sich für Australien eine neue Perspektive auf eine heimische und potenziell nachhaltige Energiequelle, die einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen leisten könnte.

Die chemischen Details der Laboruntersuchung

Um die Prozesse tief unter der Erdoberfläche zu simulieren, führten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler präzise kontrollierte Laborversuche durch. Dabei wurde reines Magnetit über einen Zeitraum von 60 Tagen einer Umgebung ausgesetzt, die durch eine Temperatur von 200 Grad Celsius und einen Druck von über 100 bar charakterisiert war. Das Mineral befand sich dabei in einem deoxygenierten Wasserbad. Unter diesen spezifischen thermischen und physikalischen Bedingungen reagiert das im Magnetit enthaltene zweiwertige Eisen kontinuierlich mit dem heißen Wasser. Bei diesem chemischen Prozess oxidiert das Mineral zu dreiwertigem Eisen und wandelt sich in Hämatit um. Dabei wird Sauerstoff abgespalten, was zur Freisetzung von molekularem Wasserstoff führt. Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist die Erkenntnis, dass die Ausbeute des Gases maßgeblich von der verfügbaren Oberfläche des Minerals abhängt. So erzeugte feines Magnetitpulver in den Versuchen eine fünfmal höhere Wasserstoffmenge als intakte Gesteinsblöcke, was die Bedeutung der physikalischen Beschaffenheit für den Reaktionserfolg unterstreicht.

Hochauflösende Analysen und mineralische Veränderungen

Zur Dokumentation der komplexen Vorgänge setzten die Forschenden modernste Analyseverfahren ein, darunter die Rasterkraftmikroskopie und die Röntgendiffraktometrie. Diese Methoden ermöglichten es, die Veränderungen der mineralischen Struktur nach der hydrothermalen Behandlung exakt zu erfassen. Die Untersuchungen zeigten nicht nur eine deutliche Modifikation der Oberflächenstruktur des Gesteins, sondern auch eine Verdreifachung der Gesteinshärte. Bei den massiven Gesteinsblöcken bildete sich während der Reaktion eine passivierende Schicht aus dem neu entstandenen Hämatit. Diese mineralische Kruste wirkt wie eine Barriere, welche den weiteren Kontakt zwischen dem Mineral und dem Wasser behindert und somit die kontinuierliche Wasserstoffproduktion erheblich abbremst. Dieser Befund ist entscheidend für das Verständnis, warum die Wasserstoffausbeute bei kompaktem Gestein ohne interne Hohlräume deutlich geringer ausfällt als bei feinerem Material. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die chemische Reaktion nicht nur von der stofflichen Zusammensetzung, sondern in hohem Maße von der strukturellen Zugänglichkeit der Mineraloberflächen abhängt.

Die Bedeutung der Gesteinsstruktur für die Produktion

Für eine wirtschaftlich nutzbare Wasserstoffproduktion in der Natur sind spezifische strukturelle Voraussetzungen im Gestein zwingend erforderlich. Durchgängige Klüfte, feine Risse und durchlässige Poren sind notwendig, damit das Wasser kontinuierlich an frische Mineraloberflächen gelangen kann. Nur durch diese Hohlräume bleibt der Oxidationsprozess dauerhaft aufrechterhalten. In Gesteinsschichten mit einer geringen Permeabilität, also einer geringen Durchlässigkeit, wird die Wasserstoffausbeute durch die oben beschriebene Hämatit-Schicht zwangsläufig stark begrenzt bleiben. Geologische Zonen, die durch starke Verformungen oder tektonische Risse gekennzeichnet sind, bieten hingegen eine deutlich größere Angriffsfläche für das Wasser. In solchen Bereichen ist folglich mit einer wesentlich höheren Wasserstoffproduktion zu rechnen. Diese Erkenntnisse sind für die geologische Erkundung potenzieller Fördergebiete von zentraler Bedeutung, da sie aufzeigen, dass nicht jedes Eisenerzvorkommen gleichermaßen für die Gewinnung von geogenem Wasserstoff geeignet ist. Die strukturelle Komplexität des Untergrundes bestimmt somit maßgeblich das wirtschaftliche Potenzial der jeweiligen Lagerstätte.

Ansätze zur künstlichen Stimulation

Die Studienergebnisse legen nahe, dass der natürlich ablaufende Prozess der Wasserstoffbildung durch gezielte menschliche Eingriffe angeregt und kontrolliert gesteigert werden könnte. Einem Bericht auf Science Daily zufolge könnte die Injektion von Flüssigkeiten in die Gesteinsformationen dazu beitragen, die Wasserstoffproduktion zu erhöhen. Ein solches Vorgehen würde Prinzipien aufgreifen, die bereits aus der Geothermie oder der konventionellen Rohstoffförderung bekannt sind. Durch das Einbringen von Flüssigkeiten könnten künstliche Fließwege geschaffen oder bestehende Risse erweitert werden, um den Zugang des Wassers zu den eisenhaltigen Mineralen zu verbessern. Für den rohstoffreichen Staat Australien eröffnet sich damit eine Perspektive auf eine wirtschaftlich verwertbare und heimische Energiequelle. Stefan Iglauer, Professor an der Edith-Cowan-Universität, betont in diesem Zusammenhang, dass diese Arbeit dabei helfe, die Lücke zwischen den kontrollierten Laborexperimenten und den komplexen realen geologischen Systemen zu schließen. Dennoch bleibt die Übertragbarkeit dieser Methodik auf großflächige unterirdische Formationen eine Herausforderung, die weitere Untersuchungen vor Ort erfordert.

Einordnung der Ergebnisse in den Kontext

Einzuordnen ist das Forschungsergebnis als ein wichtiger Schritt, um das Potenzial geogener Wasserstoffquellen besser zu verstehen. Während die Laborversuche die chemische Machbarkeit unter hohen Temperaturen und Drücken zweifelsfrei belegen, ist die Skalierbarkeit auf reale geologische Bedingungen noch nicht abschließend geklärt. Den Berichten zufolge stellt die Forschung eine wissenschaftliche Grundlage dar, um die Bedingungen für die natürliche Wasserstoffentstehung in der Pilbara-Region zu bewerten. Die Bedeutung liegt vor allem darin, dass eine alternative Quelle für Wasserstoff identifiziert wurde, die ohne den energieintensiven Einsatz von Elektrolyseuren auskommt. Die Bewertung des wirtschaftlichen Nutzens hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab, darunter die Tiefe der Vorkommen, die Erreichbarkeit der Gesteinsschichten und die Effizienz, mit der sich der Prozess in der Natur tatsächlich steuern lässt. Die Forschungsergebnisse bilden somit den Ausgangspunkt für eine Debatte über die Rolle von natürlichem Wasserstoff in der zukünftigen Energiestrategie Australiens, wobei die technische Umsetzbarkeit noch einer intensiven Prüfung unterzogen werden muss.

Offene Fragen und ungeklärte Aspekte

Obwohl die Studie wichtige Erkenntnisse über die chemischen Reaktionen von Magnetit liefert, bleiben einige Fragen unbeantwortet. Der Quelltext lässt offen, in welchem Umfang sich die im Labor simulierten Bedingungen – insbesondere die hohen Temperaturen von 200 Grad Celsius – tatsächlich in großem Maßstab in den Zielformationen der Pilbara-Region finden lassen. Zudem bleibt unklar, wie hoch die tatsächliche Konzentration an natürlichem Wasserstoff in diesen geologischen Schichten ist und ob eine kommerzielle Förderung ohne übermäßige ökologische Eingriffe möglich wäre. Auch die langfristige Stabilität der künstlich geschaffenen Fließwege im Gestein ist ein Aspekt, der in der Studie nicht abschließend bewertet wurde. Es fehlen konkrete Angaben dazu, welche Mengen an Wasserstoff theoretisch pro Jahr gewonnen werden könnten und wie hoch die Kosten für die Erschließung im Vergleich zu anderen Energiequellen ausfallen würden. Die Lücke zwischen der Laborsimulation und der industriellen Anwendung bleibt somit eine wesentliche Unbekannte, die durch weitere geologische Feldstudien erst noch geschlossen werden muss.

Ausblick auf künftige Entwicklungen

Wie es mit der Erforschung des natürlichen Wasserstoffs weitergeht, hängt maßgeblich von den kommenden geologischen Untersuchungen vor Ort ab. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen nun prüfen, ob sich die im Labor nachgewiesene Methodik in einem wirtschaftlich tragfähigen Maßstab auf unterirdische Formationen übertragen lässt. Der Aufbau einer industriellen Förderinfrastruktur stellt die Ingenieure vor komplexe Aufgaben, insbesondere bei der Erschließung tief liegender Eisenerzformationen. Eine zentrale Herausforderung wird dabei die dauerhafte Offenhaltung der künstlich geschaffenen oder natürlichen Fließwege im Gestein sein, um eine kontinuierliche Wasserstoffproduktion zu gewährleisten. Weitere geologische Untersuchungen sollen zeigen, welche Gebiete in der Pilbara-Region über die notwendigen strukturellen Voraussetzungen verfügen. Ob und wann eine kommerzielle Nutzung des weißen Wasserstoffs in Australien möglich sein wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Die Forschung steht hierbei an einem Punkt, an dem der Übergang von der theoretischen Laborstudie zur praktischen Erprobung im Feld ansteht, um das Potenzial dieser sauberen Energiequelle endgültig zu bewerten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/laptop-leerer-bildschirm-mockup-12882905/ · Foto: Leonid Altman
Quelle: https://t3n.de/news/weisser-wasserstoff-magnetit-australien-1760592/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed