Geschlossene Reihen in Rabat
Angesichts wachsender Kritik an seiner Amtsführung hat FIFA-Präsident Gianni Infantino den Rückhalt der Führungsriege des Weltfußballverbandes erhalten. Nach einer kurzfristig anberaumten Krisensitzung in der marokkanischen Hauptstadt Rabat veröffentlichte der Verband ein offizielles Statement, das die uneingeschränkte Unterstützung für den Schweizer unterstreicht. Neben den Mitgliedern des Management-Boards stellte sich auch FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström demonstrativ hinter den Präsidenten. Im Gegenzug versicherte Infantino dem schwedischen Generalsekretär seine volle Rückendeckung.
Hintergrund: Der Streit um WM-Rechte
Die aktuelle Krise wurde durch Pläne des FIFA-Präsidenten ausgelöst, kommerzielle Rechte an zukünftigen Weltmeisterschaftsturnieren an externe Investoren zu veräußern. Dieses Vorhaben löste innerhalb der Fußballwelt eine Welle der Empörung aus. Besonders schwer wog dabei der Verlust der Unterstützung durch einflussreiche Kontinentalverbände, allen voran der europäischen UEFA, die sich klar gegen die Kommerzialisierungspläne positionierte. Aufgrund des massiven Gegenwinds sah sich die FIFA gezwungen, das Projekt offiziell aufzugeben.
Die interne Stimmung im Verband war zuletzt deutlich angespannt. Grafström hatte in einer internen E-Mail an die FIFA-Belegschaft die Geschehnisse um den gescheiterten Verkauf als "traurig und tadelnswert" bezeichnet und von einem "Aufruhr" innerhalb der Organisation gesprochen.
Aufarbeitung und interne Kritik
In der gemeinsamen Erklärung räumte die FIFA-Führung nun erstmals Fehler im Umgang mit dem Investorenprojekt ein. Es habe Einigkeit darüber geherrscht, dass die Kommunikation gegenüber dem Rat und den Mitgliedsverbänden mangelhaft war. Man habe nicht beabsichtigt, den Eindruck zu erwecken, die Gremien vom Entscheidungsprozess auszuschließen. Der Verband kündigte an, künftig die internen Prozesse hinsichtlich ihrer Effektivität und Effizienz verbessern zu wollen, um derartige Konflikte in Zukunft zu vermeiden.
Medienkritik und Verteidigung der Integrität
Bemerkenswert ist die Haltung des Weltverbandes gegenüber der Berichterstattung. In der Mitteilung wurde erneut Kritik an den Medien geübt, denen eine Mitverantwortung für die entstandene Unruhe zugeschrieben wird. Die FIFA betonte, dass sie "keinerlei Angriffe auf ihre Integrität" dulden werde und kündigte an, alle notwendigen Schritte einzuleiten, um den eigenen Ruf zu schützen.
Ausblick auf die Wiederwahl
Die politische Lage für Gianni Infantino bleibt dennoch herausfordernd. Der Präsident plant, sich im kommenden Jahr erneut zur Wahl zu stellen. Nachdem ihm durch die Investoren-Affäre Teile seines Rückhalts in den Verbänden abhandengekommen sind, gilt eine sichere Mehrheit für eine Wiederwahl derzeit als fraglich. Die Krisensitzung in Rabat ist als Versuch zu werten, die Reihen vor den anstehenden Herausforderungen zu schließen und die Handlungsfähigkeit der FIFA-Spitze nach außen hin zu demonstrieren.