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Mord an Journalistin: Geschäftsmann freigesprochen
Schlagzeilen · 02.09.2026 21:18

Mord an Journalistin: Geschäftsmann freigesprochen

Kurz: Neun Jahre nach dem Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia hat eine Jury in Malta den Geschäftsmann Yorgen Fenech vom Vorwurf der Anstiftung freigespro

Ein Urteil mit Signalwirkung: Der Freispruch im Fall Caruana Galizia

Knapp neun Jahre nach dem gewaltsamen Tod der bekannten maltesischen Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia ist ein zentrales Kapitel der juristischen Aufarbeitung zu einem überraschenden Ende gekommen. Eine Jury in der maltesischen Hauptstadt Valletta hat den Geschäftsmann Yorgen Fenech von den schwerwiegenden Vorwürfen freigesprochen, die Drahtzieherschaft bei dem tödlichen Anschlag innegehabt zu haben. Der 44-jährige Unternehmer, der einer der einflussreichsten Familien des Inselstaates entstammt, musste sich vor Gericht sowohl wegen Beihilfe zum Mord als auch wegen krimineller Verschwörung verantworten. Das Abstimmungsverhalten der Geschworenen war dabei überaus deutlich: Mit acht zu eins Stimmen entschied sich das Gremium gegen eine Verurteilung. Die Entscheidung fiel am 2. September 2026, nachdem sich die Geschworenen am Vormittag desselben Tages zu ihren finalen Beratungen zurückgezogen hatten. Der Freispruch markiert einen vorläufigen Schlusspunkt in einem der wohl aufsehenerregendsten Kriminalfälle der maltesischen Geschichte, der weit über die Grenzen des kleinen EU-Staates hinaus für Entsetzen und politische Erschütterungen gesorgt hatte.

Die Details der juristischen Auseinandersetzung

Der Prozess gegen Yorgen Fenech war von Beginn an von einer hohen medialen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeit begleitet. Die Anklage hatte versucht, eine direkte Verbindung zwischen dem Unternehmer und der Ermordung der Journalistin herzustellen. Als zentrales Beweismittel diente dabei die Aussage von Melvin Theuma, dem ehemaligen Chauffeur Fenechs. Theuma hatte bereits frühzeitig gestanden, als Vermittler in dem Mordkomplott agiert zu haben. Im Austausch für seine detaillierten Aussagen, die den Geschäftsmann schwer belasteten, war ihm eine Begnadigung zugesichert worden. Yorgen Fenech selbst räumte im Verlauf des Verfahrens zwar ein, von den Mordplänen Kenntnis gehabt zu haben, wies jedoch jede aktive Beteiligung oder Anstiftung von sich. Er beschuldigte stattdessen seinen ehemaligen Freund Keith Schembri, ihm den Mord angehängt zu haben. Die Jury folgte dieser Darstellung der Verteidigung offensichtlich mehrheitlich, was zu dem deutlichen Freispruch führte. Die juristische Aufarbeitung des Mordes an sich war bereits Jahre zuvor in anderen Verfahren vorangetrieben worden, in denen mehrere Auftragsmörder und die Lieferanten der Bombe zu teils lebenslangen Haftstrafen verurteilt wurden.

Ein dunkles Kapitel der maltesischen Zeitgeschichte

Die Vorgeschichte des Falls ist untrennbar mit der Arbeit von Daphne Caruana Galizia verbunden. Die 53-Jährige galt als eine der profiliertesten Investigativreporterinnen Maltas und hatte sich durch ihre hartnäckige Berichterstattung über Korruptionsskandale in Politik und Wirtschaft zahlreiche Feinde gemacht. Am 16. Oktober 2017 fand ihr Leben ein gewaltsames Ende, als ihr Auto in der Nähe ihres Wohnhauses durch eine Autobombe in die Luft gesprengt wurde. Der Anschlag schockierte die Öffentlichkeit und löste eine Welle der Empörung aus. Yorgen Fenech geriet ins Visier der Ermittler, da er als Direktor eines Kraftwerkskonsortiums fungierte, über dessen dubiose Geschäfte Caruana Galizia zum Zeitpunkt ihres Todes intensiv recherchierte. Die Ermittlungen zogen sich über Jahre hin, wobei die Festnahme Fenechs im November 2019 als entscheidender Durchbruch galt. Dass nun, Jahre später, der vermeintliche Drahtzieher freigesprochen wurde, wirft ein Schlaglicht auf die Komplexität der Beweisführung in einem Umfeld, das von engen Verflechtungen zwischen Wirtschaftseliten und politischen Akteuren geprägt war.

Die betroffenen Akteure und ihre Reaktionen

Die unmittelbare Reaktion der Familie von Daphne Caruana Galizia auf den Freispruch fiel erwartungsgemäß scharf und enttäuscht aus. In einer offiziellen Stellungnahme betonte die Familie, dass dieser Ausgang des Verfahrens der Journalistin die Gerechtigkeit verwehre, die sie nach ihrem grausamen Tod verdient hätte. Der Tag des Urteils, so die Angehörigen, hätte eigentlich im Zeichen der Aufarbeitung und der Genugtuung stehen sollen, doch stattdessen bleibe ein Gefühl der Leere zurück. Besonders kritisch bewertete die Familie die institutionellen Versäumnisse in Malta. Ihrer Ansicht nach seien die strukturellen Defizite, die den Mord an der Journalistin überhaupt erst ermöglichten, bis heute nicht ausreichend aufgearbeitet worden. Neben der Familie und dem Angeklagten Fenech spielten im Prozessverlauf auch der geständige Vermittler Melvin Theuma sowie der von Fenech beschuldigte Keith Schembri eine zentrale Rolle, wobei letzterer als eine der Schlüsselfiguren in den politischen Verstrickungen des Landes gilt.

Einordnung der juristischen Entscheidung

Einzuordnen ist das Urteil als eine Zäsur, die das Vertrauen in die maltesische Justiz auf eine harte Probe stellt. Den Berichten zufolge ist der Mord an Caruana Galizia nicht nur ein krimineller Akt, sondern ein Angriff auf die Pressefreiheit im Herzen der Europäischen Union gewesen. Die Tatsache, dass nun der Hauptbeschuldigte freigesprochen wurde, könnte nach Einschätzung von Beobachtern als Rückschlag für die Bemühungen gewertet werden, die Hintergründe der Korruption auf Malta vollständig aufzuklären. Dass die Jury trotz der Aussagen des Kronzeugen Theuma zu einem Freispruch gelangte, deutet auf eine erhebliche Diskrepanz in der Bewertung der Beweislast hin. Während die Anklage von einer klaren Schuld Fenechs überzeugt war, sahen die Geschworenen offenbar nicht genügend stichhaltige Beweise, um eine Verurteilung zu rechtfertigen. Diese Entscheidung unterstreicht die Schwierigkeit, in einem hochgradig politisierten Umfeld, in dem wirtschaftliche und politische Macht eng miteinander verwoben sind, eine juristische Wahrheit zu finden, die von allen gesellschaftlichen Gruppen akzeptiert wird.

Offene Fragen und die Zukunft der Aufarbeitung

Der Quelltext lässt eine Reihe von Fragen unbeantwortet, die für das Verständnis des Falls von zentraler Bedeutung sind. Es bleibt unklar, welche konkreten Beweise die Verteidigung vorbringen konnte, um die Aussagen des Kronzeugen Theuma derart zu entkräften, dass eine Jury zu einem acht-zu-eins-Freispruch gelangte. Ebenso wenig wird detailliert erläutert, welche Rolle Keith Schembri in den Augen der Ermittlungsbehörden nach den Anschuldigungen Fenechs nun spielt und ob gegen ihn weitere Verfahren eingeleitet wurden. Auch die Frage, ob die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel gegen den Freispruch einlegen wird, bleibt im vorliegenden Text offen. Zudem wird nicht explizit darauf eingegangen, welche politischen Konsequenzen die maltesische Regierung aus dem Freispruch zieht, insbesondere im Hinblick auf die von der Familie Caruana Galizia angemahnte Aufarbeitung institutioneller Versäumnisse. Die Zukunft der juristischen Aufarbeitung dieses Mordfalls scheint damit ungewiss, während die Familie der Getöteten weiterhin auf eine umfassende Gerechtigkeit beharrt, die über die bloße Verurteilung der direkten Täter hinausgeht.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/oldtimer-polizeiauto-auf-stadtstrasse-29613798/ · Foto: Alexandr Meadow
Quelle: https://www.zdfheute.de/panorama/kriminalitaet/malta-freispruch-mord-journalistin-100.html