News aus aller Welt
Start
MIH Net/Eurofiber: Telefónica bietet Glasfaseranschlüsse in Berlin
Technik · 02.09.2026 12:31

MIH Net/Eurofiber: Telefónica bietet Glasfaseranschlüsse in Berlin

Kurz: Telefónica Deutschland kooperiert in Berlin mit MIH Net Berlin. Kunden können ab sofort Glasfaseranschlüsse mit bis zu 1 GBit/s über das Open-Access-Netz buchen

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Telefónica Deutschland hat am 2. September 2026 den offiziellen Start der Vermarktung von Glasfaseranschlüssen in der deutschen Hauptstadt Berlin bekannt gegeben. Das Unternehmen, das primär als Mobilfunkbetreiber bekannt ist, nutzt für dieses Angebot das bestehende Glasfasernetz von MIH Net Berlin. Dieses Netz basiert auf einem Open-Access-Modell, das es verschiedenen Anbietern ermöglicht, ihre Dienste über die physische Infrastruktur von MIH Net bereitzustellen. Kunden in Berlin können nun über die Marke O2 Glasfaserprodukte buchen, die Übertragungsraten von bis zu 1 GBit/s ermöglichen. Diese strategische Entscheidung markiert einen bedeutenden Schritt für Telefónica, da das Unternehmen in Berlin zwar ein umfangreiches Mobilfunknetz mit etwa 1.000 Standorten unterhält, jedoch über kein eigenes, flächendeckendes Festnetz verfügt. Durch die Kooperation mit MIH Net Berlin erweitert der Konzern sein Portfolio um eine leistungsstarke kabelgebundene Komponente, die es den Nutzern erlaubt, Glasfaseranschlüsse mit den bestehenden Mobilfunkangeboten und weiteren digitalen Services von O2 zu kombinieren. Die Ankündigung unterstreicht den wachsenden Wettbewerb auf dem Berliner Glasfasermarkt und die Bedeutung von Open-Access-Strukturen für die digitale Infrastruktur in Metropolregionen.

Die Einzelheiten der Kooperation

Die Zusammenarbeit zwischen Telefónica Deutschland und MIH Net Berlin basiert auf einem klaren Rollenverständnis. Während MIH Net Berlin als Infrastrukturbetreiber agiert, fungiert Telefónica als Vermarkter gegenüber den Endkunden. Justus von Bergmann, der als Director für das Neu- und Bestandskundengeschäft bei Telefónica Deutschland tätig ist, betonte anlässlich der Bekanntgabe, dass die Kooperation es ermögliche, eine größere Anzahl an Berliner Haushalten mit moderner Festnetztechnologie zu versorgen. Das Netz von MIH Net Berlin, das im Juni 2026 von der Eurofiber Germany übernommen wurde, umfasst derzeit bereits rund 150.000 sogenannte Homes Passed. Das bedeutet, dass diese Haushalte technisch bereits an das Glasfasernetz angeschlossen sind oder unmittelbar angeschlossen werden können. Die angebotenen Geschwindigkeiten von bis zu 1 GBit/s entsprechen dabei dem aktuellen Standard für moderne Glasfaseranschlüsse. Die MIH Group, ein Unternehmen mit Sitz in Horstmar, verfolgt mit ihrem Berliner Ableger ambitionierte Ziele: Das Unternehmen plant, in den kommenden Jahren mehr als 500.000 Haushalte und Unternehmen in Berlin zu erreichen. Dabei setzt man konsequent auf das Open-Access-Prinzip, bei dem das Netz nicht exklusiv von einem Anbieter genutzt wird, sondern für diverse Partner wie Tele Columbus, DNS:Net oder den schwedischen Anbieter Bahnhof offensteht.

Hintergrund und technische Umsetzung

Der Ausbau des Glasfasernetzes in einer historisch gewachsenen Millionenmetropole wie Berlin stellt besondere Herausforderungen dar. Um die Belastung durch umfangreiche Tiefbauarbeiten in der Stadt zu minimieren, verfolgt MIH Net Berlin einen innovativen Ansatz: Die Glasfaserkabel werden größtenteils durch die vorhandenen Fernwärmekanäle verlegt. Berlin verfügt über ein weitverzweigtes System dieser Kanäle, das sich über eine Gesamtlänge von rund 900 Kilometern unter dem Stadtgebiet erstreckt. Diese Tunnelsysteme bieten eine ideale Infrastruktur, um die Glasfaserleitungen geschützt und effizient zu verlegen, ohne die Straßenoberflächen großflächig aufreißen zu müssen. Diese Methode reduziert nicht nur die Bauzeit, sondern auch die Beeinträchtigungen für den Verkehr und die Anwohner. Allerdings ist diese technische Lösung nicht frei von Nachteilen. Die teilweise sehr engen Tunnelverhältnisse erschweren die Wartungsarbeiten an den Glasfaserleitungen erheblich. Dennoch überwiegen für den Netzausbau die Vorteile der bestehenden Infrastruktur. Die MIH Group hat sich durch die Übernahme des Eurofiber-Netzes im Juni 2026 eine solide Basis geschaffen, auf der sie nun ihre Expansionspläne in Berlin aufbaut. Die Strategie, vorhandene Kanäle zu nutzen, ist ein wesentlicher Faktor für die Geschwindigkeit, mit der das Netz in der Hauptstadt wächst.

Die Beteiligten und ihre Rollen

An dem Projekt sind verschiedene Akteure beteiligt, die jeweils unterschiedliche Interessen verfolgen. Telefónica Deutschland ist der primäre Akteur auf der Vertriebsseite. Da das Unternehmen kein eigenes Festnetz in Berlin besitzt, ist es auf Partner angewiesen, um sein Angebotsspektrum zu erweitern. Das Joint Venture UGG (Unsere Grüne Glasfaser), an dem Telefónica gemeinsam mit der Allianz beteiligt ist, spielt in diesem Kontext keine Rolle für Berlin, da sich UGG explizit auf den Ausbau in ländlichen Regionen konzentriert. Auf der Infrastrukturseite steht die MIH Net Berlin, ein Unternehmen der MIH Group aus Horstmar. Sie betreiben das Netz und stellen es anderen Anbietern zur Verfügung. Die Eurofiber Germany, von der das Netz im Juni 2026 übernommen wurde, tritt selbst nicht als Endkundenanbieter auf, sondern fokussierte sich auf die Bereitstellung der Infrastruktur. Weitere Akteure, die das Netz bereits für ihre Vermarktung nutzen, sind unter anderem Tele Columbus, DNS:Net und der schwedische Anbieter Bahnhof. Diese Vielzahl an Partnern verdeutlicht die Offenheit des gewählten Netzmodells. Die Entscheidungsträger bei Telefónica, wie Justus von Bergmann, sehen in der Kombination aus Glasfaser und Mobilfunk eine zentrale Säule für das zukünftige Geschäftswachstum in urbanen Räumen.

Einordnung der Marktsituation

Einzuordnen ist das Vorgehen von Telefónica als eine notwendige strategische Reaktion auf die veränderten Anforderungen des Telekommunikationsmarktes. Da Kunden zunehmend integrierte Pakete aus Mobilfunk und Festnetz nachfragen, ist ein reiner Mobilfunkansatz für einen großen Anbieter wie O2 langfristig nicht ausreichend, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Den Berichten zufolge ist die Kooperation mit MIH Net Berlin ein effizienter Weg, um ohne eigene, kostenintensive Tiefbauaktivitäten in den Berliner Festnetzmarkt einzutreten. Das Open-Access-Modell von MIH Net bietet hierfür die notwendige Flexibilität. Dass Telefónica auf die vorhandene Infrastruktur zurückgreift, anstatt selbst zu bauen, ist eine ökonomisch rationale Entscheidung, da der Ausbau in dicht besiedelten Gebieten mit hohen Investitionskosten verbunden ist. Die Nutzung der Fernwärmekanäle ist ein technischer Kniff, der die Markteintrittsbarrieren senkt. Insgesamt zeigt diese Entwicklung, dass der Berliner Markt für Glasfaseranbieter hochattraktiv ist, aber auch durch eine starke Fragmentierung der Infrastruktur geprägt bleibt. Die Kooperation zwischen Telefónica und MIH Net ist somit ein Beispiel für eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen einem Infrastruktur-Spezialisten und einem vertriebsstarken Mobilfunkbetreiber.

Offene Fragen und Lücken im Quelltext

Obwohl die Meldung den Start der Vermarktung und die technische Basis klar benennt, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. Der Quelltext gibt beispielsweise keine Auskunft über die konkreten Preise oder die Tarifstruktur, die Telefónica für die Glasfaseranschlüsse in Berlin anbietet. Auch ist nicht ersichtlich, in welchen spezifischen Berliner Stadtteilen die Glasfaseranschlüsse von MIH Net Berlin bereits verfügbar sind oder welche zeitlichen Prioritäten beim weiteren Ausbau der 500.000 Haushalte gesetzt werden. Zudem fehlen Details dazu, wie genau die Wartungsproblematik in den engen Fernwärmetunneln langfristig gelöst werden soll, um eine hohe Verfügbarkeit der Anschlüsse zu gewährleisten. Es wird nicht spezifiziert, ob es für die Kunden technische Besonderheiten bei der Installation der Hardware in den Wohnungen gibt, die sich von herkömmlichen DSL- oder Kabelanschlüssen unterscheiden. Auch die genaue Dauer der geschlossenen Verträge zwischen Telefónica und MIH Net bleibt ein Geschäftsgeheimnis, das nicht öffentlich gemacht wurde. Diese Lücken lassen offen, wie schnell die Durchdringung des Marktes durch O2 tatsächlich erfolgen kann und welche technischen Hürden bei individuellen Installationen für die Endkunden im Alltag noch auftreten könnten.

Wie es weitergeht

Für die Zukunft ist das erklärte Ziel der MIH Net Berlin die Erschließung von mehr als 500.000 Haushalten und Unternehmen im Berliner Stadtgebiet. Dies ist ein langfristiges Vorhaben, das eine kontinuierliche Erweiterung der Glasfaserinfrastruktur innerhalb der Fernwärmekanäle erfordert. Telefónica Deutschland wird seine Vermarktungsaktivitäten in Berlin entsprechend dem Fortschritt des Netzausbaus anpassen. Da das Unternehmen bereits über eine etablierte Präsenz mit rund 1.000 Mobilfunkstandorten verfügt, ist davon auszugehen, dass die crossmediale Vermarktung – also die Kombination von Glasfaser-Festnetz und Mobilfunk – weiter intensiviert wird. Weitere Ankündigungen zu neuen Tarifoptionen oder einer Ausweitung der Partnerschaften auf andere Regionen sind möglich, wurden jedoch in der aktuellen Mitteilung vom 2. September 2026 noch nicht konkretisiert. Die Marktteilnehmer werden beobachten, ob das Open-Access-Modell von MIH Net Berlin auch in anderen Städten als Vorbild für ähnliche Kooperationen dienen kann, um den Glasfaserausbau in Deutschland ohne redundante Tiefbauarbeiten voranzutreiben.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/weisse-und-blaue-kabel-2881233/ · Foto: Brett Sayles
Quelle: https://www.golem.de/news/mih-net-eurofiber-telefonica-bietet-glasfaseranschluesse-in-berlin-2609-212538.html