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IFA: Wahrzeichen West-Berlins: Der Funkturm wird 100
Technik · 03.09.2026 14:35

IFA: Wahrzeichen West-Berlins: Der Funkturm wird 100

Kurz: Der Berliner Funkturm feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Ein Rückblick auf die Geschichte des Wahrzeichens, das einst als Wegweiser für Rosinenbomber diente.

Ein Jahrhundert Berliner Industriegeschichte: Der Funkturm feiert Jubiläum

Seit nunmehr einhundert Jahren prägt der Berliner Funkturm das Stadtbild und dient als markanter Orientierungspunkt für Reisende, die sich der Hauptstadt nähern. Das 147 Meter hohe Stahlgerüst auf dem Messegelände markiert seit seiner Errichtung den abrupten Übergang zwischen dem ländlichen Umland und der pulsierenden Metropole. Über viele Jahrzehnte hinweg fungierte das Bauwerk zudem als Symbol für die Teilung der Stadt in Ost und West. Besonders in den schwierigen Jahren der Berlin-Blockade 1948 und 1949 kam dem Turm eine lebenswichtige Bedeutung zu: Die hellgelben Flugfeuer-Lampen an seiner Spitze wiesen den alliierten Rosinenbombern den sicheren Weg zum Flughafen Tempelhof. Über diese Luftbrücke wurde das von den sowjetischen Besatzungstruppen abgeschnittene West-Berlin mit den notwendigen Gütern wie Lebensmitteln und Kohle versorgt. Mit seiner feierlichen Eröffnung am 3. September 1926 galt der Funkturm als das höchste Bauwerk seiner Art in ganz Deutschland. Er ist bis heute ein technisches Denkmal, das eng mit der Entwicklung der Rundfunkübertragung und der Geschichte der Internationalen Funkausstellung (IFA) verknüpft ist.

Technische Details und architektonische Besonderheiten

Die architektonische Gestaltung des Berliner Funkturms, der im Volksmund liebevoll als „langer Lulatsch“ bezeichnet wird, orientiert sich unverkennbar am Pariser Eiffelturm. Der Architekt Heinrich Straumer wählte eine ähnliche Fachwerkkonstruktion, die auf vier stabilen Basisstützen fußt und sich nach oben hin verjüngt. Dennoch gibt es signifikante Unterschiede in der Bauweise, wie Michael Pfeiffer, Stabstellenleiter der Messe Berlin, in einem Podcast erläutert. Während beim Eiffelturm pro laufendem Höhenmeter etwa 22,7 Tonnen Stahl verbaut wurden, von denen ein Großteil rein dekorativen Zwecken dient, ist der Berliner Funkturm deutlich effizienter konzipiert. Hier wurden lediglich 2,2 Tonnen Stahl pro Höhenmeter eingesetzt. Jeder verbaute Stahlträger war konstruktiv und statisch zwingend erforderlich. Die Bauzeit betrug rund zwei Jahre. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die Montage der Stahlteile dar, die mithilfe eines Turmdrehkrans bewältigt wurde, welcher direkt auf der Spitze der bereits bestehenden Funkantenne installiert worden war. Auch die Integration des Restaurants auf 55 Metern Höhe sowie der Aussichtsplattform auf 126 Metern stellte die Ingenieure damals vor enorme Aufgaben.

Die historische Entwicklung des Rundfunks in Berlin

Die Entstehung des Funkturms ist untrennbar mit der rasanten Entwicklung des Rundfunks in Deutschland während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbunden. Am 29. Oktober 1923 wurde vom Vox-Haus in der Potsdamer Straße die erste offizielle Unterhaltungsrundfunksendung ausgestrahlt. Da jedoch sowohl diese Anlage als auch eine weitere am Magdeburger Platz den steigenden Anforderungen an die Versorgung der Hauptstadt nicht mehr gewachsen waren, musste eine leistungsstärkere Lösung her. Anlässlich der ersten „Großen Deutschen Funkausstellung“ im Jahr 1924 wurde auf dem Messegelände eine 126 Meter hohe Antenne errichtet, über die der Sender Witzleben sein Programm verbreitete. Der Erfolg dieser Übertragungen führte schnell zu dem Plan, die Antenne in einen dauerhaften Stahlturm mit Aussichtsplattform, Restaurant und Aufzug zu integrieren. Mit der Eröffnung der dritten Großen Deutschen Funkausstellung am 3. September 1926 wurde dieses visionäre Projekt schließlich offiziell eingeweiht und der Betrieb aufgenommen.

Die Akteure hinter dem Bauwerk und der Nutzung

Die Geschichte des Turms ist durch verschiedene Institutionen und Persönlichkeiten geprägt. Maßgeblich für den Entwurf zeichnete der Architekt Heinrich Straumer verantwortlich, der die Vision eines zugänglichen Funkturms in die Realität umsetzte. Die Messe Berlin spielt als Betreiberin eine zentrale Rolle, wobei Experten wie Michael Pfeiffer heute die technische Einzigartigkeit des Bauwerks hervorheben. In den Anfangsjahren war der Turm ein Zentrum der technischen Innovation, doch auch spätere Akteure wie der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) und der Sender Freies Berlin (SFB) nutzten die Anlage nach dem Zweiten Weltkrieg für ihre Übertragungen. Die Berliner Messe selbst pflegt das Erbe des Turms bis heute und betont dessen Bedeutung als atmosphärisches Wahrzeichen. Die Bevölkerung, insbesondere die Berliner, die über die Avus in die Stadt zurückkehren, identifiziert sich stark mit dem Turm als Zeichen der Vertrautheit. Trotz des Baus des deutlich höheren Fernsehturms im Osten der Stadt, der dem Funkturm den Rang als höchstes Bauwerk Berlins ablief, bleibt er ein zentrales Element der lokalen Identität.

Einordnung der technischen und symbolischen Bedeutung

Einzuordnen ist der Funkturm heute vor allem als technisches Denkmal. Den Berichten zufolge war das Ziel der Konstruktion eine maximale Funktionalität bei minimalem Materialeinsatz, was ihn von prunkvolleren Bauwerken seiner Zeit abhebt. Die ursprüngliche Intention, den Turm als Rundfunk- und später als Fernsehsender zu nutzen, war jedoch nur bedingt von Erfolg gekrönt. Die Sendequalität litt laut Experten unter schlecht isolierten Kabeln und Störungen durch den Restaurantbetrieb. Dennoch war der Turm über Jahrzehnte ein unverzichtbares Symbol für das geteilte Berlin. Während er im Westteil der Stadt als Begrüßungssymbol für Reisende aus der Bundesrepublik diente, verlor er seine praktische Bedeutung für die Funkübertragung im Jahr 1973 vollständig. Dies lag primär daran, dass in West-Berlin mittlerweile eine ausreichende Anzahl anderer Antennenanlagen und Türme zur Verfügung stand, die den technischen Anforderungen der damaligen Zeit besser gerecht wurden. Seine heutige Bedeutung ist daher eher emotionaler und historischer Natur als technischer.

Offene Fragen zur Zukunft und zum Zustand

Der vorliegende Quelltext lässt einige Fragen zum aktuellen Zustand und zur langfristigen Nutzung des Funkturms offen. Zwar wird erwähnt, dass der Turm nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg stabilisiert wurde und heute noch steht, doch fehlen konkrete Details zu den aktuellen Wartungszyklen oder geplanten Sanierungsmaßnahmen, um das 100 Jahre alte Stahlgerüst dauerhaft zu erhalten. Ebenso wird nicht explizit ausgeführt, ob es Bestrebungen gibt, die touristische Nutzung des Restaurants oder der Aussichtsplattform in den kommenden Jahren auszubauen oder technisch zu modernisieren. Auch die Frage, ob der Turm jemals wieder eine funktechnische Funktion übernehmen könnte – etwa als Standort für moderne Kommunikationstechnik, die über die reine Beleuchtung hinausgeht – wird im Text nicht beantwortet. Es bleibt unklar, welche spezifischen Investitionen die Messe Berlin tätigt, um den „langen Lulatsch“ über das Jubiläumsjahr hinaus als sicheres und attraktives Ziel für Besucher zu bewahren.

Der weitere Weg des Berliner Wahrzeichens

Wie es mit dem Funkturm weitergeht, ist vor allem durch seine Rolle als atmosphärisches Wahrzeichen bestimmt. Die Berliner Messe betont, dass der Turm auch heute noch durch seine nächtliche Beleuchtung, bei der starke LED-Leuchten ihn in warmes Licht tauchen, ein weithin sichtbares Zeichen setzt. Konkrete Termine für Jubiläumsfeierlichkeiten oder weiterführende Entscheidungen zur baulichen Zukunft wurden im vorliegenden Text nicht genannt. Es ist davon auszugehen, dass der Turm weiterhin als festes Element des Messegeländes erhalten bleibt, wobei der Fokus auf der Bewahrung seines historischen Charakters liegt. Die technische Nutzung für Rundfunkzwecke bleibt jedoch endgültig Geschichte. Der Turm wird somit als ein Denkmal fortbestehen, das die Verbindung zwischen der technologischen Aufbruchstimmung der 1920er Jahre und der modernen Berliner Stadtlandschaft symbolisiert, während er gleichzeitig an die bewegte Geschichte der geteilten Stadt erinnert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/berliner-flughafen-29336398/ · Foto: Birka Ollyk
Quelle: https://www.heise.de/news/Wahrzeichen-West-Berlins-Der-Funkturm-wird-100-11440151.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag