Zwischen EU-Haushaltsverhandlungen und innerparteilichem Druck
Bundeskanzler Friedrich Merz hat im Rahmen seiner Reise nach Irland Gespräche mit dem irischen Premierminister Micheál Martin aufgenommen. Der Besuch steht im Zeichen der irischen EU-Ratspräsidentschaft, die Anfang Juli begann. Während es bei dem Treffen offiziell um die Weichenstellung für den mittelfristigen Finanzrahmen der Europäischen Union für die Jahre 2028 bis 2034 geht, wird die Reise von einer intensiven innenpolitischen Debatte in Deutschland überschattet.
Kritik an der Personalpolitik der Bundesregierung
Bereits vor dem Abflug am Berliner Regierungsflughafen dominierten Berichte über Unmut in den eigenen Reihen die Gespräche der mitreisenden Journalisten. Der Unmut entzündet sich insbesondere an der Art und Weise, wie Merz Personalentscheidungen in seinem Kabinett und der Partei getroffen hat.
Ein zentraler Punkt der Kritik ist der Austausch im Verkehrsministerium. Der bisherige Minister Patrick Schnieder musste seinen Posten räumen. Dass dies Berichten zufolge telefonisch während seines Urlaubs geschah, hat für erheblichen Ärger gesorgt – auch im CDU-Landesverband Rheinland-Pfalz, dem Schnieders Bruder, Ministerpräsident Gordon Schnieder, angehört.
Ein weiterer Konfliktpunkt betrifft den ehemaligen Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Tino Sorge. Dieser äußerte öffentlich, er habe erst über die Medien von seiner Entlassung erfahren. Sorge deutete zudem an, der Zeitpunkt der Entscheidung kurz vor anstehenden Landtagswahlen sei bewusst gewählt worden. Regierungsvertreter widersprachen dieser Darstellung jedoch und betonten, Sorge sei durch den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann ordnungsgemäß informiert worden.
Das Kanzleramt in der Defensive
Im Kanzleramt wird der Vorwurf eines mangelnden empathischen Umgangs mit Mitarbeitern zurückgewiesen. Die Verantwortlichen erklären, der notwendige Personalumbau sei nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn unter hohem Zeitdruck erfolgt. Auch der Rückzug des Finanzexperten Güntzler von der Zusage für das Verkehrsministerium wird als unglücklicher Umstand gewertet, für den sich der Kanzler entschuldigt habe. Andere Personalentscheidungen, wie die Berufung von Franziska Hoppermann zur neuen Generalsekretärin der CDU, werden als notwendig und korrekt verteidigt.
Harte Haltung bei den EU-Finanzen
In Dublin traf Merz auf den irischen Premierminister Micheál Martin, um über den EU-Haushalt zu beraten. Die EU-Kommission und das Parlament streben für den Zeitraum 2028 bis 2034 ein Volumen von knapp zwei Billionen Euro an und fordern zudem 2.500 zusätzliche Stellen.
Deutschland, als größtes Geberland der EU, nimmt hier eine Schlüsselrolle ein. Merz machte deutlich, dass er den Vorschlag in dieser Form ablehnt. Er verwies darauf, dass die Bundesregierung in der aktuellen Legislaturperiode selbst acht Prozent der Stellen einspare. Eine Ausdehnung des europäischen Budgets sei für Deutschland nicht tragbar; der Entwurf müsse um mehrere Hundert Milliarden Euro gekürzt werden. Damit stellt sich Deutschland gegen eine Gruppe von 16 EU-Staaten, die einen Ausbau der Mittel fordern, findet jedoch Unterstützung bei Ländern wie den Niederlanden, Schweden und Dänemark.
Ausblick auf die kommenden Wochen
Irland plant, bis Ende des Jahres einen Konsens unter den 27 Mitgliedsländern zu erzielen. Anfang Oktober soll eine erste Aufstellung präsentiert werden. Merz unterstrich seine Erwartung an einen „realistischen Plan“ seitens der irischen Präsidentschaft.
Auch in Bezug auf die innerparteiliche Lage in Deutschland gab sich der Kanzler entschlossen. Er betonte, dass er nach der anstehenden Fraktionssitzung erwarte, dass alle getroffenen Personalentscheidungen nicht nur akzeptiert, sondern auch umgesetzt werden. Ob diese Forderung ausreicht, um die Spannungen innerhalb der Union nachhaltig zu befrieden, bleibt abzuwarten.