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Leipzig: Flugzeug neben Sprengstoff-Drohne war mit Munition beladen
Politik · 06.08.2026 12:04

Leipzig: Flugzeug neben Sprengstoff-Drohne war mit Munition beladen

Kurz: Ein Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle alarmiert die Sicherheitsbehörden. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf ein mögliches hybrides Anschlagsszenario.

Ein Vorfall mit hoher Gefahrenqualität

Der Flughafen Leipzig/Halle ist in den Fokus der Sicherheitsbehörden gerückt, nachdem dort eine mit einem Sprengsatz ausgestattete Drohne entdeckt wurde. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ordnete den Vorfall als "neue Gefahrenqualität" ein und sprach von einem "hybriden Anschlagsszenario". Die Ermittlungen, an denen unter anderem das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen beteiligt ist, laufen auf Hochtouren, um die Hintergründe und die Verantwortlichen für diesen mutmaßlichen Anschlagsversuch zu identifizieren.

Die Drohne wurde in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf dem Vorfeld des Flughafens gefunden. Kriminaltechnische Untersuchungen bestätigten, dass an dem Fluggerät ein hochexplosiver Sprengsatz angebracht war. Experten des LKA Sachsen konnten den Zünder entfernen und den Sprengstoff analysieren. Ersten Tests zufolge handelt es sich wahrscheinlich um Semtex, einen Stoff, der sowohl in militärischen als auch in industriellen Kontexten Anwendung findet.

Fokus auf ukrainische Frachtmaschinen

Besondere Aufmerksamkeit gilt der unmittelbaren Umgebung des Fundortes. Die Drohne befand sich in der Nähe von zwei Antonov-Frachtflugzeugen der staatlichen ukrainischen Fluggesellschaft "Antonov Airlines". Der Flughafen Leipzig/Halle fungiert seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 als zentrales Drehkreuz für den Transport militärischer Güter in die Ukraine und für NATO-Logistik.

Zunächst kursierten Berichte, wonach sich in einer der Maschinen zum Zeitpunkt des Fundes Munition befunden habe. Nach einer Korrektur des Bundesinnenministeriums gegenüber den Obleuten des Innenausschusses stellte sich der Sachverhalt jedoch differenzierter dar: Die betroffene Maschine hatte zwar kurz zuvor Munition aus Frankreich über Leipzig in Richtung Osten transportiert, war jedoch zum Zeitpunkt des Drohnenfunds leer.

Unbekannte Flugbewegungen und Sicherheitslücken

Die Auswertung von Aufnahmen der Überwachungskameras des Sicherheitsleitstandes lieferte neue Erkenntnisse zum zeitlichen Ablauf. Demnach flog die Drohne bereits gegen 19:28 Uhr aus dem südlichen Bereich in das Flughafengelände ein und landete auf dem Vorfeld. Ein erneuter Aufstieg war auf den Aufnahmen nicht zu sehen. Erst gegen 23:42 Uhr bemerkten Flughafenmitarbeiter das Flugobjekt, als es in geringer Höhe zwischen den Frachtmaschinen schwebte. Es kam zu einem Kontakt zwischen einem Mitarbeiter und der Drohne, woraufhin diese zu Boden fiel.

Besonders kritisch bewerten Experten den Umstand, dass die vorhandene Sensorik zur Drohnenabwehr das Fluggerät nicht erkannt hat. Laut Bundesinnenminister Dobrindt deutet dies darauf hin, dass die Drohne gezielt modifiziert wurde, um bestehende Abwehrsysteme zu umgehen.

Kollision eines DHL-Frachters

Im Zusammenhang mit dem Vorfall steht auch ein Zwischenfall bei einer DHL-Frachtmaschine, die aus Marseille kommend landen wollte. Aufgrund der vorübergehenden Einstellung des Flugbetriebs musste die Maschine durchstarten. Dabei kam es in der Nähe des Flughafenzauns bei einer Geschwindigkeit von rund 500 km/h zu einer Kollision mit einem unbekannten Gegenstand.

Die Maschine wurde im Frontbereich beschädigt, konnte jedoch sicher zum Flughafen Hannover-Langenhagen umgeleitet werden. Da ein biologischer Abstrich negativ ausfiel, gilt ein Vogelschlag als unwahrscheinlich. Ermittler prüfen nun, ob es sich bei dem Kollisionsobjekt um eine weitere Drohne gehandelt haben könnte. Die Besatzung wurde bereits vom LKA Sachsen befragt, und auch der Flugschreiber der DHL-Maschine soll kriminaltechnisch ausgewertet werden.

Nächste Schritte der Ermittlungen

Die Sicherheitsbehörden stehen vor der Herausforderung, die Herkunft der präparierten Drohne zu klären. Das Verteidigungsministerium betonte, dass zum Zeitpunkt des Vorfalls keine militärischen Transporte der Bundeswehr am Flughafen abgefertigt wurden. Dennoch bleibt die Infrastruktur des Flughafens Leipzig/Halle ein hochsensibler Bereich. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die forensische Analyse der sichergestellten Drohne und die Auswertung der Flugdaten, um ein genaueres Bild über die Täter und deren Absichten zu gewinnen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/leichtflugzeug-fliegt-im-klaren-blauen-himmel-33676839/ · Foto: Ramon Karolan
Quelle: https://www.tagesschau.de/investigativ/drohnenfund-leipzig-100.html