Aktuelle Vorfälle und Hintergründe
In jüngster Zeit haben Legionellen-Infektionen für Schlagzeilen gesorgt. In Basel (Schweiz) erkrankten innerhalb von zwei Wochen 28 Menschen an der sogenannten Legionärskrankheit, wobei ein Todesfall zu beklagen war. Die Behörden konnten die Quelle wahrscheinlich auf zwei wasserbetriebene Kühltürme auf einem Gebäudedach zurückführen, die daraufhin stillgelegt wurden. Auch in Deutschland gab es Vorfälle: In einem Berliner Seniorenwohnheim in Tegel führte ein Legionellen-Befall im Juli zu fünf Krankenhausaufenthalten und zwei Todesfällen.
Was sind Legionellen?
Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise in Wasser vorkommen. Sie vermehren sich bevorzugt im Zellinneren von Einzellern wie Amöben. Ideale Bedingungen finden sie bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wird das Wachstum ab 55 Grad Celsius wirksam gehemmt; ab 60 Grad Celsius sterben die Keime ab. In kaltem Wasser unter 20 Grad Celsius findet hingegen keine nennenswerte Vermehrung statt.
Übertragungswege: Einatmen statt Trinken
Entgegen verbreiteter Annahmen erfolgt die Infektion nicht durch das Trinken von kontaminiertem Wasser. Die Magensäure tötet die Bakterien bei der Verdauung ab. Die Gefahr besteht vielmehr im Einatmen von wasserhaltigem Dampf oder Aerosolen. Zu den typischen Übertragungsquellen zählen:
* Duschen
* Whirlpools
* Luftbefeuchter
* Wasserhähne
* Verdunstungskühlanlagen und Kläranlagen
Besonders in den Sommermonaten und im Herbst steigt das Risiko. Dies liegt nicht nur an den wärmeren Temperaturen, die das Wachstum begünstigen, sondern auch an Urlaubsreisen, bei denen Menschen mit kontaminierten Anlagen in Hotels in Kontakt kommen können. Zudem kann stehendes Wasser in Leitungen während der Abwesenheit die Keimbildung fördern.
Krankheitsbilder und Risikogruppen
Eine Infektion mit Legionellen kann zwei verschiedene Krankheitsverläufe nach sich ziehen:
1. **Legionärskrankheit:** Eine schwere Form der Lungenentzündung. Zu den Symptomen zählen Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Husten, gelegentlich auch Durchfall oder Bauchschmerzen. Da es sich um bakterielle Erreger handelt, ist eine Behandlung mit Antibiotika möglich.
2. **Pontiac-Fieber:** Eine mildere Form, die sich durch grippeähnliche Symptome äußert, jedoch keine Lungenentzündung verursacht. Diese Form heilt meist nach wenigen Tagen von selbst aus.
Während gesunde Menschen in der Regel ein geringes Risiko haben, sind insbesondere ältere Personen, Raucher sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gefährdet. Laut RKI-Daten gab es in Deutschland in den vergangenen drei Jahren jährlich etwas mehr als 100 Todesfälle durch Legionellen, wobei Menschen ab 60 Jahren die Hauptrisikogruppe bilden.
Schutzmaßnahmen und Prävention
Um das Infektionsrisiko zu minimieren, gibt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit konkrete Empfehlungen für den Alltag und die Gebäudetechnik:
* **Regelmäßige Nutzung:** Wasserleitungen sollten regelmäßig genutzt werden, um Stagnation zu vermeiden. Sogenannte Totstränge im Leitungssystem sind zu vermeiden.
* **Temperatureinstellungen:** In Gebäuden mit zentraler Wassererwärmung sollte die Reglertemperatur am Trinkwassererwärmer auf mindestens 60 Grad Celsius eingestellt sein.
* **Isolierung:** Kaltwasserleitungen sollten wärmeisoliert werden.
* **Reinigung:** Geräte wie Luftbefeuchter oder Inhalatoren müssen regelmäßig gereinigt und trocken gelagert werden.
Für Mietshäuser und öffentliche Gebäude gelten zudem behördliche Vorgaben zur regelmäßigen Untersuchung. Wird eine bedenkliche Konzentration der Bakterien festgestellt, werden die Gesundheitsämter informiert und entsprechende Wartungsmaßnahmen eingeleitet.