Ein neues taktisches Konzept bei der Eintracht
Bei Eintracht Frankfurt weht unter Trainer Adi Hütter ein neuer Wind. Der Coach hat sich zum Ziel gesetzt, die Profis auf ihren vermeintlich besten Positionen einzusetzen – ein Ansatz, der sich deutlich von den Strategien seiner Vorgänger Albert Riera und Dino Toppmöller unterscheidet. Das Ergebnis dieser Umstellung ist ein 4-2-2-2-System, das den Fokus auf zwei Spitzen, zwei zentrale Mittelfeldspieler und zwei Kreativkräfte im offensiven Mittelfeld legt. Diese taktische Ausrichtung hat jedoch eine direkte Konsequenz: Klassische Flügelstürmer, die an der Außenlinie agieren, finden in diesem Konstrukt kaum noch Platz.
Die Suche nach neuen Rollen: Das Beispiel Ansgar Knauff
Besonders deutlich wird dieser Wandel am Beispiel von Ansgar Knauff. Der schnelle Offensivspieler, der eigentlich auf dem rechten Flügel zu Hause ist, muss sich in der neuen Ordnung neu orientieren. Zwar äußerte Knauff im Gespräch mit dem hr-sport den Wunsch, seine Schnelligkeit als zweite Spitze neben Jonathan Burkardt einzubringen, doch die Realität auf dem Platz sieht anders aus. Im Testspiel gegen Hull City wurde er von Hütter als Rechtsverteidiger aufgeboten. Da Nnamdi Collins angeschlagen fehlte und Stammkraft Elias Baum eine durchwachsene Leistung zeigte, fungierte Knauff als Notlösung in der Defensive. Experten sehen hier jedoch ein potenzielles Problem: Zwar bringt Knauff Fleiß und Biss mit, doch für die Anforderungen eines Außenverteidigers könnte ihm auf Dauer die nötige Zweikampfhärte fehlen.
Offensivkräfte im Zentrum
Nicht nur Knauff ist von der Systemumstellung betroffen. Auch andere Akteure müssen sich an neue Aufgaben gewöhnen:
* **Ritsu Doan:** Der Japaner agiert im neuen System als offensiver Akteur im rechten Halbraum. Er rückt deutlich weiter in die Mitte als noch zu Freiburger Zeiten. Der Vorteil: Er muss weniger Defensivarbeit leisten und scheint sich mit dieser Rolle gut arrangieren zu können.
* **Jean-Mattéo Bahoya:** Er wurde im Test gegen Hull City als zweiter Zentrumsangreifer getestet, um die Lücke im Sturm zu schließen.
* **Ayoube Amaimouni:** Auch er zählt zu den Spielern, die sich in der neuen taktischen Ausrichtung zurechtfinden müssen.
Handlungsbedarf im Kader
Die aktuelle personelle Situation offenbart, dass die Eintracht an verschiedenen Stellen nachbessern muss. Während das offensive Mittelfeld mit Spielern wie Mario Götze, Can Uzun, Farès Chaibi und Love Arrhov quantitativ gut besetzt ist, bereitet der Sturm Sorgen. Jonathan Burkardt ist als treffsicherer Angreifer gesetzt, doch dahinter klafft eine Lücke. Younes Ebnoutalib arbeitet zwar intensiv, zeigt jedoch Schwächen im Abschluss. Andere Optionen wie Knauff oder Bahoya sind lediglich als Notlösungen zu betrachten, und der junge Malik Pimpong ist nach aktuellem Stand noch nicht auf dem Niveau für die Bundesliga.
Auch in der Defensive bleibt die Personaldecke dünn. Die Leistung von Keita Kosugi auf der linken Seite gegen Hull City ließ Wünsche offen, und auf der Rechtsverteidiger-Position fehlt es an Alternativen, die nicht aus dem Offensivbereich kommen. Trainer Adi Hütter ließ nach dem Testspiel durchblicken, dass er den Handlungsbedarf erkannt hat. Ob die Eintracht in den kommenden Wochen noch auf dem Transfermarkt aktiv wird, um den Angriff zu verstärken oder die Defensive zu stabilisieren, bleibt abzuwarten. Hütter betonte, dass man in den nächsten Wochen genau beobachten werde, ob der aktuelle Kader ausreicht oder ob externe Verstärkungen notwendig sind.