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KI-Blase: Wie Google mithilfe der Wall Street Anthropics Chips finanziert
Technik · 05.08.2026 16:27

KI-Blase: Wie Google mithilfe der Wall Street Anthropics Chips finanziert

Kurz: Google nutzt komplexe Finanzierungsstrukturen, um den massiven Ausbau von KI-Hardware für Anthropic auszulagern und Risiken aus der eigenen Bilanz zu halten.

Ein neues Finanzierungsmodell für den KI-Boom

Der Wettlauf um die Vorherrschaft im Bereich der Künstlichen Intelligenz erfordert enorme Kapitalmengen. Um den massiven Bedarf an Rechenleistung zu decken, hat Google eine hochkomplexe Finanzierungsarchitektur ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Bereitstellung von Tensor Processing Units (TPUs) für das KI-Unternehmen Anthropic zu ermöglichen, ohne dabei das eigene Bilanzbild durch die enormen Investitionskosten zu belasten. Laut Berichten der Financial Times umfasst dieses Konstrukt ein Volumen von rund 200 Milliarden US-Dollar.

Die Rolle von Broadcom und Compute SPV

Das Finanzierungsmodell erinnert in seiner Struktur an Methoden, die in der Luftfahrtindustrie für den Verkauf von Flugzeugen oder Triebwerken bekannt sind. Der Prozess folgt einer klar definierten Kette:

* **Verkauf:** Google veräußert seine TPUs zunächst an den Chipdesigner Broadcom.

* **Zwischenorganisation:** Broadcom verkauft die Hardware weiter an eine eigens für diesen Zweck gegründete Organisation namens Compute SPV.

* **Fremdkapital:** Compute SPV finanziert diesen Kauf durch Kredite, die von Investmentfirmen wie Apollo und Blackstone bereitgestellt werden.

* **Leasing:** Die Hardware wird im Anschluss an Anthropic verleast.

Ein entscheidender Punkt in diesem Geflecht ist die Absicherung: Sollte Anthropic seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen und Compute SPV die Kredite nicht bedienen können, garantiert Broadcom für einen signifikanten Teil der Summe – konkret für 30 von 35 Milliarden US-Dollar in der aktuellen Finanzierungsrunde – einzuspringen. Diese Vorlage soll laut Quellen der Financial Times auch für zukünftige Hardware-Lieferungen im Umfang von 3,5 Gigawatt an TPU-Kapazität genutzt werden.

Synergien mit ehemaligen Krypto-Minern

Neben der reinen Chip-Finanzierung stellt die Bereitstellung von Rechenzentren und Stromkapazitäten eine zentrale Herausforderung dar. Google setzt hierbei auf eine ungewöhnliche Strategie: die Zusammenarbeit mit ehemaligen Krypto-Mining-Unternehmen. Diese verfügen oft über die notwendige Infrastruktur, die nun für KI-Anwendungen umgerüstet wird.

Ein Beispiel hierfür ist der Betreiber TeraWulf. Google garantierte die Leasingzahlungen für einen Standort, an dem TeraWulf ein 360-Megawatt-Rechenzentrum errichtete. Morgan Stanley strukturierte daraus sogenannte Construction Bonds im Wert von 3,2 Milliarden US-Dollar. Im Gegenzug sicherte sich Google Optionen auf Firmenanteile, sogenannte Penny Warrants, die den Erwerb von Aktien zu einem symbolischen Preis ermöglichen. Ähnliche Modelle wurden bereits mit Unternehmen wie Cipher Digital und Hut 8 in Texas und Louisiana umgesetzt.

Risiken und Bilanzierung

Die Dimensionen dieser Finanzierungsgarantien sind beachtlich. Insgesamt hat die Financial Times zehn Projekte mit einer Gesamtleistung von 2,4 Gigawatt identifiziert, für die Google als sogenannter Backstop fungiert. Sollten sämtliche Mietverträge in diesem Netzwerk ausfallen, drohen Google Garantieverpflichtungen von bis zu 44 Milliarden US-Dollar. In der offiziellen Bilanz des Konzerns schlägt sich dieses Risiko jedoch lediglich mit 815 Millionen US-Dollar nieder.

Einordnung im Marktumfeld

Dieses Vorgehen ist kein Einzelfall, sondern fügt sich in einen breiteren Trend bei den großen Tech-Konzernen ein. Auch Nvidia steht Berichten zufolge in Verhandlungen über eine Bürgschaft in Höhe von 250 Milliarden US-Dollar für OpenAI. Insgesamt wurden bereits mehr als eine Billion US-Dollar in den Ausbau der KI-Infrastruktur investiert. Angesichts dieser Summen mehren sich jedoch die Zweifel an der langfristigen wirtschaftlichen Tragfähigkeit des aktuellen KI-Booms. Die gewählten Finanzierungsstrukturen erlauben es den Tech-Giganten zwar, kurzfristig massiv zu expandieren, verlagern jedoch gleichzeitig erhebliche Risiken in ein komplexes Geflecht aus Drittparteien und Garantieversprechen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/chat-oberflache-im-dunkelmodus-mit-ki-assistent-30530409/ · Foto: Matheus Bertelli
Quelle: https://www.heise.de/news/KI-Blase-Wie-Google-Finanzierungsrisiken-auslagert-11399694.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag