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Kampf gegen Dengue in Brasilien: 190 Millionen Fabrikmücken pro Woche
Schlagzeilen · 01.08.2026 07:52

Kampf gegen Dengue in Brasilien: 190 Millionen Fabrikmücken pro Woche

Kurz: Brasilien setzt im Kampf gegen das Dengue-Fieber auf eine ungewöhnliche Methode: In speziellen Laboren werden Millionen Mücken mit einem Bakterium gezüchtet.

Ein biologischer Ansatz gegen eine virale Bedrohung

Das Dengue-Fieber stellt für Brasilien seit Jahren eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen dar. Die Krankheit ist im Land endemisch und sorgt regelmäßig für hohe Fallzahlen. Um die Ausbreitung der durch die Gelbfiebermücke übertragenen Viren einzudämmen, setzt das Land nun auf einen innovativen, biologischen Ansatz: die großflächige Zucht und Freisetzung modifizierter Mücken.

Die Funktionsweise der „Mückenfabriken“

In sogenannten „Mückenfabriken“, wie der Anlage des Unternehmens Flyttr in Campinas nahe São Paulo, werden Insekten unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet. Das Herzstück der Methode ist das Bakterium Wolbachia. Wissenschaftler übertragen bestimmte Stämme dieses Bakteriums in die Mücken. Laut der Geschäftsführerin Natália Ferreira besiedelt das Bakterium genau jene Bereiche im Körper des Insekts, in denen sich normalerweise die Dengue-Viren vermehren würden.

Das Bakterium fungiert dabei gewissermaßen als eine Art natürlicher Impfstoff. Es reduziert die Viruslast innerhalb der Mücke massiv, wodurch die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass das Insekt das Virus bei einem Stich auf einen Menschen überträgt. Die Produktion ist dabei auf enorme Kapazitäten ausgelegt: Allein das Labor in Campinas kann wöchentlich bis zu 190 Millionen Mücken produzieren.

Logistik und Verbreitung

Die Verteilung der Mücken erfolgt auf effiziente Weise: Die Eier werden in speziellen Kisten verpackt und in verschiedene Regionen Brasiliens oder sogar in andere Länder verschickt. Vor Ort müssen lediglich Wasser hinzugefügt werden, damit sich die Eier entwickeln können. Diese Kisten fungieren somit als mobile „Mini-Mückenfabriken“. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist laut Projektverantwortlichen hoch, da das Konzept gut vermittelt wird und Familien teilweise sogar selbst Boxen bei sich zu Hause aufstellen.

Langjährige Forschung und staatliches Engagement

Die Grundlagen für dieses Vorhaben wurden bereits 2012 durch den Wissenschaftler Luciano Moreira gelegt. Nach erfolgreichen Pilotprojekten entschied sich die brasilianische Gesundheitsbehörde, das Verfahren in die Massenproduktion zu überführen. Neben privaten Akteuren wie Flyttr betreibt auch der brasilianische Staat eigene Anlagen, etwa in Curitiba, die ebenfalls Kapazitäten im dreistelligen Millionenbereich pro Woche erreichen.

Das Ziel ist die langfristige Verdrängung der ursprünglichen Mückenpopulation durch die Wolbachia-tragenden Exemplare. Da weibliche Mücken das Bakterium an ihre Nachkommen vererben, verbreitet sich die Eigenschaft in der Population von selbst. Die Forscher betonen, dass es nicht darum geht, die Mücken auszurotten, sondern sie zu „schlechteren“ Überträgern zu machen.

Positive Ergebnisse in der Praxis

Die bisherigen Daten aus Testregionen, insbesondere rund um Rio de Janeiro, sind vielversprechend. Dort konnte die Zahl der Dengue-Infektionen nach der Freisetzung der modifizierten Mücken um 60 bis 70 Prozent gesenkt werden. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die Methode auch gegen andere durch diese Mückenart übertragene Krankheiten wie Zika und Chikungunya wirksam ist.

Angesichts eines Rekordjahres 2024 mit über sechs Millionen wahrscheinlichen Dengue-Fällen und mehreren tausend Todesfällen ist der Handlungsdruck in Brasilien groß. Das Projekt gilt zudem als ökologisch nachhaltig, da es vollständig auf den Einsatz von Insektenschutzmitteln verzichtet. Die Verantwortlichen sehen Brasilien bei diesem Programm international in einer Vorreiterrolle.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadtische-reinigungskrafte-reinigen-ein-stadtgebiet-34406282/ · Foto: Guilherme Pedrosa
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/mueckenfabrik-brasilien-100.html