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Huawei: Machtkampf zwischen USA und China in Argentinien
Technik · 10.08.2026 22:35

Huawei: Machtkampf zwischen USA und China in Argentinien

Kurz: Ein diplomatischer Streit zwischen den USA und China eskaliert in Argentinien, nachdem die US-Botschaft Druck auf einen lokalen Stromversorger wegen Huawei ausü

Ein diplomatischer Schlagabtausch in Buenos Aires

Ein scheinbar lokales Infrastrukturprojekt in Argentinien hat sich zu einem internationalen diplomatischen Konflikt ausgeweitet. Im Zentrum steht die „Cooperativa de Servicios Públicos y Comunitarios“ (CALF), ein bedeutender Stromversorger und Internetanbieter aus der Provinz Neuquén. Das Unternehmen plant den Ausbau seiner digitalen Infrastruktur, unter anderem durch die Errichtung eines Rechenzentrums und die Modernisierung von Glasfaserleitungen. Hierfür hat die Genossenschaft eine strategische Zusammenarbeit mit dem chinesischen Technologiekonzern Huawei ins Auge gefasst.

Diese Pläne riefen die US-Botschaft in Buenos Aires auf den Plan. Nach Angaben der CALF übten US-Diplomaten massiven Druck auf die Führungskräfte des Unternehmens aus. Dabei wurde sogar mit dem Entzug von Einreisevisa für die USA gedroht, sollte die Kooperation mit dem chinesischen Anbieter nicht beendet werden. Diese Drohung wurde laut Berichten über einen informellen Kommunikationsweg – eine WhatsApp-Nachricht eines Botschaftsmitarbeiters – übermittelt.

Strategische Interessen in der Provinz Neuquén

Die Besorgnis der US-Regierung ist eng mit der geografischen Lage der Provinz Neuquén verknüpft. Dort befindet sich das Fördergebiet „Vaca Muerta“, das über gewaltige Öl- und Gasvorkommen verfügt und als strategisch essenziell für die argentinische Energieproduktion gilt. Washington betrachtet den technologischen Einfluss chinesischer Unternehmen in einer Region, in der auch internationale Energiekonzerne investieren, als Sicherheitsrisiko.

Ein weiterer Aspekt, der die US-Behörden alarmiert, ist die Präsenz einer chinesischen Weltraumbeobachtungsstation in Bajada del Agrio. Die Vereinigten Staaten hegen den Verdacht, dass diese Anlage von Peking für nachrichtendienstliche Zwecke genutzt wird. Der US-Botschafter in Argentinien, Peter Lamelas, bestätigte gegenüber Medien, dass die Intervention der Botschaft auf nationalen Sicherheitsinteressen basiere. Er betonte, dass die USA bereit seien, bei der Identifizierung alternativer, als sicher eingestufter Lieferanten zu unterstützen.

Harte Vorwürfe aus Peking

Die chinesische Botschaft reagierte scharf auf das Vorgehen der USA. In einer öffentlichen Stellungnahme warf sie Washington Heuchelei, Arroganz und eine Missachtung der Souveränität Argentiniens vor. Peking kritisierte, dass die USA durch die Visadrohungen eine reguläre, wettbewerbsorientierte Ausschreibung zu untergraben versuchten. Die chinesische Seite sieht darin einen Angriff auf die Prinzipien des freien Marktes und eine Fortsetzung der US-Hegemoniepolitik.

Die CALF selbst reagierte auf die Einmischung mit Unverständnis. Die Genossenschaft betonte, dass sie bei ihren Projekten auf einen Mix aus verschiedenen Anbietern setze, darunter Unternehmen aus den USA, Europa und Asien. Die Auswahl erfolge ausschließlich nach technischen und kommerziellen Kriterien. Von den US-Behörden fordert die Genossenschaft nun eine offizielle Darlegung konkreter technischer Einwände gegen die geplante Huawei-Technik.

Argentinien im diplomatischen Spagat

Die argentinische Regierung unter Präsident Javier Milei befindet sich in einer schwierigen Lage. Einerseits pflegt Milei eine enge politische Nähe zu den USA. Andererseits ist China ein unverzichtbarer Wirtschaftspartner für das südamerikanische Land. Bislang hat sich die Regierung in Buenos Aires nicht offiziell zu dem Vorfall geäußert.

Der Konflikt in Argentinien ist kein Einzelfall, sondern fügt sich in eine globale Auseinandersetzung ein. Die USA gehen seit Jahren weltweit gegen den Vormarsch von Huawei vor und haben den Konzern bereits mit verschiedenen Sanktionen belegt. Aktuellen Berichten zufolge plant Washington zudem weitere Maßnahmen, wie etwa ein Importverbot für chinesische Technologie in KI-Rechenzentren. Die weitere Entwicklung in Neuquén wird nun zeigen, wie souverän Argentinien in der Lage ist, seine technologischen Entscheidungen zwischen den konkurrierenden Weltmächten zu treffen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/lebendige-huawei-smartphones-auf-holztisch-33202774/ · Foto: Andrey Matveev
Quelle: https://www.heise.de/news/Huawei-Machtkampf-zwischen-USA-und-China-in-Argentinien-11409402.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag