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Hersfelder Festspiele zeigen 2027 Neufassung eines Klassikers und Singspiel
Regional · 01.09.2026 15:16

Hersfelder Festspiele zeigen 2027 Neufassung eines Klassikers und Singspiel

Kurz: Die Bad Hersfelder Festspiele 2027 setzen auf eine Mischung aus Klassikern, Loriot-Humor und prominentem Rahmenprogramm in der Stiftsruine.

Ein Sommer voller Klassiker und Innovationen

Die Bad Hersfelder Festspiele bereiten sich auf eine bedeutende 76. Saison vor, die vom 18. Juni bis zum 15. August 2027 stattfinden wird. Die Festspielleitung hat unmittelbar nach dem Abschluss der vorangegangenen Spielzeit das ambitionierte Programm für das kommende Jahr vorgestellt. Insgesamt sieben Produktionen werden den Spielplan prägen, wobei die Verantwortlichen einen bewussten Fokus auf die Neuinterpretation bewährter Stoffe legen. Das Ziel ist es, die historische Kulisse der Stiftsruine mit Geschichten zu füllen, die trotz ihres Alters eine unmittelbare Relevanz für die heutige Zeit besitzen. Intendantin Elke Hesse betonte bei der Vorstellung, dass die Auswahl der Stücke eine Einladung an das Publikum darstelle, sich intensiv mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen. Dabei soll eine ausgewogene Mischung aus Humor, Tiefgang und emotionaler Wucht entstehen, die sowohl treue Stammgäste als auch neue Besucher ansprechen soll. Die Erweiterung des Spielplans um ein zusätzliches Stück im Vergleich zum Vorjahr unterstreicht den Anspruch, die kulturelle Bedeutung des Standorts weiter zu festigen und den Besuchern ein noch breiteres Spektrum an künstlerischen Darbietungen zu bieten.

Die Details zum Spielplan 2027

Das Programm umfasst eine beeindruckende Vielfalt an Genres, die sowohl die Hauptbühne in der Stiftsruine als auch die Nebenbühne im Schloss Eichhof bespielen werden. Den Auftakt bildet am 18. Juni die Uraufführung von „Jedermann wird Jedermensch“, einer modernen Adaption von Hugo von Hofmannsthals Klassiker. Nur einen Tag später folgt am 19. Juni die Premiere des Singspiels „Im weißen Rössl“. Ein weiterer Höhepunkt ist die Inszenierung von William Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“. Auf der Nebenbühne im Schloss Eichhof dürfen sich die Zuschauer auf die Fortsetzung von „Achtsam Morden“ sowie die Bühnenadaption von Loriots „Ödipussi“ freuen. Ergänzt wird das Programm durch die Wiederaufnahme des Musicals „Something Rotten!“ sowie des Familienstücks „Pippi Langstrumpf“, die beide aufgrund ihrer hohen Beliebtheit in der Saison 2026 erneut in den Spielplan aufgenommen wurden. Die musikalische Leitung des Hersfelder Orchesters liegt dabei in den bewährten Händen von Christoph Wohlleben, während für die Regie der verschiedenen Stücke erfahrene Theatermacher wie Michael Schachermaier, Philipp M. Krenn und Alexandra Liedtke gewonnen werden konnten.

Der Weg zur Neuausrichtung

Die Entscheidung, bekannte Stoffe in ein neues Gewand zu hüllen, entspringt dem Wunsch der Festspielleitung, die zeitlose Kraft der Theaterkunst zu betonen. Intendantin Elke Hesse, die in ihre zweite Spielzeit ihrer zweiten Amtszeit geht, sieht in den gewählten Stücken eine Brücke zwischen den Jahrhunderten. Die Auseinandersetzung mit der Frage „Wer sind wir?“ zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm. Dabei wird insbesondere auf die Tradition der Festspiele zurückgegriffen, die bereits 1952 den „Jedermann“ erstmals aufführten. Die diesjährige Entscheidung, den Stoff als „Jedermensch“ neu zu interpretieren, ist ein bewusster Schritt, um den Klassiker aus der Salzburger Tradition zu lösen und für das heutige Publikum in Bad Hersfeld zu öffnen. Auch die Wahl von Loriots „Ödipussi“ als erste Bühnenfassung überhaupt ist ein strategischer Coup, der die Innovationskraft der Festspiele unterstreichen soll. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren, um die hohen Erwartungen des Publikums an eine qualitativ hochwertige Inszenierung, die sowohl den Geist der Vorlage ehrt als auch moderne Sehgewohnheiten bedient, zu erfüllen.

Die Akteure hinter den Kulissen

Die künstlerische Gestaltung der Spielzeit 2027 liegt in den Händen eines erfahrenen Teams. Intendantin Elke Hesse koordiniert das Gesamtprogramm und setzt dabei auf eine Mischung aus bewährten Kräften und neuen Impulsen. Michael Schachermaier, der als Oberspielleiter und Vize-Intendant fungiert, übernimmt die Regie für den „Jedermensch“. Seine enge Verbindung zur Herkunft des Stoffes – er stammt selbst aus der Nähe von Salzburg – verleiht seiner Arbeit eine besondere Tiefe. Philipp M. Krenn, der für die Inszenierung von „Im weißen Rössl“ verantwortlich zeichnet, bringt frischen Wind in das Ensemble. Auch Alexandra Liedtke wird als Regisseurin für Shakespeares „Was ihr wollt“ einen wesentlichen Beitrag leisten. Neben den kreativen Köpfen hinter der Bühne ist das Rahmenprogramm hochkarätig besetzt. Stars wie Lars Eidinger, Ulrich Tukur mit seinen „Rhythmus Boys“, Stefanie Heinzmann sowie das Ehepaar Harald Krassnitzer und Ann-Kathrin Kramer werden das Publikum mit Konzerten, Lesungen und musikalischen Darbietungen begeistern. Diese Prominenz soll die Strahlkraft der Festspiele über die Region hinaus erhöhen und ein breites Publikum anlocken.

Einordnung der künstlerischen Strategie

Einzuordnen ist das Programm 2027 als ein Versuch, die Balance zwischen Traditionspflege und zeitgemäßer Unterhaltung zu finden. Den Berichten zufolge ist die Entscheidung, „Jedermann“ in „Jedermensch“ umzubenennen und auf mehrere Personen aufzuteilen, ein radikaler, aber notwendiger Schritt, um das Stück in die heutige Zeit zu überführen. Es geht nicht mehr um das Schicksal eines Einzelnen, sondern um die universelle Frage nach der Endlichkeit des Lebens in Echtzeit. Auch die Auswahl von „Im weißen Rössl“ wird als geschickter Schachzug gewertet, da das Stück mit seinen zahlreichen Ohrwürmern ein breites Publikum anspricht und den österreichischen Charme in die Stiftsruine bringt. Die Einbindung von Loriot unterstreicht den Anspruch, auch komödiantische Meisterwerke auf ein hohes künstlerisches Niveau zu heben. Die Festspiele positionieren sich damit als ein Ort, an dem sich Hochkultur und populäre Unterhaltung nicht ausschließen, sondern gegenseitig befruchten. Die bewusste Entscheidung, erfolgreiche Stücke aus dem Vorjahr zu wiederholen, deutet zudem auf eine nachhaltige Programmplanung hin, die auf die Wünsche und Resonanz des Publikums reagiert.

Offene Fragen zur Umsetzung

Trotz der detaillierten Vorstellung des Programms bleiben einige Aspekte für die Öffentlichkeit noch ungeklärt. So ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt, welche Schauspieler konkret die Rollen in den sieben Produktionen übernehmen werden. Die Festspielleitung hat zwar angekündigt, dass erste Namen des Ensembles noch vor Weihnachten bekannt gegeben werden sollen, doch die genaue Besetzung bleibt vorerst ein Geheimnis. Ebenso bleibt abzuwarten, wie das Publikum auf die radikale Umgestaltung des „Jedermann“ reagieren wird, da die Erwartungshaltung an diesen Klassiker traditionell sehr hoch ist. Auch die genaue Ausgestaltung der „Collage“ bei Shakespeares „Was ihr wollt“ ist noch nicht im Detail definiert, da die Regie hier aus einer Vielzahl bestehender Fassungen schöpfen will. Zudem gibt es keine Informationen darüber, ob die logistischen Herausforderungen durch die Erweiterung auf sieben Produktionen die internen Abläufe in der Stiftsruine beeinflussen werden. Diese Lücken in der Informationslage spiegeln den üblichen Prozess einer Spielzeitplanung wider, bei der künstlerische Entscheidungen oft erst im Laufe der Probenarbeit finalisiert werden.

Ausblick auf die kommenden Monate

Der Zeitplan für die Vorbereitungen der Festspiele 2027 ist eng getaktet. Nach der offiziellen Programmvorstellung liegt der Fokus nun auf der Zusammenstellung der Ensembles. Die Festspielleitung hat bereits durchblicken lassen, dass sie auf einen Stamm von Akteuren aus dem Jahr 2026 setzen möchte, um Kontinuität zu gewährleisten. Die Bekanntgabe der ersten Ensemble-Mitglieder vor Weihnachten wird ein wichtiger Meilenstein sein, um die Vorfreude bei den Fans zu steigern. Finanziell gesehen hat sich die Lage stabilisiert; nach den Kürzungen des Etats für 2026 von 8,6 auf 7,5 Millionen Euro wird für 2027 mit keinen weiteren Einsparungen gerechnet. Intendantin Hesse betonte jedoch, dass das Budget am Limit sei und jede Produktion eine Herausforderung darstelle. Die kommenden Monate werden somit von intensiver Probenarbeit und der administrativen Vorbereitung geprägt sein, um den reibungslosen Ablauf der 76. Saison zu garantieren. Die Zuschauer dürfen gespannt sein, wie die angekündigten Visionen der Regisseure in die Realität umgesetzt werden und ob die Mischung aus Klassik, Humor und Musik die erhoffte Resonanz erzielen wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/charismatischer-altstadtplatz-in-kassel-deutschland-33593192/ · Foto: Arlind D
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-bad-hersfelder-festspiele-zeigen-2027-jedermann-neufassung-shakespeare-komoedie-und-ein-singspiel-100.html