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Hans-Erhard Haverkampf tot: Ein Mann von selten gewordenen Tugenden
Schlagzeilen · 25.07.2026 16:59

Hans-Erhard Haverkampf tot: Ein Mann von selten gewordenen Tugenden

Kurz: Der ehemalige Frankfurter Baudezernent Hans-Erhard Haverkampf ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Ein Rückblick auf sein Wirken und seine politische Haltung.

Ein Architekt des modernen Frankfurts

Hans-Erhard Haverkampf, eine prägende Figur der Frankfurter Kommunalpolitik, ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Der Sozialdemokrat, der am 30. Juni verstarb, hinterlässt ein Erbe, das eng mit der baulichen und kulturellen Transformation Frankfurts in den 1980er Jahren verknüpft ist. Während seiner Zeit als Baudezernent fungierte er als einer der zentralen Akteure, die die Stadt von einem nüchternen Bankenzentrum in eine international beachtete Kulturmetropole verwandelten.

Vom Planer zum Baudezernenten

Nachdem Haverkampf 1975 nach Frankfurt gekommen war, übernahm er zunächst das Amt des Planungsdezernenten. Nach dem Machtwechsel im Jahr 1977, bei dem die CDU unter Walter Wallmann die Führung übernahm, blieb er als SPD-Mitglied im Magistrat, wechselte jedoch in das Baudezernat. Trotz der politischen Konstellation – das „Team Wallmann“ bestand aus starken, teils eitlen Persönlichkeiten wie dem Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann und dem Kämmerer Ernst Gerhardt – bewies Haverkampf strategisches Geschick. Die Akteure agierten trotz ihrer Unterschiede mit dem gemeinsamen Ziel, die Stadtentwicklung voranzutreiben, statt sich gegenseitig zu blockieren.

Das Museumsufer als Lebenswerk

Unter Haverkampfs Ägide entstanden zahlreiche öffentliche Bauprojekte, die das heutige Gesicht Frankfurts definieren. Dazu zählen:

* Die Fertigstellung der Alten Oper.

* Die Umgestaltung der Zeil zur Fußgängerzone.

* Der Bau zahlreicher Schulen.

* Die Realisierung des Museumsufer-Konzepts, darunter das Filmmuseum, das Architekturmuseum, die Schirn Kunsthalle sowie das Museum für Moderne Kunst.

* Der Wiederaufbau der Ostzeile am Römerberg.

Charakter und Arbeitsweise: Hartnäckigkeit als Tugend

Zeitzeugen beschreiben Haverkampf als einen Mann, der durch Sachorientierung, Penibilität und eine ausgeprägte Konfliktbereitschaft auffiel. Eine legendäre Anekdote über einen Streit mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Rudi Arndt in Warschau unterstreicht seine Beharrlichkeit: Als es um die Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt ging, widersprach Haverkampf seinem Parteifreund vehement, da er sich auf fundierte Archivunterlagen stützte.

Seine Autorität gründete sich auf seine Fähigkeit, Ergebnisse zu liefern. In Zusammenarbeit mit fähigen Verwaltungsmitarbeitern wie Roland Burgard, dem damaligen Abteilungsleiter für Kultur- und Sportbauten, wurden Projekte in einem Tempo umgesetzt, das aus heutiger Sicht bemerkenswert erscheint. Dabei galt Haverkampf intern als fordernd, gewährte seinen Mitarbeitern jedoch gleichzeitig große gestalterische Freiheiten.

Wirken in Berlin und der Ruhestand

Nachdem seine Frankfurter Amtszeit 1989 mit dem Wahlsieg der SPD endete, verlagerte Haverkampf seinen Wirkungskreis nach Berlin. Dort übernahm er als technischer Projektleiter Verantwortung für bedeutende Bauvorhaben, darunter das Bundeskanzleramt. Im Jahr 2003 übernahm er die Leitung für das Denkmal für die ermordeten Juden Europas und führte das damals in einer Krise steckende Projekt innerhalb von zwei Jahren zum Abschluss.

Mit seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2010 kehrte er nach Frankfurt zurück. In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich intensiv seinen künstlerischen Interessen und verfasste zahlreiche literarische Werke, darunter Romane, Essays und Drehbücher. Sein Tod markiert das Ende einer Ära, in der politisches Handeln durch eine hohe Bereitschaft zur Entscheidung und ein Denken über Ressortgrenzen hinweg geprägt war – Eigenschaften, die heute in der Kommunalpolitik als selten wahrgenommen werden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/geschaftsmann-mann-person-sitzung-5511639/ · Foto: Mike van Schoonderwalt
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/architektur/ehemaliger-frankfurter-baudezernent-haverkampf-gestorben-accg-201064860.html