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Halbjahresbericht: 1&1 verschlechtert Verträge, verliert 150.000 Kunden
Technik · 06.08.2026 21:46

Halbjahresbericht: 1&1 verschlechtert Verträge, verliert 150.000 Kunden

Kurz: 1&1 verzeichnet einen deutlichen Kundenschwund. Der Grund: Höhere Preise und weniger Datenvolumen. Zudem bleibt der Netzausbau hinter den Erwartungen zurück.

Strategische Neuausrichtung führt zu Kundenschwund

Der Telekommunikationsanbieter 1&1 hat im ersten Halbjahr 2026 einen herben Rückschlag bei der Kundenzahl hinnehmen müssen. Wie aus dem aktuellen Halbjahresbericht hervorgeht, verlor das Unternehmen rund 150.000 Mobilfunkverträge. Konzernchef Ralph Dommermuth begründet diesen Trend mit einer bewussten Anpassung der Tarifstruktur: Im Frühjahr wurde die Vermarktung besonders günstiger Angebote eingestellt. Gleichzeitig reduzierte das Unternehmen bei höherpreisigen Tarifen das inkludierte Datenvolumen. Allein im April 2026 verzeichnete der Konzern 100.000 Kündigungen.

Trotz des Kundenschwunds konnte 1&1 den Umsatz im ersten Halbjahr um 1,6 Prozent auf etwa 2,3 Milliarden Euro steigern. Der Service-Umsatz hingegen sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn von 1&1 brach aufgrund gestiegener Kosten um etwa 60 Prozent auf 30,5 Millionen Euro ein.

Investitionen in die Netzinfrastruktur stagnieren

Ein zentraler Punkt der Kritik ist das Investitionsverhalten von 1&1 beim Aufbau des eigenen Mobilfunknetzes. Finanzchef Carsten Theurer gab an, dass die Ausgaben für Sachanlagen – hierunter fallen die Investitionen in den Netzausbau – auf 283,6 Millionen Euro gesunken sind. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lagen diese noch bei 297 Millionen Euro. Branchenbeobachter werten dies als geringe Summe für ein Unternehmen, das sich im Prozess eines kompletten Netzaufbaus befindet, insbesondere im Vergleich zu den Milliardeninvestitionen der Deutschen Telekom.

Zudem fehlen im aktuellen Bericht detaillierte Angaben zu den erreichten Masten- und Antennenzahlen. Zum Jahreswechsel 2025/2026 waren nach früheren Angaben lediglich rund 2.000 Standorte aktiv. Ohne die Nutzung des National Roaming im Netz von Vodafone wäre 1&1 derzeit nicht in der Lage, seine Mobilfunkkunden flächendeckend zu bedienen.

Regulatorische Anforderungen und Ausblick

Die regulatorischen Ziele für den Netzausbau bleiben eine Herausforderung. Während 1&1 die Auflage, bis Ende 2025 mindestens 25 Prozent der deutschen Haushalte mit dem eigenen Netz zu erreichen, nach eigenen Angaben knapp übertroffen hat (27 bis 29 Prozent), bleibt die geografische Verteilung unausgewogen. Ein Großteil der Abdeckung lässt sich durch Antennen in dicht besiedelten Großstädten realisieren, während die ländliche Infrastruktur weiterhin fast vollständig auf das Roaming-Netz von Vodafone angewiesen ist. Bis Ende 2030 ist 1&1 verpflichtet, mindestens 50 Prozent der Haushalte in Deutschland mit eigener Technik zu versorgen.

In der Vergangenheit hatte 1&1 Ausbauauflagen deutlich verfehlt. Ein angestrebtes Bußgeldverfahren der Bundesnetzagentur in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro wurde jedoch eingestellt. Grund hierfür war ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln, das die Rechtswidrigkeit der Einflussnahme des damaligen Verkehrsministeriums unter Andreas Scheuer auf die Frequenzauktionsregeln von 2019 bestätigte.

Finanzlage der Muttergesellschaft United Internet

Die Muttergesellschaft United Internet zeigt sich finanziell robuster als die Tochter 1&1. Der Umsatz stieg um gut drei Prozent auf rund 3,1 Milliarden Euro, und die Zahl der Kundenverträge wuchs um 550.000 auf knapp 30,3 Millionen. Der Gewinn des Konzerns stieg um fast 23 Prozent auf 126,5 Millionen Euro. Dieser Anstieg ist jedoch maßgeblich auf steuerliche Vorteile zurückzuführen, die aus der Zusammenlegung des Telekommunikationsgeschäfts in die 1&1-Struktur und der Übernahme der Glasfasersparte 1&1 Versatel resultieren. Finanzchef Theurer bestätigte, dass die Anbindung an den Organkreis zu einer erheblichen Reduzierung der Steuerlast führt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/modernes-arbeitsumfeld-mit-programmier-laptop-und-kaffee-34803979/ · Foto: Daniil Komov
Quelle: https://www.golem.de/news/halbjahresbericht-1-1-verschlechtert-vertraege-verliert-150-000-kunden-2608-211691.html