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Grenzgang in Biedenkopf: Ginge es auch ohne Blackfacing?
Regional · 09.08.2026 12:54

Grenzgang in Biedenkopf: Ginge es auch ohne Blackfacing?

Kurz: Der Biedenkopfer Grenzgang steht erneut in der Kritik: Das traditionelle Blackfacing einer Hauptfigur sorgt für Debatten zwischen Traditionsbewusstsein und Rass

Ein Fest zwischen Identität und Kontroverse

Alle sieben Jahre verwandelt sich Biedenkopf in eine Bühne für eines der bedeutendsten Volksfeste der Region. Der Grenzgang, der auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblickt, mobilisiert bis zu 20.000 Menschen, die gemeinsam die Stadtgrenzen ablaufen und das Gemeinschaftsgefühl zelebrieren. Doch hinter der Fassade des traditionellen Brauchtums schwelt ein tiefgreifender Konflikt. Im Zentrum steht die Figur des sogenannten „M*hren“, die im Festzug mit schwarz geschminktem Gesicht auftritt.

Die Kritik am Blackfacing

Kritiker stören sich an der Praxis des Blackfacings. Historisch gesehen wurzelt diese Darstellung in den US-amerikanischen „Minstrel Shows“ des 18. und 19. Jahrhunderts, in denen Schwarze Menschen durch stereotype, abwertende Maskeraden verunglimpft wurden. Auch wenn die Biedenkopfer Akteure betonen, dass bei ihnen keine böse Absicht vorliege, sehen Experten hierin die Reproduktion rassistischer Denkmuster. Philipp Horstmeier, Historiker an der Universität Marburg, betont, dass Traditionen auch dann verletzend wirken können, wenn sie nicht als solche intendiert sind.

Ein Klima der Anspannung

Die Auseinandersetzung hat das soziale Gefüge in der Stadt spürbar belastet. Während eine Demonstration am Bahnhof Biedenkopf von auswärtigen Aktivisten organisiert wurde, berichten Einheimische von einem schwierigen Klima. Einige Bürger äußern anonym ihre Bedenken, fürchten jedoch soziale Sanktionen oder Anfeindungen innerhalb der Gemeinschaft. Das Argument „Das ist Tradition“ wird laut Berichten reflexhaft genutzt, um kritische Stimmen zum Verstummen zu bringen. Der Grenzgangsverein und lokale Amtsträger weisen den Vorwurf eines „Klimas der Angst“ jedoch entschieden zurück.

Die Position der Veranstalter

Der Grenzgangsverein und Bürgermeister Jochen Achenbach (CDU) verteidigen die Tradition. Für sie ist das Fest ein zentraler Ankerpunkt der lokalen Identität, besonders in einer Zeit, in der viele kulturelle Orte im ländlichen Raum verschwinden. Uwe Funk, Erster Vorsitzender des Vereins, äußert die Sorge, dass die Aufgabe einzelner Elemente das gesamte Festgefüge gefährden könnte. Man setze auf Vermittlung statt auf Verzicht. Zudem wird auf das Mehrheitsprinzip verwiesen: Solange die Mehrheit der Bevölkerung hinter der Tradition stehe, sei ein Festhalten daran demokratisch legitimiert.

Perspektiven für die Zukunft

Die Debatte in Biedenkopf ist kein Einzelfall. In anderen hessischen Kommunen, etwa in Fulda oder Ober-Mörlen, wurden ähnliche Praktiken nach öffentlichem Druck bereits eingestellt. Historiker Horstmeier plädiert dafür, den Grenzgang nicht auf eine einzige Figur zu reduzieren. Er sieht in der Modernisierung von Brauchtum einen langsamen, aber stetigen Prozess. Ob und wie sich die Biedenkopfer Tradition in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird, bleibt offen. Aktuell dominiert jedoch das Bedürfnis nach Beständigkeit und der Stolz auf das alle sieben Jahre stattfindende Ereignis.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/charmante-fachwerkstrasse-in-historischer-stadt-35759796/ · Foto: 0xd1ma
Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/grenzgang-in-biedenkopf-ginge-es-auch-ohne-blackfacing--v1,grenzgang-100.html