Ein tiefgreifender Umbau bei Google DeepMind
Google vollzieht eine signifikante Umstrukturierung in der Führungsebene seines KI-Forschungslabors Google DeepMind. Diese Entscheidung markiert einen Wendepunkt für das Unternehmen, das sich in einem intensiven Wettbewerb um die Vorherrschaft im Bereich der Künstlichen Intelligenz befindet. Demis Hassabis, der bisherige CEO von DeepMind, gibt seine operative Verantwortung ab. Er übernimmt künftig die Rolle des Vorsitzenden von Google DeepMind sowie die Position des Chief Scientist bei der Muttergesellschaft Alphabet.
Die operative Leitung des Labors geht in die Hände von Koray Kavukcuoglu über. Als bisheriger Technikchef und KI-Chefarchitekt übernimmt er eine zentrale Verantwortung: Er wird künftig direkt an Google-CEO Sundar Pichai berichten und die Entwicklung der Gemini-Modellreihe sowie die grundlegende Forschung an fortgeschrittener Künstlicher Intelligenz steuern.
Abgang einer prägenden Persönlichkeit
Neben der Neuordnung an der Spitze verliert Google mit Jeff Dean eine der einflussreichsten Persönlichkeiten seiner Unternehmensgeschichte. Dean, der als 30. Mitarbeiter des Konzerns maßgeblich die technische Infrastruktur der Google-Suche mitentwickelte und später Google Brain mitgründete, verlässt das Unternehmen. Zusammen mit drei weiteren hochrangigen KI-Experten gründet er das Start-up Discovery Loop. Google bleibt dem Projekt jedoch verbunden: Der Konzern tritt als Gründungsinvestor und Cloud-Partner für das neue Unternehmen auf.
Für Demis Hassabis bedeutet die neue Rolle eine stärkere Fokussierung auf übergeordnete Ziele. Er plant, gemeinsam mit Sundar Pichai an der Entwicklung einer künstlichen allgemeinen Intelligenz (AGI) zu arbeiten und die neue Führung von DeepMind beratend zu begleiten. Zudem will er sein Engagement bei Isomorphic Labs, seinem Unternehmen für KI-gestützte Medikamentenentwicklung, intensivieren. Hassabis, der 2014 mit der Übernahme von DeepMind zu Google kam, wurde 2024 für seine Arbeit an AlphaFold mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.
Interne Unsicherheit und strategischer Druck
Die personellen Veränderungen fallen in eine Phase, die von internen Spannungen und technologischem Erfolgsdruck geprägt ist. Berichten zufolge sorgt die Umstrukturierung innerhalb der Belegschaft für Verunsicherung. Viele Beschäftigte bei DeepMind äußern die Sorge, dass das Labor durch die engere Anbindung an die Konzernstrukturen an wissenschaftlicher Eigenständigkeit einbüßen könnte. Es besteht die Befürchtung, dass kommerzielle Interessen künftig stärker in den Vordergrund rücken als die reine Forschung.
Ein weiterer kritischer Punkt ist der Verlust an ethischer Orientierung. Beobachter und interne Stimmen fürchten, dass mit dem Rückzug von Hassabis aus dem Tagesgeschäft und dem Weggang von Jeff Dean zwei gewichtige moralische Instanzen an Einfluss verlieren. Dies könnte dazu führen, dass ethische Leitplanken bei der Entwicklung neuer KI-Systeme weniger stark gewichtet werden.
Herausforderungen bei der Gemini-Entwicklung
Der Konzern steht unter erheblichem Zugzwang. Die Gemini-Modelle, Googles Antwort auf die Konkurrenz, erreichen in verschiedenen Benchmarks derzeit nicht das Niveau der führenden Modelle von OpenAI oder Anthropic. Auch die Veröffentlichung des nächsten Modells, Gemini 3.5 Pro, lässt auf sich warten. Laut Branchenberichten ist diese Verzögerung teilweise auf eine gedrückte Stimmung innerhalb der Entwicklerteams zurückzuführen. Der Weggang prominenter Forscher, die sich in den vergangenen Monaten vermehrt der Konkurrenz angeschlossen haben, unterstreicht den Eindruck einer unruhigen Phase, in der Google versucht, seine technologische Führungsposition unter veränderten Vorzeichen zu behaupten.