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Google-Cloud-Chefin zu KI aus der EU: „Da gibt es im Moment viel Schwarzmalerei“
Technik · 04.08.2026 11:23

Google-Cloud-Chefin zu KI aus der EU: „Da gibt es im Moment viel Schwarzmalerei“

Kurz: Marianne Janik, Chefin von Google Cloud DACH, widerspricht der verbreiteten Skepsis gegenüber dem europäischen KI-Standort und sieht große Chancen in der Indust

Eine neue Perspektive auf den europäischen KI-Standort

Die Debatte um den technologischen Fortschritt in Europa ist derzeit von einer ausgeprägten Skepsis geprägt. Häufige Kritikpunkte von Start-ups und Branchenvertretern sind mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten, hohe Energiekosten für Rechenzentren und eine als belastend empfundene Überregulierung durch den EU AI Act. Marianne Janik, die seit Ende 2024 die Leitung von Google Cloud für die Regionen Deutschland, Österreich, Schweiz und Nordeuropa innehat, bewertet die aktuelle Lage jedoch deutlich optimistischer.

Im Gespräch betont Janik, dass die verbreitete Zurückhaltung teilweise wie eine „erlernte Hilflosigkeit“ wirke. Sie widerspricht der weit verbreiteten Schwarzmalerei und verweist auf die spezifischen Stärken des europäischen Marktes. Insbesondere Deutschland verfüge mit seinem tief verwurzelten Know-how in den Bereichen Maschinenbau und Elektrotechnik über exzellente Voraussetzungen, um im Bereich der „Physical AI“ – der KI-gestützten Robotik – eine führende Rolle einzunehmen.

Wettbewerb und Souveränität im Cloud-Markt

Ein zentrales Thema der Diskussion ist die Marktstellung der großen Hyperscaler. Google Cloud positioniert sich hierbei als Herausforderer von Marktführern wie AWS und Microsoft Azure. Janik unterstreicht die Notwendigkeit eines fairen Wettbewerbs und kritisiert Praktiken wie das „Bundling“, bei dem Kunden durch technische oder vertragliche Bindungen faktisch an einen Anbieter gebunden werden. Solche Strategien erschwerten den Wechsel zu anderen Anbietern und schränkten die Wahlfreiheit der Unternehmen ein.

Für Google Cloud sei eine offene Ausrichtung der Technologie essenziell. Janik plädiert für eine Multi-Cloud-Strategie als zukunftsweisendes Modell. In Bezug auf die regulatorischen Anforderungen der EU betont sie, dass Transparenz der Schlüssel sei. Es gehe darum, Souveränität technisch und juristisch fundiert umzusetzen, statt lediglich durch „Sovereign Washing“ den Anschein von Unabhängigkeit zu erwecken. Nur so könne der Gesetzgeber fundierte Entscheidungen treffen, die sowohl den Datenschutz als auch den Wettbewerb wahren.

Nachfrage als Treiber der Infrastruktur

Angesichts der massiven Investitionen in KI-Rechenzentren stellt sich für viele Marktbeobachter die Frage nach der Refinanzierbarkeit. Kritiker hinterfragen, ob der enorme Ausbau der Infrastruktur in einem gesunden Verhältnis zum tatsächlichen Ertrag steht. Janik entgegnet, dass der aktuelle Ausbau primär durch eine reale und hohe Nachfrage getrieben sei. Die Nutzung von Google Cloud durch Unternehmen wie die Deutsche Bank, Kärcher oder die Bundeswehr belege den Bedarf an skalierbaren Lösungen.

Dennoch zeichne sich ein Reifeprozess ab. Unternehmen lernen zunehmend, effizienter mit Ressourcen umzugehen, etwa durch einen sparsameren Einsatz von Tokens. Dieser technologische Lernprozess betreffe den gesamten Stack – von der Hardwareebene der Chips bis hin zu den KI-Modellen. Google Cloud verfolge hierbei einen Full-Stack-Ansatz, der darauf abziele, ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten, ohne den Kunden in ein geschlossenes System zu zwingen. Die Offenheit der Systeme bleibt für Janik die Grundvoraussetzung für nachhaltigen Fortschritt.

Ausblick auf die industrielle Anwendung

Die Einordnung von Janik deutet darauf hin, dass die technologische Entwicklung in Europa weniger durch abstrakte regulatorische Hürden als vielmehr durch die praktische Anwendung in der Industrie definiert werden könnte. Die Verknüpfung von klassischer Ingenieurskunst mit moderner KI-Infrastruktur bietet laut der Google-Cloud-Managerin ein erhebliches Potenzial, das bisher nicht voll ausgeschöpft wurde. Die nächsten Schritte für Unternehmen liegen demnach in der strategischen Entscheidung, wie sie ihre Cloud-Umgebungen gestalten, um sowohl von globaler Skalierbarkeit als auch von lokaler Souveränität zu profitieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahme-eines-datenserver-racks-fur-die-it-infrastruktur-37605913/ · Foto: panumas nikhomkhai
Quelle: https://www.heise.de/hintergrund/Google-Cloud-Chefin-zu-KI-aus-der-EU-Da-gibt-es-im-Moment-viel-Schwarzmalerei-11395686.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag