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Gisela Schmalz über den Fetisch Intelligenz: »Wir sollten uns auf das Menschsein besinnen!«
Technik · 01.08.2026 17:58

Gisela Schmalz über den Fetisch Intelligenz: »Wir sollten uns auf das Menschsein besinnen!«

Kurz: Die Philosophin Gisela Schmalz kritisiert den aktuellen Hype um künstliche Intelligenz und warnt vor einer einseitigen Definition von menschlicher Begabung.

Die Fixierung auf künstliche Intelligenz

In einer Zeit, in der technologische Fortschritte die öffentliche Debatte dominieren, scheint ein Begriff allgegenwärtig: Intelligenz. Während die Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) rasant voranschreitet und in vielen Bereichen als Maßstab für Fortschritt gilt, stellt sich eine grundlegende philosophische Frage. Die Philosophin Gisela Schmalz weist darauf hin, dass wir zwar intensiv über die Fähigkeiten von Maschinen diskutieren, jedoch kaum eine präzise Vorstellung davon haben, was menschliche Intelligenz eigentlich ausmacht.

Dieser Diskurs findet nicht nur in Fachkreisen statt, sondern hat längst den Alltag erreicht. Viele Eltern hegen den Wunsch, ihre Kinder in Richtung einer gesteigerten intellektuellen Leistungsfähigkeit zu fördern, getrieben von der Sorge, in einer zunehmend technisierten Welt den Anschluss zu verlieren. Doch dieser Fokus auf messbare Intelligenz könnte eine gefährliche Verengung darstellen.

Der Mythos der messbaren Begabung

Laut Schmalz neigen wir dazu, Intelligenz eine Art Zauberkraft zuzuschreiben. Wir behandeln sie wie eine isolierte Eigenschaft, die es zu optimieren gilt. Dabei wird jedoch häufig übersehen, dass menschliche Begabung weit komplexer ist als das bloße Lösen von logischen Aufgaben oder die Verarbeitung von Datenmengen.

Die Kritik der Philosophin setzt genau hier an: Durch die Fokussierung auf rein kognitive Leistungen laufen wir Gefahr, wesentliche menschliche Qualitäten zu vernachlässigen. Zu diesen oft unterschätzten Fähigkeiten zählen insbesondere:

* **Fantasie:** Die Fähigkeit, über das Gegebene hinauszudenken und neue Konzepte zu entwerfen.

* **Intuition:** Das intuitive Verständnis für komplexe, emotionale und soziale Zusammenhänge, das sich nicht in Algorithmen fassen lässt.

Die Folgen einer einseitigen Sichtweise

Wenn wir menschliche Intelligenz lediglich nach dem Vorbild von Maschinen definieren, reduzieren wir das Individuum auf seine Rechenleistung. Diese Perspektive ist aus philosophischer Sicht problematisch. Wenn wir den Wert eines Menschen primär an seiner intellektuellen Effizienz messen, verlieren wir den Blick für die Ganzheitlichkeit menschlicher Existenz.

Die Sorge besteht darin, dass wir durch diesen "Fetisch Intelligenz" die menschliche Einzigartigkeit entwerten. Während Maschinen in der Lage sind, Muster zu erkennen und Daten zu verarbeiten, bleibt die menschliche Fähigkeit zur Sinnstiftung, zum empathischen Handeln und zum kreativen Schaffen ein Bereich, der sich einer rein technischen Definition entzieht.

Rückbesinnung auf das Menschsein

Die aktuelle Entwicklung fordert ein Umdenken. Anstatt zu versuchen, menschliche Fähigkeiten krampfhaft an die Logik von Maschinen anzupassen, plädiert Schmalz für eine Rückbesinnung auf das, was den Menschen ausmacht. Die Einordnung legt nahe, dass der nächste Schritt in dieser Debatte darin bestehen muss, den Begriff der Intelligenz zu erweitern.

Statt einer rein leistungsorientierten Sichtweise könnte ein breiteres Verständnis von Begabung helfen, die menschliche Kreativität und emotionale Intelligenz wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Dies ist ein Plädoyer dafür, den Wert des Menschen nicht an seiner Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Maschine zu bemessen, sondern an seiner Fähigkeit, in einer komplexen Welt menschlich zu agieren.

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist essenziell, um nicht in einer technokratischen Sackgasse zu landen. Die Herausforderung für die Zukunft liegt darin, die technologische Entwicklung zu nutzen, ohne dabei die menschliche Essenz aus den Augen zu verlieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fashion-mode-mann-menschen-8875494/ · Foto: cottonbro studio
Quelle: https://www.spiegel.de/kultur/gisela-schmalz-ueber-den-fetisch-intelligenz-wir-sollten-uns-auf-das-menschsein-besinnen-a-88565a11-a1bc-486f-bbdc-aea5358aae0a#ref=rss