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Gewerkschaft DJU warnt: Angriffe auf Reporter bei Veranstaltungen der AfD
Kultur · 03.09.2026 14:42

Gewerkschaft DJU warnt: Angriffe auf Reporter bei Veranstaltungen der AfD

Kurz: Die Gewerkschaft dju warnt vor zunehmender Gewalt gegen Journalisten bei AfD-Wahlkampfveranstaltungen in Sachsen-Anhalt. 30 Vorfälle wurden in drei Monaten gezä

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Im Zuge des laufenden Wahlkampfes in Sachsen-Anhalt sieht sich die Pressefreiheit einer zunehmenden Bedrohung ausgesetzt. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), die als Fachgewerkschaft unter dem Dach von Verdi agiert, schlägt nun offiziell Alarm. In den vergangenen drei Monaten wurden im Umfeld von Wahlkampfveranstaltungen der AfD insgesamt 30 gezielte Angriffe auf Medienvertreter dokumentiert. Diese Vorfälle reichen von verbalen Attacken und Einschüchterungen bis hin zu physischen Übergriffen. Die Gewerkschaft betont, dass es sich hierbei keineswegs um isolierte Einzelfälle handelt, sondern um ein systematisches Muster, das die freie Berichterstattung massiv einschränkt. Besonders kritisch bewertet die dju das Verhalten der vor Ort anwesenden Polizeikräfte, denen eine passive Haltung und teilweise Überforderung vorgeworfen wird. Die Situation hat sich nach Einschätzung der Gewerkschaft in den letzten Wochen drastisch zugespitzt, was die Sorge um die Sicherheit von Journalisten im Land deutlich erhöht hat.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Vorfälle

Die von der dju erhobenen Daten zeichnen ein düsteres Bild der aktuellen Lage. Seit Anfang Mai wurden insgesamt 47 Journalisten, Fernsehteams sowie politische Influencer Opfer von Behinderungen oder Angriffen. Allein in den letzten drei Wochen vor der Berichterstattung wurden 25 dieser Vorfälle registriert. Ein prominentes Beispiel für die Eskalation ist der Youtuber Matthäus Westfal, der unter dem Pseudonym „Aktivist Mann“ auftritt. Bei einer Veranstaltung in Merseburg wurde dokumentiert, wie er ein Fernsehteam lautstark beleidigte und einen Reporter von „Spiegel TV“ bei dessen Arbeit aktiv anrempelte. Ein weiterer schwerwiegender Vorfall ereignete sich Ende August in Lützen. Dort wurde die britische Korrespondentin Anne McElvoy, die für das Magazin „Politico“ arbeitet, von einem Sicherheitsbeamten am Arm gepackt und gegen eine Bordsteinkante gestoßen. Die dju berichtet zudem, dass Polizeibeamte nach diesem Übergriff von der Journalistin die Löschung ihres Bildmaterials verlangten. Neben physischen Attacken beklagen die Betroffenen Doxing, Stalking sowie die Veröffentlichung privater Daten im Netz, was die persönliche Sicherheit der Journalisten massiv gefährdet.

Hintergrund – Vorgeschichte und bisheriger Verlauf

Die aktuelle Entwicklung stellt eine deutliche Verschärfung gegenüber den Vorjahren dar. Lucas Munzke, der als stellvertretender Verdi-Landesbezirksfachbereichsleiter für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fungiert, verweist auf eine Statistik der NGO „Reporter ohne Grenzen“. Demnach wurden im gesamten Jahr 2025 in Sachsen-Anhalt lediglich fünf Fälle von Behinderungen der Pressearbeit verzeichnet. Die nun dokumentierten 30 Vorfälle innerhalb von nur drei Monaten verdeutlichen, wie brisant die Lage im aktuellen Wahljahr 2026 ist. Die dju beobachtet die Situation kontinuierlich seit Anfang Mai und stellt fest, dass die Intensität der Anfeindungen stetig zunimmt. Die Eskalation geht dabei laut Gewerkschaft vor allem von rechten bis rechtsextremen Streamern und Medienaktivisten aus, die sich gezielt auf Veranstaltungen bewegen, um Journalisten zu bedrängen, zu diffamieren oder feindselige Sprechchöre gegen sie zu initiieren. Diese Dynamik hat sich als ein festes Element des Wahlkampfes etabliert, das die Arbeit der Medien zunehmend unmöglich macht.

Die Beteiligten – Wer entscheidet und wer sich äußert

Die Hauptakteure in diesem Konflikt sind auf der einen Seite die Medienschaffenden, die von der dju vertreten werden, und auf der anderen Seite die AfD sowie ihr nahestehende Akteure. Lucas Munzke von Verdi fungiert als zentraler Sprecher der Gewerkschaft und fordert eine konsequente Aufarbeitung durch das Innenministerium von Sachsen-Anhalt. Er kritisiert die Polizei scharf für ihre mangelnde Schutzbereitschaft gegenüber der Presse. Auf der Gegenseite steht die AfD, deren stellvertretender Landesvorsitzender Hans-Thomas Tillschneider namentlich genannt wird. Ihm wird vorgeworfen, nach kritischen Fragen von Medienvertretern – etwa vom TV-Team der „Bild“ oder der Chefredakteurin der Funke-Zentralredaktion – die Veröffentlichung von Bild- und Tonmaterial aktiv unterbinden zu wollen. Auch Sicherheitsdienste bei den Veranstaltungen spielen eine aktive Rolle, wie der Fall der Korrespondentin Anne McElvoy zeigt, bei dem ein Sicherheitsmitarbeiter handgreiflich wurde und die Polizei anschließend eine Täter-Opfer-Umkehr vollzog.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist die aktuelle Situation als ein massiver Angriff auf die demokratische Grundordnung. Die dju bewertet die AfD als eine dezidiert medienfeindliche Partei, die nicht nur den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bekämpft, sondern auch die unabhängige Berichterstattung auf Parteitagen und im Wahlkampf systematisch behindert. Den Berichten zufolge ist die verfassungsrechtliche Schutzpflicht für Medienschaffende in Sachsen-Anhalt derzeit nicht gewährleistet. Die Gewerkschaft wirft der Polizei vor, in vielen Fällen eher als Hilfsorgan parteinaher Sicherheitsdienste zu agieren, statt die Pressefreiheit zu verteidigen. Dass im Fall der Journalistin McElvoy sogar die Löschung von Beweismaterial durch die Polizei erzwungen wurde, bezeichnet Munzke als an Absurdität nicht zu übertreffende Täter-Opfer-Umkehr. Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Pressefreiheit im Wahlkampf von Sachsen-Anhalt nicht mehr als gesichert gilt, da die staatlichen Organe ihrer Schutzfunktion gegenüber Journalisten bei AfD-Veranstaltungen mehrheitlich nicht nachkommen.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Trotz der detaillierten Dokumentation der Vorfälle bleiben einige Fragen unbeantwortet. Der Quelltext enthält keine Informationen darüber, ob das Innenministerium von Sachsen-Anhalt bereits auf die Forderungen der dju reagiert hat oder ob es interne Untersuchungen zu den Vorwürfen gegen die Polizeibeamten gibt. Auch bleibt unklar, ob die betroffenen Journalisten rechtliche Schritte gegen die Angreifer oder die beteiligten Sicherheitsdienste eingeleitet haben. Zudem fehlen Angaben dazu, ob es seitens der AfD-Parteiführung eine offizielle Stellungnahme zu den Vorfällen oder eine Distanzierung von den „Medienaktivisten“ gibt, die auf ihren Veranstaltungen agieren. Die genaue rechtliche Bewertung der Polizeieinsätze – insbesondere der erzwungenen Löschung von Bildmaterial – wird im Text nicht weiter ausgeführt. Es bleibt offen, welche konkreten Konsequenzen die dju ziehen wird, sollte die geforderte Aufarbeitung durch das Ministerium ausbleiben oder keine Besserung der Sicherheitslage für Journalisten in den kommenden Wochen eintreten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/strasse-burgersteig-gehweg-auto-11045358/ · Foto: Valeria Boltneva
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/wahl-sachsen-anhalt-2026-angriffe-auf-reporter-bei-afd-treffs-accg-201187858.html