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game-Geschäftsführer Felix Falk: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“
Technik · 25.08.2026 08:40

game-Geschäftsführer Felix Falk: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“

Kurz: Bundespräsident Steinmeier eröffnet den Gamescom Congress. Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbands game, spricht über Demokratie, Krisen und die Branch

Ein historischer Moment für die deutsche Videospielkultur

Die Gamescom, die als weltweit größte Veranstaltung für Videospiele gilt, erreicht in diesem Jahr einen bedeutenden Meilenstein in ihrer Geschichte. Am 27. August eröffnet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den begleitenden Gamescom Congress in Köln. Dieser Besuch stellt ein Novum dar, da noch nie zuvor ein deutsches Staatsoberhaupt die Messe persönlich gewürdigt hat. Die Anwesenheit des Bundespräsidenten bei dem Fachkongress, der parallel zum Messebetrieb stattfindet, unterstreicht die wachsende gesellschaftliche und politische Relevanz des Mediums Videospiel. Der diesjährige Kongress steht unter dem Leitthema „Spielfeld Demokratie“. Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbands game, der die Messe gemeinsam mit der Koelnmesse ausrichtet, wertet diesen Besuch als ein deutliches Zeichen für die Anerkennung der Branche. Lange Zeit kämpften Videospiele in Deutschland mit einem negativen Image, das von Vorurteilen und gesellschaftlicher Skepsis geprägt war. Dass nun das höchste Amt im Staat die Bedeutung von Games für Kultur, Bildung und Wirtschaft unterstreicht, markiert das Ende einer langen Phase der Stigmatisierung und den Beginn einer neuen Ära der Wertschätzung.

Die Details zum Kongress und den Akteuren

Der Gamescom Congress fungiert als zentrale Plattform für den Austausch über die vielfältigen Potenziale digitaler Spiele. In diesem Jahr liegt der Fokus explizit auf der Schnittstelle zwischen Gaming und demokratischen Werten. Felix Falk betont, dass die Entscheidung für diesen Schwerpunkt nicht zufällig fiel, sondern direkt mit den Interessen des Bundespräsidenten korrespondiert. Die Vorbereitungen für diesen Besuch umfassten zahlreiche Gespräche, in denen die technologische, wirtschaftliche und vor allem gesellschaftspolitische Kraft von Games herausgearbeitet wurde. Die Veranstaltung selbst dient dazu, die Brücke zwischen der Unterhaltungsindustrie und gesellschaftlich relevanten Themen wie Bildung und politischer Teilhabe zu schlagen. Der Verband game, vertreten durch Felix Falk, fungiert hierbei als Bindeglied zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Branche und dem öffentlichen Diskurs. Die Messe in Köln ist dabei nicht nur ein Schauplatz für neue Produkte, sondern ein Ort, an dem die Zukunft der digitalen Interaktion verhandelt wird, wobei der Kongress den intellektuellen Unterbau für diese Entwicklung liefert.

Der lange Weg zur gesellschaftlichen Anerkennung

Die Wahrnehmung von Videospielen in Deutschland hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Noch vor nicht allzu langer Zeit waren Begriffe wie „Killerspiele“ in der politischen Debatte präsent und prägten ein Bild, das Videospiele als Sorgenkind der Gesellschaft darstellte. Laut Felix Falk ist dieser Prozess der Stigmatisierung heute weitgehend überwunden. Deutschland habe zwar länger gebraucht als andere Nationen, um diesen Wandel zu vollziehen, doch die demografische Realität sei mittlerweile unumstößlich: Sechs von zehn Deutschen spielen heute regelmäßig Videospiele, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Diese Normalisierung ist das Ergebnis einer kontinuierlichen Arbeit, an der die Gamescom maßgeblich beteiligt war. Durch den direkten Kontakt zwischen Entwicklern, Spielern und Entscheidungsträgern konnten Missverständnisse abgebaut werden. Falk lehnt den Begriff der „Legitimation“ jedoch ab, da eine Millionen-Fanbasis nie eine externe Bestätigung benötigt habe, um ihre Leidenschaft zu rechtfertigen. Der Lerneffekt habe vielmehr aufseiten der Politik und der traditionellen Medien stattgefunden, die nun beginnen, die kulturelle Tiefe des Mediums zu begreifen.

Gamer als Stütze der demokratischen Institutionen

Ein zentraler Aspekt der Einordnung von Videospielen in den demokratischen Kontext ist die politische Einstellung der Spielerschaft. Eine Studie der Bertelsmannstiftung liefert hierzu interessante Daten: Demnach zeigen Gamer eine überdurchschnittlich hohe Affinität zu demokratischen Institutionen im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt. Sie engagieren sich häufiger in Form von Spenden oder durch die Teilnahme an Unterschriftenaktionen. Diese Erkenntnis widerspricht alten Klischees von einer isolierten oder politikverdrossenen Community. Games bieten laut Falk ein immersives und interaktives Umfeld, das es ermöglicht, komplexe gesellschaftliche Fragen glaubwürdig zu thematisieren. Spiele wie „This War of Mine“ oder „Through the Darkest of Times“ dienen hierbei als prominente Beispiele, wie das Medium über reine Unterhaltung hinausgeht und Empathie sowie kritisches Denken fördert. Die Interaktivität und das soziale Miteinander in den Communities sind dabei die entscheidenden Faktoren, die Spiele von passiven Medien wie Film oder Literatur unterscheiden und sie zu einem wertvollen Werkzeug für die politische Bildung machen.

Die wirtschaftliche Lage und der Konsolidierungsdruck

Obwohl die Gamescom-Fläche in diesem Jahr erstmals komplett ausverkauft ist, bleibt die wirtschaftliche Situation der Branche angespannt. Die vergangenen drei Jahre waren durch eine Phase der Konsolidierung geprägt, die auf das enorme Wachstum während der Corona-Pandemie folgte. Weltweit mussten große Spielefirmen Stellenstreichungen vornehmen, um dem wirtschaftlichen Druck standzuhalten. In Deutschland fiel dieser Prozess laut Falk etwas glimpflicher aus, was er unter anderem auf die 2020 eingeführte staatliche Games-Förderung zurückführt. Dennoch ist die Branche weit davon entfernt, sich in einer Phase des unbeschwerten Wachstums zu befinden. Die Unternehmen stehen vor der Herausforderung, trotz hoher Kosten und eines schwierigen Marktumfelds innovativ zu bleiben. Die Branche blickt jedoch nach vorne, statt sich auf alten Erfolgen auszuruhen. Die geplante steuerliche Förderung, wie sie im Koalitionsvertrag verankert wurde, soll die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben und den bestehenden Rückstand durch eigene Kraft aufzuholen.

Die klare Haltung gegenüber politischen Akteuren

Ein wiederkehrendes Thema im Umfeld der Gamescom ist die politische Ausrichtung der Messeveranstalter. Die Veranstalter, bestehend aus der Koelnmesse und dem Verband game, haben eine klare Grenze gezogen: Die AfD wird nicht zu den Veranstaltungen eingeladen. Diese Entscheidung begründet Falk mit dem Selbstverständnis der Branche, das auf Rechtsstaatlichkeit, demokratischen Werten, Diversität und einer offenen Gesellschaft basiert. Da die politische Ausrichtung der AfD diesen Werten widerspreche, sei eine Einladung ausgeschlossen. Diese „Brandmauer“ ist keine kurzfristige Reaktion, sondern eine langjährige Praxis des Verbands. Falk betont, dass diese Haltung konsequent beibehalten wird, da die Games-Branche sich als Teil einer weltoffenen Kultur versteht, die diese Werte aktiv verteidigt. Diese Positionierung ist ein wesentlicher Bestandteil des Selbstbildnisses der Gamescom als ein Ort, an dem Vielfalt und Austausch im Vordergrund stehen, was durch die Einladung des Bundespräsidenten eine zusätzliche symbolische Stärkung erfährt.

Herausforderungen durch Hardware-Preise und Marktentwicklungen

Neben den strukturellen Problemen der Branche belastet auch die Hardware-Situation die Konsumenten. Die Preise für Speicherkomponenten sind gestiegen, was sich direkt auf die Kosten für Konsolen wie die Playstation 5 oder die Xbox Series X/S auswirkt. Felix Falk räumt ein, dass dies eine Herausforderung darstellt, da das Wachstum in diesem Segment derzeit schwieriger zu erzielen ist. Zudem ist die aktuelle Konsolengeneration bereits einige Jahre auf dem Markt, was die Dynamik beeinflusst. Dennoch sieht Falk keinen Grund für eine pessimistische Prognose hinsichtlich der Zukunft des Hobbys Gaming. Die Branche setzt verstärkt auf Diversifizierung: Cloud-Gaming und der Mobile-Bereich bieten Alternativen, die den Besitz teurer Hardware teilweise überflüssig machen. Die Speicherpreise sind somit zwar ein relevanter Faktor für die kurzfristige wirtschaftliche Entwicklung, entscheiden jedoch nicht allein über die langfristige Zukunft des Gamings. Die Branche setzt auf technologische Innovationen und neue Geschäftsmodelle, um den Zugang zu Spielen auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zu gewährleisten.

Offene Fragen zur Zukunft der Branche

Trotz der positiven Signale durch den Besuch des Bundespräsidenten und die ausverkaufte Messe bleiben einige Fragen offen. Der Quelltext beleuchtet zwar die politische und gesellschaftliche Bedeutung von Games, lässt jedoch konkrete Details zur Umsetzung der steuerlichen Förderung vermissen, die für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Entwickler entscheidend ist. Ebenso bleibt unklar, wie die Branche langfristig mit dem globalen Konsolidierungsdruck umgehen wird, wenn die staatlichen Förderungen auslaufen oder nicht in dem Maße greifen wie erhofft. Die Frage, inwieweit die „Spielfeld Demokratie“-Initiative über die Messe hinaus nachhaltige Auswirkungen auf die politische Bildung hat, wird ebenfalls nicht abschließend beantwortet. Auch die langfristige Entwicklung der Hardware-Preise und deren Einfluss auf die soziale Teilhabe am Gaming-Hobby bleibt eine Variable, die von der Branche nur bedingt beeinflusst werden kann. Der Fokus des Gesprächs lag primär auf der Einordnung der aktuellen Situation, während die konkrete strategische Ausrichtung für die kommenden Jahre noch Raum für weitere Diskussionen und politische Entscheidungen lässt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-sitzung-sitzen-spielen-9071745/ · Foto: Yan Krukau
Quelle: https://www.heise.de/hintergrund/Politik-und-Gamescom-Die-vielen-Missverstaendnisse-hinter-uns-gelassen-11415788.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag