Ein bedeutender Verlust für die Frankfurter Kulturszene
Die Stadt Frankfurt am Main trauert um eine ihrer prägenden Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte. Wie die Stadtverwaltung am Montag offiziell bekannt gab, ist der ehemalige Kulturdezernent Felix Semmelroth im Alter von 76 Jahren verstorben. Semmelroth, der von 2006 bis 2016 die kulturellen Geschicke der Mainmetropole leitete, hinterlässt eine tiefe Lücke in der lokalen Politik und im öffentlichen Leben. Sein Wirken war eng mit dem Anspruch verbunden, das Motto „Kultur für alle“ nicht nur als leere Phrase zu führen, sondern aktiv mit Leben zu füllen. Über zehn Jahre hinweg gestaltete er die institutionelle Landschaft Frankfurts maßgeblich mit und setzte sich für eine lebendige, diskursfreudige Stadtgesellschaft ein. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Dezernat blieb er eine einflussreiche Stimme, insbesondere durch sein Engagement im Kampf gegen Antisemitismus. Sein Tod markiert das Ende eines Lebensweges, der von intellektuellem Anspruch, politischem Gestaltungswillen und einer tiefen Überzeugung für die Freiheit der Künste geprägt war. Die Nachricht von seinem Ableben löste parteiübergreifend Bestürzung aus, da Semmelroth als eine Figur galt, die Kulturpolitik stets als essenziellen Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft verstand.
Stationen eines bewegten Lebens und Wirkens
Felix Semmelroth wurde am 30. August 1949 in Kassel geboren. Sein akademischer Werdegang war breit gefächert: Er studierte Anglistik, Literaturwissenschaft sowie Politikwissenschaft. Vor seiner politischen Karriere war er beruflich bei Radio Bremen tätig und leistete wissenschaftliche Arbeit an der Technischen Hochschule Darmstadt, wo er ab 1998 als Honorarprofessor für englische Literaturwissenschaft lehrte. Sein Einstieg in die Frankfurter Stadtpolitik erfolgte im Jahr 1989, als er vom damaligen Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann als Referent für Literatur und Grundsatzfragen in das Dezernat geholt wurde. Nach einem Wechsel in das Büro der damaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth im Jahr 1996, wo er erst als Referent und später als Büroleiter fungierte, stieg er 2006 zum Kulturdezernenten auf. Dieser Aufstieg war von einem politischen Wechsel begleitet, da er zuvor von der SPD zur CDU gewechselt war. Sein Wirken als Dezernent war geprägt von zahlreichen Bauprojekten, darunter die Erweiterung des Jüdischen Museums und der Neubau des Historischen Museums. Auch das Romantikmuseum und die Unterstützung der Frankfurter Volksbühne fielen in seine Amtszeit, wobei er stets den Spagat zwischen ambitionierten Zielen und den finanziellen Realitäten der Stadt meistern musste.
Der Abschied aus dem Amt und die politische Zäsur
Das Ende der Amtszeit von Felix Semmelroth im Jahr 2016 war von einer politischen Zäsur im Frankfurter Römer begleitet. Nach dem Zerbrechen der schwarz-grünen Koalition kam es zu einer Neuverteilung der Dezernate, in deren Zuge die CDU das Kulturressort an die SPD abgab. Für Semmelroth bedeutete dies den vorzeitigen Rücktritt. In späteren Interviews ließ er keinen Zweifel daran, dass dieser Schritt nicht freiwillig erfolgte und er ihn „durchaus im Zorn“ vollzog. Besonders verärgert zeigte er sich darüber, dass seine Partei die aus seiner Sicht gestaltungsmächtigsten Dezernate – Kultur und Planung – ohne nennenswerten Kampf preisgab. Trotz dieser Enttäuschung zog sich Semmelroth keineswegs aus dem öffentlichen Leben zurück. Er blieb bis zu einer schweren Erkrankung aktiv und übernahm neue gesellschaftliche Verantwortung. So wurde er 2018 zum ersten Antisemitismusbeauftragten der hessischen Landesregierung berufen, eine Funktion, in der er maßgebliche Strukturen schuf. Sein späteres Wirken unterstreicht, dass er seine Rolle als Kulturpolitiker stets als Teil eines größeren gesellschaftlichen Auftrags verstand, der weit über die Verwaltung von Museen und Theatern hinausging.
Würdigungen durch politische Weggefährten
Die Reaktionen auf den Tod von Felix Semmelroth zeigen die Wertschätzung, die ihm über die Parteigrenzen hinweg entgegengebracht wurde. Der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) würdigte Semmelroths enge Bindung zur Stadt. In einer Mitteilung betonte Josef, dass es Semmelroth besonders wichtig gewesen sei, dass Frankfurt nicht nur bauliche Akzente setze, sondern vor allem Programm und Persönlichkeit entwickle. Er habe eine enge Zusammenarbeit mit Künstlern, Intendanten und Museumsdirektoren gepflegt, die das kulturelle Gesicht der Stadt nachhaltig prägten. Auch die amtierende Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hob seine Beharrlichkeit und Diskussionsfreude hervor. Sie erinnerte insbesondere an die Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises an Judith Butler im Jahr 2024, bei der Semmelroth trotz massiver öffentlicher Kontroversen an der Ehrung festhielt – ein Akt, den Hartwig als Beleg für sein Verständnis von Frankfurt als Ort der freien Debatte wertete. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) unterstrich zudem die Bedeutung von Semmelroths Arbeit als Antisemitismusbeauftragter. Rhein betonte, dass Semmelroth das neu geschaffene Amt maßgeblich geprägt und die Notwendigkeit des Schutzes jüdischen Lebens in Hessen als dauerhafte Aufgabe fest verankert habe.
Kulturelles Verständnis und gesellschaftliche Einordnung
Einzuordnen ist das Wirken von Felix Semmelroth als eine Ära, in der die ästhetische Bildung und die Autonomie der Kunst in Frankfurt einen hohen Stellenwert genossen. Den Berichten zufolge betrachtete er Kultur niemals als bloßes Instrument für andere Zwecke, sondern als einen eigenständigen Wert, der für eine offene Gesellschaft unverzichtbar ist. Seine Überzeugung, dass kulturelle Institutionen eine besondere Rolle für das städtische Zusammenleben spielen, leitete sein gesamtes Handeln. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Dezernat blieb er dieser Haltung treu. Sein Engagement für die Erinnerungskultur und gegen Antisemitismus wird von Beobachtern als logische Fortsetzung seiner kulturpolitischen Arbeit gesehen. Er vertrat die Auffassung, dass Bildung und eine offene Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit seien, sondern durch ständiges Bemühen verteidigt werden müssten. Diese Haltung machte ihn zu einem streitbaren, aber stets prinzipientreuen Akteur, der die kulturelle Identität Frankfurts über Jahre hinweg maßgeblich mitbestimmte und dabei auch vor kontroversen Debatten nicht zurückschreckte.
Offene Fragen und der Blick in die Zukunft
Obwohl die Verdienste von Felix Semmelroth in den offiziellen Nachrufen gewürdigt werden, bleiben einige Aspekte seines Wirkens und Lebens im Kontext des vorliegenden Berichts unbeantwortet. So wird etwa nicht detailliert darauf eingegangen, welche spezifischen gesundheitlichen Umstände zu seinem Rückzug aus der aktiven Tätigkeit nach 2019 führten. Auch die internen Prozesse innerhalb der CDU während der Koalitionsverhandlungen 2016, die zu seinem Rücktritt führten, werden nur aus seiner persönlichen, zornigen Sicht beleuchtet, ohne die Perspektive der Parteiführung zu nennen. Ebenso bleibt offen, welche konkreten Nachfolgeprojekte für seine Arbeit als Antisemitismusbeauftragter geplant sind, da der Text lediglich den Status quo und die Bedeutung des Amtes beschreibt. Wie die Stadt Frankfurt oder die Landesregierung in den kommenden Tagen offiziell gedenken werden, etwa durch Trauerfeiern oder Kondolenzbücher, ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Die Nachricht konzentriert sich primär auf die historische Einordnung seines Lebenswerks und die Würdigung durch aktuelle politische Entscheidungsträger, lässt jedoch Fragen zur persönlichen Lebensführung oder zu privaten Details bewusst aus, was dem journalistischen Fokus auf sein öffentliches Wirken entspricht.