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Förderprogramm läuft aus: Sprach-Kitas in Hessen bangen um ihre Zukunft
Technik · 24.07.2026 19:10

Förderprogramm läuft aus: Sprach-Kitas in Hessen bangen um ihre Zukunft

Kurz: Das Ende des Förderprogramms für Sprach-Kitas in Hessen sorgt für Unruhe. Erzieherinnen fürchten den Wegfall wichtiger Ressourcen für die frühkindliche Bildung.

Unsicherheit in hessischen Kindertagesstätten

Die hessische Landesregierung plant eine grundlegende Neuausrichtung der Sprachförderung in Kindertagesstätten. Während offizielle Stellen von einer strukturellen Verbesserung sprechen, herrscht in den betroffenen Einrichtungen große Sorge. Viele Kitas, die bisher von speziellen Förderprogrammen profitierten, befürchten nun einen deutlichen Rückgang ihrer Ressourcen und damit eine Verschlechterung der pädagogischen Arbeit.

Im Zentrum der Debatte steht die Frage, wie Kinder mit Migrationshintergrund und sprachlichen Defiziten künftig unterstützt werden sollen. In Einrichtungen wie der Kita „Am Zwingel“ in Dillenburg, in der Kinder aus über 20 Nationen betreut werden, ist die Sprachförderung ein zentraler Bestandteil des Alltags. Erzieherinnen setzen dort auf spezielle Methoden, etwa durch Gebärden, um den Zugang zur deutschen Sprache zu erleichtern.

Die aktuelle Situation der Sprach-Kitas

Derzeit nehmen 412 hessische Einrichtungen an dem Landesprogramm „Sprach-Kitas“ teil. Dieses Programm, das ursprünglich auf einer Bundesinitiative basiert und ab 2023 vom Land Hessen finanziert wurde, ermöglicht es den Kitas, spezialisierte Sprachfachkräfte einzusetzen. Diese Fachkräfte führen Sprachscreenings durch, entwickeln Förderpläne und beraten Eltern.

Die Finanzierung für das Jahr 2026 beläuft sich auf etwa 13 Millionen Euro, die aus Mitteln des Kita-Qualitäts- und -Teilhabegesetzes des Bundes stammen. Da dieses Bundesprogramm zum Ende des Jahres 2026 ausläuft, steht die Landesregierung vor der Entscheidung, wie die Sprachförderung künftig gestaltet werden soll.

Geplante Neuausrichtung durch die Landesregierung

Die schwarz-rote Landesregierung hat angekündigt, das bisherige Programm in seiner jetzigen Form nicht fortzuführen. Stattdessen soll ein neues Kompetenzzentrum entstehen, das ab Herbst den Betrieb aufnimmt. Für die Jahre bis Ende 2028 sind dafür 4,2 Millionen Euro vorgesehen.

Das Ziel der Regierung, vertreten durch Sozialministerin Heike Hofmann (SPD), ist es, die Sprachförderung breiter aufzustellen. Bisher profitierten nur etwa 7,5 Prozent der Kitas von dem speziellen Programm. Durch das Kompetenzzentrum sollen nun alle Einrichtungen in Hessen von Beratungs- und Fortbildungsangeboten profitieren. Zudem sollen die allgemeinen Zuschüsse für Kitas erhöht werden, wobei konkrete Zahlen hierzu noch ausstehen.

Kritik an den Plänen

Die Opposition im hessischen Landtag äußert scharfe Kritik an diesem Vorhaben. Die FDP warnt vor Einsparungen bei der frühkindlichen Bildung und bezeichnet das geplante Kompetenzzentrum als unzureichenden Ersatz. Auch die Grünen kritisieren den Ansatz: Ihrer Ansicht nach benötigen die Fachkräfte vor Ort keine neuen Strukturen, die ihnen die Arbeit erklären, sondern die notwendigen Ressourcen für die direkte Betreuung der Kinder.

Die AfD fordert derweil einen allgemeinen Rechtsanspruch auf Sprachförderung für alle Kinder ab drei Jahren, um das Thema nicht nur auf Kinder mit Migrationshintergrund zu begrenzen.

Folgen für die Praxis

Für Kitas wie „Am Zwingel“ stellt sich die Situation kritisch dar. Aktuell ist eine Sprachfachkraft dort mit 19,5 Stunden pro Woche explizit für die sprachliche Qualifizierung freigestellt. Sollte diese Finanzierung wegfallen, müsste diese Arbeit in den regulären Gruppenalltag integriert werden, was die Kita-Leitung als klare Kürzung bewertet.

Zwar verweist die Landesregierung auf laufende Fachgespräche und Abschlagszahlungen in der Übergangsphase, doch in den betroffenen Einrichtungen ist davon bisher wenig angekommen. Die Kita-Leitungen berichten von einem Mangel an Informationen über die konkrete Zukunft ihrer Sprachprogramme. Angesichts des hohen Bedarfs an sprachlicher Unterstützung bleibt die Verunsicherung vor Ort groß, während die Umsetzung der neuen Strategie für den Herbst geplant ist.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/37148213/ · Foto: Ruben Boekeloo
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-foerderprogramm-laeuft-aus-sprach-kitas-in-hessen-bangen-um-ihre-zukunft-100.html