News aus aller Welt
Start
Flugtaxis: Hochenergetische Flugzeugbatterie von Catl geht in Serie
Technik · 12.08.2026 19:11

Flugtaxis: Hochenergetische Flugzeugbatterie von Catl geht in Serie

Kurz: Der Batteriehersteller CATL bringt eine neue, besonders energiedichte Akkuzelle für Flugtaxis zur Serienreife. Erster Abnehmer ist das Unternehmen Fengfei Aviat

Ein Meilenstein für die elektrische Luftfahrt

Der chinesische Batterieriese CATL hat einen bedeutenden technologischen Fortschritt für die urbane Luftmobilität verkündet. Wie das Unternehmen am 12. August 2026 bekannt gab, wurde eine neuartige Batteriezelle zur Serienreife gebracht, die speziell für die Anforderungen der Luftfahrt konzipiert wurde. Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Schritt für den Sektor der elektrischen Senkrechtstarter, kurz eVTOLs (electric Vertical Take-Off and Landing). Das Herzstück der Neuerung ist eine prismatische Zelle, die eine außergewöhnlich hohe Energiedichte aufweist. Dies ist ein entscheidender Faktor, da das Gewicht von Batterien in der Luftfahrt die größte Hürde für Reichweite und Nutzlast darstellt. Der erste konkrete Einsatz dieser Technologie ist bereits beschlossene Sache: Das Unternehmen Fengfei Aviation, das international auch unter dem Namen Autoflight bekannt ist, wird die neuen Zellen in seinen Flugtaxi-Modellen verbauen. Diese Kooperation unterstreicht die wachsende Bedeutung von spezialisierten Energiespeichern für die kommerzielle Luftfahrt, die über die Standards der Automobilindustrie hinausgehen müssen, um wirtschaftlich und technisch tragfähig zu sein.

Technische Spezifikationen und Sicherheitsnachweis

Die von CATL präsentierten Leistungsdaten sind bemerkenswert. Die neuen prismatischen Zellen erreichen eine Energiedichte von 350 Wattstunden pro Kilogramm. Im direkten Vergleich zu den derzeit in der Automobilindustrie gebräuchlichen Lithium-Ionen-Zellen bedeutet dies eine Steigerung um rund 40 Prozent. Um die Dimensionen dieser Verbesserung zu verdeutlichen: Ein Batteriesystem mit einer Kapazität von 100 Kilowattstunden käme bei dieser Technologie auf ein Gewicht von lediglich 286 Kilogramm. Neben der reinen Energiedichte stand bei der Entwicklung die Sicherheit im Vordergrund, was angesichts der Anforderungen an die Luftfahrt zwingend ist. CATL legte den Fokus auf die Vermeidung des gefürchteten thermischen Durchgehens, bei dem sich eine Zelle unkontrolliert erhitzt und benachbarte Zellen in Brand setzt. Ein entsprechender Sicherheitstest wurde durchgeführt und von einem Vertreter der chinesischen Behörde für zivile Luftfahrt persönlich überwacht. Das Ergebnis bestätigte, dass das Design effektiv verhindert, dass ein lokaler Defekt zu einer Kettenreaktion innerhalb des gesamten Akkupacks führt, was die Zuverlässigkeit für den Passagiertransport maßgeblich erhöht.

Der Weg zur Entwicklung der Hochleistungsbatterie

Die Entwicklung dieser Batterietechnologie ist das Ergebnis einer gezielten Forschungsstrategie von CATL, die darauf abzielt, die Grenzen der Lithium-Ionen-Chemie in Richtung Luftfahrtanwendungen zu verschieben. Während die Automobilindustrie vor allem auf Kostenoptimierung und Langlebigkeit bei moderaten Gewichtsbelastungen fokussiert ist, erfordert die Luftfahrt eine kompromisslose Maximierung der Energiedichte bei gleichzeitig extremer Betriebssicherheit. Die Entscheidung, diese Zellen nun in die Serienfertigung zu überführen, folgt auf eine Phase intensiver Tests und regulatorischer Abstimmungen. Die Zusammenarbeit mit Fengfei Aviation, einem Akteur, der sich intensiv mit der Entwicklung großformatiger eVTOLs beschäftigt, war dabei ein treibender Faktor. Die Vorgeschichte dieses Projekts ist eng mit dem allgemeinen Trend zur Elektrifizierung des Flugverkehrs verknüpft, bei dem die Batteriekapazität lange Zeit der limitierende Faktor für die Größe und Reichweite der Fluggeräte war. Mit der nun erreichten Serienreife scheint dieser Flaschenhals zumindest für erste kommerzielle Anwendungen in China ein Stück weit aufgeweitet zu werden.

Akteure und institutionelle Einbindung

Die zentralen Akteure in diesem technologischen Vorhaben sind der Batteriehersteller CATL und der Fluggeräteentwickler Fengfei Aviation. CATL fungiert hierbei als der technologische Zulieferer, der die kritische Komponente für den Antrieb liefert. Fengfei Aviation, das unter dem Namen Autoflight agiert, übernimmt die Rolle des Systemintegrators, der die Batterien in seine Fluggeräte einbaut. Ein wesentlicher Akteur im Hintergrund ist die chinesische Behörde für zivile Luftfahrt. Deren direkte Überwachung der Sicherheitstests verleiht dem Projekt eine hohe Glaubwürdigkeit und ist ein notwendiger Schritt, um die späteren Zulassungsverfahren für den bemannten Flugbetrieb zu bestehen. Die Einbindung der Behörde bereits in dieser frühen Phase der Serienreife zeigt, wie ernst die chinesische Industrie die Zertifizierung von elektrischen Luftfahrzeugen nimmt. Es sind keine weiteren externen Partner oder Forschungsinstitute im Quelltext genannt, was darauf hindeutet, dass die Entwicklung primär in einer engen vertikalen Integration zwischen Batteriehersteller und Flugzeugbauer vorangetrieben wurde.

Einordnung der technologischen Bedeutung

Einzuordnen ist diese Entwicklung als ein Signal an den globalen Markt, dass die Ära der elektrischen Lufttaxis aus der reinen Forschungsphase in die Phase der industriellen Skalierung übergeht. Den Berichten zufolge stellt die Energiedichte von 350 Wh/kg einen signifikanten Sprung dar, der es Herstellern wie Fengfei ermöglicht, Fluggeräte zu konstruieren, die nicht nur zwei, sondern bis zu zehn Personen befördern können. Die Einordnung der 40-prozentigen Steigerung gegenüber Automobil-Akkus macht deutlich, dass eine einfache Adaption von E-Auto-Batterien für die Luftfahrt nicht ausreicht. Die Luftfahrt stellt völlig andere Anforderungen an das Lastprofil und die Leistungsabgabe. Dass CATL nun in die Serie geht, bedeutet, dass die Fertigungsprozesse stabil genug sind, um die hohen Anforderungen an die Qualitätskonstanz in der Luftfahrt zu erfüllen. Dies ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, da die Zertifizierung von Batterien für den Luftverkehr extrem zeit- und kostenintensiv ist. Die technologische Souveränität, die hier demonstriert wird, könnte China einen Vorsprung bei der Etablierung von Standards für die urbane Luftmobilität verschaffen.

Offene Fragen und verbleibende Lücken

Obwohl die Meldung technische Details zur Energiedichte und Sicherheit liefert, bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet. Es ist beispielsweise nicht bekannt, wie hoch die Lebensdauer der Zellen unter den spezifischen Belastungen des Flugbetriebs ist, da Luftfahrtbatterien oft anderen Zyklen unterliegen als Autobatterien. Auch über die Kostenstruktur der neuen Zellen schweigt sich der Bericht aus; es ist unklar, ob diese Batterien wirtschaftlich mit herkömmlichen Systemen konkurrieren können oder ob der Preis aufgrund der hohen Energiedichte deutlich höher ausfällt. Zudem fehlen Informationen zur Ladeinfrastruktur: Welche Ladeleistungen sind erforderlich, um die 100-kWh-Akkus in vertretbarer Zeit für den nächsten Flugbetrieb zu laden? Auch der genaue Zeitplan für die Zertifizierung des Gesamtsystems durch die Luftfahrtbehörden ist nicht definiert. Es bleibt offen, welche weiteren Kunden neben Fengfei Aviation Interesse an dieser Technologie angemeldet haben und ob die Produktion exklusiv für diesen einen Partner reserviert ist oder ob CATL die Zellen als Standardprodukt auf den Weltmarkt bringen will.

Ausblick auf die kommenden Schritte

Die nächsten Schritte konzentrieren sich nun auf die praktische Erprobung des Modells V5000 von Fengfei Aviation unter realen Bedingungen. Das Fluggerät, das ein Leergewicht von 4,5 Tonnen aufweist, wurde bereits im März 2026 vorgestellt und hat in Testflügen demonstriert, dass es sowohl senkrecht starten als auch im Flächenflug effizient operieren kann. Die Integration der neuen CATL-Batterien in dieses System ist der nächste logische Schritt. Die Ankündigung, dass das Fluggerät bis zu zehn Personen befördern oder eine Nutzlast von einer Tonne transportieren soll, setzt hohe Erwartungen an die Leistungsfähigkeit des Antriebsstrangs. Während die Elektroversion eine Reichweite von 250 Kilometern anstrebt, wird für die Hybridversion eine Reichweite von 1.500 Kilometern in Aussicht gestellt. Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, wie sich die Batterien in der Flugerprobung bewähren und ob die angestrebten Reichweitenwerte im regulären Betrieb erreicht werden können. Die Luftfahrtbranche wird die kommenden Testflüge des Matrix-Modells genau beobachten, da sie als Indikator für die Reife der gesamten eVTOL-Branche dienen werden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/vintage-quantum-prodrive-festplattenspeicher-38007656/ · Foto: Nicolas Foster
Quelle: https://www.golem.de/news/flugtaxis-hochenergetische-flugzeugbatterie-von-catl-geht-in-serie-2608-211876.html