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Filmklassiker: Eine Klapperschlange ist keine Kobra
Technik · 03.09.2026 14:30

Filmklassiker: Eine Klapperschlange ist keine Kobra

Kurz: Vor 45 Jahren startete John Carpenters Kultfilm 'Die Klapperschlange'. Ein Blick zurück auf die Entstehung der dystopischen Sci-Fi-Vision mit Kurt Russell.

Ein Meilenstein des dystopischen Kinos

Vor genau 45 Jahren, am 3. September 1981, flimmerte ein Film über die Kinoleinwände, der das Genre des dystopischen Science-Fiction-Kinos nachhaltig prägen sollte: John Carpenters „Die Klapperschlange“, im Original unter dem Titel „Escape from New York“ bekannt. Der Film, der den Schauspieler Kurt Russell in die Rolle des legendären und wortkargen Söldners Snake Plissken katapultierte, entwirft eine düstere Zukunftsvision. Im Zentrum der Handlung steht das Jahr 1997, in dem die USA in einer tiefen gesellschaftlichen Krise stecken. New York City wurde in diesem Szenario kurzerhand in ein gigantisches Hochsicherheitsgefängnis umgewandelt, in dem die Insassen sich selbst überlassen bleiben. Als das Flugzeug des Präsidenten der Vereinigten Staaten über diesem abgeschotteten Gebiet abstürzt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Snake Plissken wird gezwungen, eine lebensgefährliche Rettungsmission zu unternehmen, um den Präsidenten und ein entscheidendes Tonband aus der zerstörten Metropole zu bergen. Der Film ist nicht nur aufgrund seiner spannenden Handlung, sondern vor allem durch seine visuelle Ästhetik und die dichte Atmosphäre auch heute noch ein bedeutendes Werk der Filmgeschichte.

Details zur Produktion und den Charakteren

Die Produktion von „Die Klapperschlange“ war von zahlreichen kreativen Entscheidungen geprägt, die das Endergebnis maßgeblich beeinflussten. Ein interessantes Detail, das oft für Verwirrung sorgt, betrifft das ikonische Schlangen-Tattoo des Protagonisten Snake Plissken. Während das Tattoo in vielen Werbematerialien auf dem Oberarm des Schauspielers Kurt Russell zu sehen ist, befindet es sich im fertigen Film tatsächlich auf seiner Brust. Die Geschichte selbst spielt in einem fiktiven 1997, einer Zeit, die für die Zuschauer von 1981 noch in der Zukunft lag. John Carpenter, der Regisseur des Films, hatte das Drehbuch ursprünglich bereits Mitte der siebziger Jahre verfasst. In der ersten Fassung war die Handlung noch für das Jahr 1982 angesetzt, doch Carpenter entschied sich später, das Szenario um 17 Jahre nach vorne zu verschieben, um eine glaubwürdigere dystopische Distanz zu schaffen. Die Wahl des Schauplatzes New York als zerfallene Gefängnisstadt verlieh dem Film eine ganz eigene, schäbige Ästhetik, die perfekt zur Stimmung des Werkes passte.

Der lange Weg zur Verwirklichung

Die Entstehung des Films war keineswegs ein einfacher Prozess. John Carpenter hatte das Skript bereits während der Ära des Watergate-Skandals geschrieben, einer Zeit, in der das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung in ihre politischen Institutionen und den Präsidenten massiv erschüttert war. Dieser tief verwurzelte Zynismus bildete den Nährboden für die düstere Vision, die Carpenter auf die Leinwand bringen wollte. Doch in den siebziger Jahren stieß er bei den Filmstudios auf taube Ohren. Die Produzenten lehnten das Projekt kategorisch ab, da sie eine derart pessimistische und düstere Sichtweise auf die Gesellschaft nicht für massentauglich hielten. Erst der enorme Erfolg seines Horrorfilms „Halloween“ im Jahr 1978 änderte die Situation grundlegend. Plötzlich war Carpenter ein gefragter Regisseur, dem man zutraute, mit begrenzten Mitteln große Erfolge zu erzielen. Dies öffnete ihm die Türen bei AVCO Embassy Pictures, wo er einen Vertrag über zwei Filme unterzeichnen konnte. Der erste war „The Fog – Nebel des Grauens“, während „Die Klapperschlange“ schließlich als zweites Projekt realisiert werden konnte.

Die Akteure hinter dem Erfolg

Neben dem Regisseur John Carpenter war vor allem seine langjährige Partnerin Debra Hill eine zentrale Figur bei der Umsetzung des Projekts. Gemeinsam mit ihr gelang es Carpenter, das Studio von seinen Visionen zu überzeugen. Kurt Russell, der durch die Rolle des Snake Plissken zum Actionhelden aufstieg, lieferte eine Performance ab, die den Charakter zu einer Ikone des Kinos machte. Die Zusammenarbeit zwischen Carpenter und Hill war entscheidend für die kreative Freiheit, die sie bei AVCO Embassy Pictures genossen. Ursprünglich war als zweiter Film nach „The Fog“ eigentlich eine Adaption des Romans „The Philadelphia Story: Project Invisibility“ von William F. Moore geplant. Da sich dieses Projekt jedoch über Jahre hinzog, griff Carpenter auf sein bereits fertiges Skript für „Escape from New York“ zurück. Diese Entscheidung erwies sich als Glücksfall für die Filmgeschichte, da sie den Weg für einen der einflussreichsten Sci-Fi-Filme der achtziger Jahre ebnete und den Grundstein für Carpenters Status als Kultregisseur legte.

Einordnung der dystopischen Vision

Einzuordnen ist der Erfolg von „Die Klapperschlange“ vor allem im Kontext der gesellschaftlichen Stimmung Ende der siebziger Jahre. Den Berichten zufolge spiegelte der Film die Ängste und das Misstrauen der US-Bürger gegenüber ihrer Regierung wider. Carpenter selbst betonte in Interviews, dass der Wandel der Gesellschaft oft schleichend, aber dennoch tiefgreifend verlaufe. Der Film dient somit als Spiegelbild einer Ära, in der die Gewissheiten der Nachkriegszeit ins Wanken gerieten. Die Entscheidung, das Setting in die nahe Zukunft zu verlegen, unterstrich die Dringlichkeit der erzählten Geschichte. Dass der Film auch 45 Jahre nach seiner Premiere noch immer als visuell beeindruckend wahrgenommen wird, spricht für die handwerkliche Qualität und die zeitlose Gestaltung der dystopischen Kulisse. Die düstere Atmosphäre und die kompromisslose Art des Protagonisten Snake Plissken machen das Werk zu einer Studie über Zynismus und Überlebenswillen in einer Welt, die ihre moralischen Kompasse verloren hat.

Offene Fragen zur Filmgeschichte

Obwohl der Film als Klassiker gilt, bleiben einige Aspekte der Produktion und der erzählten Welt im Dunkeln. Der Quelltext lässt beispielsweise offen, welche konkreten Überlegungen zur visuellen Gestaltung der zerstörten Stadt New York führten, abgesehen von der generellen Vorgabe, eine „schäbige“ Umgebung zu schaffen. Auch wird nicht explizit erläutert, welche anderen Stoffe Carpenter in Betracht gezogen hätte, falls das Studio „Die Klapperschlange“ weiterhin abgelehnt hätte. Ebenso bleibt die Frage unbeantwortet, warum das Projekt „The Philadelphia Story: Project Invisibility“ trotz der vertraglichen Bindung über Jahre hinweg verschoben wurde und welche internen Hürden bei AVCO Embassy Pictures dabei eine Rolle spielten. Die genauen Details der Vertragsverhandlungen zwischen Carpenter, Hill und dem Studio werden nur oberflächlich angerissen, sodass die Dynamik hinter den Kulissen der Entscheidungsfindung für den Zuschauer größtenteils im Verborgenen bleibt. Auch über die Reaktionen der damaligen Filmkritik direkt zum Kinostart im Jahr 1981 gibt der vorliegende Text keine Auskunft, was eine umfassende zeitgenössische Einordnung erschwert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/vintage-apple-ii-computer-zur-ausstellung-37148213/ · Foto: Ruben Boekeloo
Quelle: https://www.golem.de/news/filmklassiker-eine-klapperschlange-ist-keine-kobra-2609-212552.html