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Fast vollständig autonom: Wie Anthropics KI einen Verschlüsselungsalgorithmus knackte
Technik · 16.08.2026 06:00

Fast vollständig autonom: Wie Anthropics KI einen Verschlüsselungsalgorithmus knackte

Kurz: Die KI Claude Mythos Preview von Anthropic hat Schwachstellen in einer abgeschwächten AES-Version entdeckt und übertrifft dabei menschliche Experten deutlich.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Ein bemerkenswerter technologischer Durchbruch sorgt derzeit für Aufsehen in der Welt der Cybersicherheit: Das KI-Modell „Claude Mythos Preview“ aus dem Hause Anthropic hat nach Berichten erfolgreich Schwachstellen in einer kryptografischen Verschlüsselung identifiziert. Konkret geht es um eine abgeschwächte Variante des weit verbreiteten Advanced Encryption Standard (AES). Dieser Algorithmus bildet das Rückgrat der modernen digitalen Kommunikation und schützt weltweit Internetverbindungen, drahtlose Netzwerke sowie sensible Datenspeicher. Die KI-Anwendung konnte bei diesem Prozess eine Geschwindigkeit erreichen, die den bisherigen Leistungsstand menschlicher Kryptografie-Experten um das 200- bis 1.000-fache übertrifft. Während die Vollversion des AES-Standards, wie er im Jahr 2001 eingeführt wurde und bis heute als nahezu unknackbar gilt, aktuell nicht unmittelbar gefährdet ist, markiert dieses Ereignis einen signifikanten Wendepunkt. Die Fähigkeit einer KI, hochkomplexe mathematische Sicherheitsstrukturen nahezu autonom zu analysieren und Schwachstellen aufzudecken, wirft grundlegende Fragen zur Zukunft der digitalen Sicherheit auf. Der Vorfall ereignete sich im Kontext einer intensiven Erforschung von KI-Potenzialen, wobei die Ergebnisse nun eine Debatte darüber entfacht haben, ob bisher als sicher geltende Standards durch den Einsatz künstlicher Intelligenz schneller unter Druck geraten könnten als bisher angenommen.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Abläufe

Die Details des Vorfalls zeichnen ein Bild von rasanter technologischer Evolution. Wie aus Berichten der New York Times hervorgeht, agierte Claude Mythos Preview bei der Identifizierung der Schwachstellen in der abgeschwächten AES-Version nahezu vollständig autonom. Der Prozess war dabei so effizient, dass die KI eine Arbeitsleistung erbrachte, für die menschliche Fachleute ein Vielfaches an Zeit benötigen würden. Besonders hervorzuheben ist der Zeitaufwand für die Validierung: Nachdem die KI den Angriffsweg vorgeschlagen hatte, benötigten zwei menschliche Forscher fast einen ganzen Monat, um die Methode der KI zu überprüfen und deren Validität zu bestätigen. Neben dem AES-Standard geriet auch das kryptografische System „Hawk“ in den Fokus der KI. Hawk gilt als ein vielversprechender Kandidat für zukünftige Verschlüsselungsstandards des National Institute of Standards and Technology (NIST) und wurde entwickelt, um sowohl gegen klassische als auch gegen Quantencomputer-Angriffe resistent zu sein. Die Entwickler von Hawk haben bereits eingeräumt, dass die von Mythos konzipierte Angriffsmethode theoretisch funktionieren könnte. Dieser Umstand unterstreicht die Präzision, mit der das Modell arbeitet, da es nicht nur bestehende, sondern auch zukunftsweisende Sicherheitsarchitekturen auf ihre Belastbarkeit hin prüft.

Hintergrund – Die Vorgeschichte und der Kontext

Die Entwicklung von Claude Mythos Preview steht in einer langen Tradition der kryptografischen Forschung, die seit Jahrzehnten versucht, die Sicherheit digitaler Systeme zu gewährleisten. Der AES-Standard, der seit 2001 den globalen Goldstandard für Verschlüsselung darstellt, wurde bisher als nahezu unüberwindbar angesehen. Die Sorge vor dem Knacken solcher Verschlüsselungen war bisher primär mit der Entwicklung von Quantencomputern verknüpft. Experten warnten seit Jahren, dass diese neuartigen Rechner die mathematischen Grundlagen unserer heutigen Sicherheitssysteme aushebeln könnten, was weitreichende Konsequenzen für die nationale Sicherheit und die digitale Privatsphäre hätte. Die aktuellen Ereignisse rund um Anthropic zeigen jedoch eine neue Dimension auf: Die KI-Modelle entwickeln sich in einem Tempo, das selbst Branchenkenner überrascht. Nicholas Carlini, ein Forscher bei Anthropic und früherer Mitarbeiter der KI-Abteilung von Google, betonte in diesem Zusammenhang die enorme Leistungssteigerung der Modelle. Während KI-Systeme noch im Jahr 2025 an vergleichsweise einfachen mathematischen Problemen scheiterten, die Carlini bereits im Alter von 16 Jahren lösen konnte, sind sie heute in der Lage, modernste Forschung zu betreiben, die zuvor für menschliche Wissenschaftler unzugänglich oder unentdeckt blieb.

Die Beteiligten – Institutionen und Personen

Im Zentrum dieser technologischen Entwicklung steht das Unternehmen Anthropic, das mit seinem Modell Claude Mythos Preview die wissenschaftliche Gemeinschaft herausfordert. Ein maßgeblicher Akteur in der Kommunikation dieser Ergebnisse ist der Anthropic-Forscher Nicholas Carlini, der aufgrund seiner Expertise und seiner beruflichen Historie bei Google eine zentrale Rolle bei der Einordnung der KI-Leistungsfähigkeit einnimmt. Auf der Gegenseite stehen die Entwickler des kryptografischen Systems Hawk, welche die Ergebnisse der KI-Analyse kritisch geprüft und die potenzielle Wirksamkeit der von Mythos entwickelten Angriffsmethode bestätigt haben. Zudem wird das National Institute of Standards and Technology (NIST) als relevante Institution genannt, da es für die Definition und Auswahl zukünftiger Verschlüsselungsstandards verantwortlich zeichnet. Die Berichterstattung durch die New York Times fungierte dabei als primäre Quelle für die Verbreitung dieser Informationen, während die t3n-Redaktion die Einordnung für das deutschsprachige Publikum übernahm. Diese Akteure bilden ein Geflecht aus KI-Entwicklern, Sicherheitsforschern und Standardisierungsgremien, die nun gemeinsam vor der Herausforderung stehen, die Auswirkungen dieser neuen KI-Fähigkeiten auf die globale IT-Infrastruktur zu bewerten.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist das Geschehen als ein Weckruf für die Cybersicherheitsbranche. Den Berichten zufolge zeigt sich, dass der mathematische Kern von Internet-Sicherheitsstandards möglicherweise verwundbarer ist, als es die bisherige Forschung vermuten ließ – und zwar völlig unabhängig von der Verfügbarkeit leistungsfähiger Quantencomputer. Die Tatsache, dass eine KI fast autonom Schwachstellen in einem System findet, das als „Post-Quanten-Standard“ gehandelt wird, ist ein Indiz für eine neue Qualität der Bedrohungslage. Die Bewertung der Experten deutet darauf hin, dass die rasanten Fortschritte der KI-Modelle die traditionellen Schutzmaßnahmen im Internet langfristig infrage stellen könnten. Dennoch ist zur Vorsicht bei der Interpretation geraten: Es handelt sich bisher um abgeschwächte Versionen der Algorithmen. Die akute Gefahr für die breite Masse der Internetnutzer ist derzeit nicht gegeben. Dennoch ist die Implikation klar: Wenn KI-Modelle in der Lage sind, Sicherheitslücken aufzudecken, könnten sie in Zukunft auch dazu genutzt werden, diese Lücken gezielt auszunutzen oder aber – und das ist der positive Aspekt – bei der Entwicklung robusterer Verschlüsselungsverfahren zu helfen, indem sie Schwachstellen identifizieren, bevor dies böswillige Akteure tun.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der vorliegende Quelltext lässt einige wesentliche Fragen offen, die für das vollständige Verständnis der Tragweite des KI-Angriffs von Bedeutung wären. Zunächst bleibt unklar, welche spezifischen mathematischen Methoden oder Ansätze Claude Mythos Preview genau verwendet hat, um die Schwachstellen zu identifizieren; die genaue Funktionsweise der KI-Logik bleibt eine Blackbox. Ebenso wird nicht detailliert erläutert, wie stark die „abgeschwächte“ Version des AES-Algorithmus von der tatsächlich im Internet eingesetzten Vollversion abweicht. Es fehlt eine präzise technische Spezifikation, die aufzeigen würde, ob die gefundenen Schwachstellen auf die Struktur des Algorithmus selbst oder auf die spezifische Implementierung in der Testumgebung zurückzuführen sind. Zudem wird nicht explizit benannt, welche weiteren kryptografischen Systeme neben AES und Hawk bereits von Anthropic oder anderen Akteuren mit ähnlichen Methoden getestet wurden. Auch die Frage, ob Anthropic plant, die für den Angriff genutzten Modelle oder Methoden für die breite Öffentlichkeit oder die wissenschaftliche Gemeinschaft zugänglich zu machen, um die Verteidigung gegen solche Angriffe zu stärken, bleibt im Dunkeln. Die langfristige Strategie des Unternehmens im Umgang mit diesen hochsensiblen Forschungsergebnissen bleibt somit ein offener Punkt.

Wie es weitergeht – Ausstehende Schritte

Die Entwicklung bleibt in einer Phase, in der die wissenschaftliche Validierung und die Anpassung von Sicherheitsstandards im Vordergrund stehen. Da die Entwickler von Hawk die Angriffsmethode als potenziell funktionsfähig eingestuft haben, ist davon auszugehen, dass nun eine Phase der intensiven Nachbesserung und Sicherheitsüberprüfung folgt. Es ist zu erwarten, dass das National Institute of Standards and Technology (NIST) die Erkenntnisse über die Schwachstellen in Post-Quanten-Verfahren in seine laufenden Evaluierungsprozesse einfließen lässt. Für die Forschungsgemeinschaft bedeutet dies, dass die Methoden von Claude Mythos Preview nun zum Maßstab für zukünftige Stresstests werden könnten. Anthropic wird seine KI-Modelle zweifellos weiter verfeinern, wobei der Fokus darauf liegen dürfte, die Fähigkeit zur Identifizierung von Schwachstellen gezielt in den Dienst der Sicherheit zu stellen. Ob und wann es zu einer offiziellen Veröffentlichung der detaillierten Ergebnisse oder zu einer Anpassung der Sicherheitsstandards kommt, ist derzeit noch nicht terminiert. Die Branche wird die weiteren Fortschritte von Claude Mythos Preview genau beobachten, da die KI nunmehr als ein Werkzeug etabliert ist, das die Grenzen der bisherigen Kryptografie-Forschung aktiv verschiebt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-sitzung-sitzen-jung-12197296/ · Foto: Михаил Крамор
Quelle: https://t3n.de/news/anthropic-ki-verschluesselungsalgorithmus-geknackt-1755434/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed