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EU-Kommission: TikTok soll Teenager-Konten strenger abschirmen
Technik · 24.07.2026 16:26

EU-Kommission: TikTok soll Teenager-Konten strenger abschirmen

Kurz: Die EU-Kommission sieht Handlungsbedarf bei TikTok: Minderjährige seien auf der Plattform nicht ausreichend vor unerwünschten Kontakten und Mobbing geschützt.

Strengere Auflagen für den Jugendschutz bei TikTok

Die Europäische Kommission hat im Rahmen des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA) vorläufige Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Minderjährigen auf TikTok geäußert. Nach Einschätzung der Brüsseler Behörde bietet die Plattform derzeit nicht das geforderte hohe Schutzniveau, das für junge Nutzergruppen gesetzlich vorgeschrieben ist. Obwohl die Kommission anerkennt, dass TikTok bereits spezifische Kontenmodelle für Jugendliche implementiert hat, reicht der aktuelle Standard aus Sicht der EU nicht aus, um Risiken wie Cybermobbing oder unerwünschte Kontaktaufnahmen durch Dritte effektiv zu minimieren.

Kritik an der Sichtbarkeit von Inhalten

Ein zentraler Punkt der Kritik betrifft die einfache Möglichkeit, Konten von 13- bis 15-Jährigen auf „öffentlich“ umzustellen. Die EU-Kommission fordert, dass für diese Altersgruppe öffentliche Profile grundsätzlich unterbunden werden sollten. Derzeit können Inhalte von öffentlichen Konten auch von Personen eingesehen werden, die selbst keinen Account bei der Plattform besitzen. Zudem bemängeln die Prüfer, dass private Konten über die Follower-Listen anderer Nutzer auffindbar sind und Profilbilder für jedermann sichtbar bleiben.

Für die Altersgruppe der 16- bis 17-Jährigen sieht die Kommission zwar einen größeren Spielraum für öffentliche Profile, lehnt jedoch die derzeitige Praxis ab, wonach Inhalte dieser Nutzer über den „Für dich“-Feed algorithmisch verbreitet werden. Auch die externe Sichtbarkeit von Inhalten außerhalb der Plattform wird kritisch gesehen. Ein Kommissionsvertreter betonte, dass die aktuellen Design-Entscheidungen der Plattform zu stark auf die Viralität von Inhalten ausgerichtet seien, anstatt den Schutz der jungen Nutzer in den Vordergrund zu stellen.

Mögliche Konsequenzen und nächste Schritte

TikTok hat nun die Gelegenheit, die Unterlagen der Kommission einzusehen und auf die erhobenen Vorwürfe zu reagieren. Eine feste Frist für diese Stellungnahme wurde nicht kommuniziert, jedoch signalisierte die Behörde, dass sie eine zeitnahe Anpassung der Kontoeinstellungen erwartet. Die Kommission fordert konkret, dass Inhalte von Minderjährigen nicht mehr algorithmisch empfohlen werden dürfen und der Zugriff auf diese Inhalte auf bestätigte Kontakte beschränkt bleiben sollte.

Sollte TikTok die geforderten Änderungen nicht umsetzen, drohen dem Unternehmen empfindliche Sanktionen. Im Rahmen des DSA sind Geldstrafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich – ein Instrument, das die EU bereits in Verfahren gegen andere Plattformen wie X, Temu oder AliExpress in Erwägung gezogen hat. Bisher zeigt sich TikTok in dem seit Februar 2024 laufenden Verfahren jedoch kooperativ.

Offene Fragen zur Altersverifikation

Obwohl der aktuelle Fokus auf der Sichtbarkeit von Konten liegt, bleibt das Thema der Altersverifikation weiterhin relevant. Die EU-Kommission hat bisher noch keine abschließende Bewertung dazu abgegeben, wie effektiv TikTok das Alter seiner Nutzer überprüft. Zwar ist die Plattform Teil eines Pilotprojekts für eine EU-weite Alterskontroll-App, doch laut offiziellen Angaben ist es für eine fundierte Bewertung dieses Systems noch zu früh. Parallel dazu läuft weiterhin ein Verfahren, das sich mit dem potenziell süchtig machenden Design der Plattform befasst, für das derzeit noch keine Entscheidung vorliegt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-sitzung-sitzen-computer-7831782/ · Foto: Aesthos AR. Photography
Quelle: https://netzpolitik.org/2026/eu-kommission-tiktok-soll-teenager-konten-strenger-abschirmen/