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Neue Funktion bei Tiktok: So regelst du, was nach deinem Tod mit deinen Videos passiert
Technik · 26.08.2026 14:20

Neue Funktion bei Tiktok: So regelst du, was nach deinem Tod mit deinen Videos passiert

Kurz: Tiktok führt eine neue Nachlassfunktion ein. Nutzer können nun selbst entscheiden, ob ihr Account nach dem Tod gelöscht oder von einer Vertrauensperson verwalte

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Die Social-Media-Plattform Tiktok hat eine neue Funktion eingeführt, die es Nutzern ermöglicht, ihren digitalen Nachlass bereits zu Lebzeiten aktiv zu gestalten. Angesichts der stetig wachsenden Menge an persönlichen Inhalten, die User auf der Plattform teilen, stellt sich für viele die Frage, was mit den eigenen Videos, Nachrichten und Profilinformationen nach dem Ableben geschieht. Die neue Einstellung, die in den Kontoeinstellungen unter der Bezeichnung „Account legacy“ zu finden ist, bietet den Anwendern nun zwei klare Optionen. Entweder kann der Nutzer einen sogenannten Nachlasskontakt bestimmen, der sich nach dem Tod um den Account kümmert, oder es kann festgelegt werden, dass das Profil samt aller gespeicherten Daten vollständig gelöscht wird. Mit diesem Schritt reagiert das Unternehmen auf die zunehmende Relevanz des digitalen Erbes und folgt damit dem Beispiel anderer großer Plattformen, die ähnliche Mechanismen bereits seit Jahren anbieten. Ziel ist es, den Angehörigen schwierige Entscheidungen in einer ohnehin belastenden Situation abzunehmen und den Nutzern die Kontrolle über ihre eigene digitale Identität über den Tod hinaus zu sichern.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Funktionen

Die Implementierung der neuen Funktion wurde durch die Redaktion von OnlineMarketing.de am 26. August 2026 bekannt gegeben. Die technische Umsetzung innerhalb der App ist laut den Berichten in den Kontoeinstellungen unter dem Menüpunkt „Account legacy“ verortet. Wie der App-Researcher Radu Oncescu durch Screenshots belegen konnte, haben Nutzer die Wahl zwischen der Benennung eines Nachlasskontakts und der automatischen Löschung des Profils. Ein weiterer Experte, Jonah Manzano, hat durch seine Analysen verdeutlicht, welche Befugnisse ein solcher Nachlasskontakt tatsächlich erhält. Die ausgewählte Person ist dazu berechtigt, die Biografie des Verstorbenen zu aktualisieren, neue Freundschaftsanfragen anzunehmen, eine Kopie der veröffentlichten Beiträge herunterzuladen sowie Privatsphäre-Einstellungen anzupassen. Zudem darf der Nachlasskontakt die Löschung des Accounts beantragen. Wichtig ist hierbei die Einschränkung: Der Zugriff auf private Nachrichten, das Lesen von Kommentaren oder das eigenmächtige Bearbeiten und Löschen einzelner Posts ist dem Nachlasskontakt ausdrücklich untersagt. Dies stellt sicher, dass die Privatsphäre des Verstorbenen auch post mortem gewahrt bleibt.

Hintergrund – Die Entwicklung des digitalen Nachlasses

Die Auseinandersetzung mit dem digitalen Erbe ist kein neues Phänomen, gewinnt jedoch angesichts der demografischen Entwicklung der Nutzerzahlen massiv an Bedeutung. Eine Oxford-Studie, auf die sich der Guardian bezieht, prognostiziert, dass Facebook bis zum Jahr 2100 bis zu 4,9 Milliarden Profile von Verstorbenen beherbergen könnte – eine Zahl, die die Anzahl der lebenden Nutzer übersteigen könnte. Facebook hat bereits im Jahr 2015 auf diese Entwicklung reagiert und Nachlasskontakte eingeführt. Bei Instagram existiert zwar keine direkte Nachlassfunktion in diesem Sinne, jedoch können Profile von Verstorbenen in einen Gedenkzustand versetzt werden. Tiktok, das historisch gesehen eine jüngere Nutzerschaft ansprach, muss sich nun ebenfalls dieser Herausforderung stellen. Es geht dabei nicht nur um die Verwaltung von Erinnerungen, sondern auch um die Vermeidung von Missbrauch durch unbefugte Dritte. Die Plattform möchte verhindern, dass sensible Daten in falsche Hände geraten, weshalb die proaktive Regelung durch den Nutzer selbst als entscheidender Schritt für die Datensicherheit und den Schutz der Privatsphäre angesehen wird.

Die Beteiligten – Institutionen und Akteure

Neben den Tiktok-Nutzern, die nun die Verantwortung für ihren digitalen Nachlass übernehmen können, spielen verschiedene Akteure eine Rolle. Der Mutterkonzern Bytedance steht hierbei im Zentrum der Aufmerksamkeit, insbesondere im Hinblick auf die regulatorische Aufsicht. Die brasilianische Datenschutzbehörde ANPD hat sich in jüngster Zeit als kritische Instanz hervorgetan, indem sie eine Strafe von 25,5 Millionen Euro gegen Bytedance verhängte. Auch das US-Justizministerium ist involviert, da es im Jahr 2024 eine Klage gegen die Plattform wegen mutmaßlicher Datenschutzverstöße bei Minderjährigen einreichte, die im August 2026 in einem Vergleich über 400 Millionen US-Dollar mündete. Auf der Seite der Experten und Beobachter sind Personen wie der App-Researcher Radu Oncescu und Jonah Manzano zu nennen, deren Analysen der App-Strukturen die Funktionalitäten für die Öffentlichkeit transparent gemacht haben. Die Redaktion von OnlineMarketing.de sowie das Nachrichtenportal t3n fungieren als Vermittler dieser Informationen, um die Nutzer über die neuen Möglichkeiten und die damit verbundenen Datenschutzrisiken aufzuklären.

Einordnung – Die Bedeutung der Neuerung

Den Berichten zufolge ist die Einführung der Nachlassfunktion als notwendiger Reifeprozess der Plattform zu bewerten. Einzuordnen ist das so: Während die Funktion selbst ein Instrument zur Selbstbestimmung darstellt, bleibt die allgemeine Datenschutzpraxis von Tiktok ein kontroverses Thema. Die Möglichkeit, das eigene Online-Erbe zu regeln, ist zwar ein wichtiger Fortschritt für die digitale Souveränität des Einzelnen, doch darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Plattform in anderen Bereichen, insbesondere beim Schutz von Minderjährigen, unter erheblichem Druck steht. Die Diskrepanz zwischen der bereitgestellten Nachlassfunktion und den behördlich festgestellten Versäumnissen bei der Datenverarbeitung von Kindern und Jugendlichen ist eklatant. Kritiker könnten argumentieren, dass eine solche Funktion zwar den Komfort für die Nutzer erhöht, aber die grundlegenden Probleme beim Umgang mit Nutzerdaten nicht löst. Dennoch ist die Bereitstellung dieser Option ein notwendiger Schritt, um den Anforderungen an eine moderne, verantwortungsbewusste Social-Media-Plattform gerecht zu werden, die mit den Lebensrealitäten ihrer alternden Nutzerschaft mitwächst.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Obwohl die neue Funktion in den Kontoeinstellungen detailliert beschrieben wird, bleiben einige praktische Aspekte ungeklärt. Der Quelltext gibt beispielsweise keine Auskunft darüber, wie genau der Nachlasskontakt authentifiziert wird, wenn der Ernstfall eintritt. Es bleibt offen, welche spezifischen Dokumente Tiktok im Einzelfall akzeptiert, um die Identität des Nachlasskontakts zweifelsfrei zu bestätigen. Ebenso wird nicht erläutert, was passiert, wenn ein Nutzer keinen Nachlasskontakt bestimmt hat und auch keine Löschung verfügt wurde; ob der Account dann dauerhaft inaktiv bleibt oder nach einer gewissen Zeit automatisch archiviert wird, lässt der Text offen. Auch die Frage, wie mit Inhalten umgegangen wird, die Urheberrechte Dritter verletzen könnten, falls der Nachlasskontakt den Account weiterführt, wird nicht thematisiert. Zudem bleibt unklar, ob die Funktion weltweit zeitgleich ausgerollt wurde oder ob es regionale Einschränkungen gibt, die den Zugriff auf diese neuen Einstellungen für bestimmte Nutzergruppen erschweren könnten.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte

Die Plattform steht unter Beobachtung durch verschiedene internationale Behörden, was die zukünftige Ausrichtung maßgeblich beeinflussen wird. Bytedance ist dazu verpflichtet, nicht nur unrechtmäßig erhobene Daten zu löschen, sondern auch konkrete Pläne für einen verbesserten Schutz junger Nutzer vorzulegen. Dies beinhaltet die Einführung strengerer Datenschutzeinstellungen für User unter 16 Jahren sowie erweiterte Kontrollmöglichkeiten für Eltern. Des Weiteren ist vorgesehen, dass Tiktok die Sichtbarkeit von personalisierten Inhalten für Nutzer ohne Account reduziert und auf Werbung sowie Direktnachrichten für diese Gruppe verzichtet. Diese Maßnahmen sind direkte Folgen der behördlichen Auflagen, insbesondere aus Brasilien und den USA. Für die Nutzer bedeutet dies, dass die Plattform in den kommenden Monaten weitere Anpassungen an ihrer Benutzeroberfläche und ihren Sicherheitsrichtlinien vornehmen wird. Die Nachlassfunktion ist dabei nur ein Teilaspekt einer umfassenderen Strategie, mit der Tiktok versucht, den regulatorischen Druck zu mindern und das Vertrauen der Nutzer sowie der Aufsichtsbehörden langfristig zurückzugewinnen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/moderner-arbeitsplatz-mit-programmierbildschirmen-und-tastatur-34212896/ · Foto: Jakub Zerdzicki
Quelle: https://t3n.de/news/neue-funktion-bei-tiktok-so-regelst-du-was-nach-deinem-tod-mit-deinen-videos-passiert-1759931/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed