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Erneuerbare Energien: Solar überholt Kohle bei installierter Leistung in China
Wirtschaft · 01.09.2026 20:13

Erneuerbare Energien: Solar überholt Kohle bei installierter Leistung in China

Kurz: In China hat die installierte Leistung von Solaranlagen erstmals die der Kohlekraftwerke übertroffen. Ein Meilenstein für die Energiewende des Landes.

Ein historischer Wendepunkt in der chinesischen Energiebilanz

Die Volksrepublik China hat einen bemerkenswerten Meilenstein in ihrer nationalen Energiepolitik erreicht, der weit über die Landesgrenzen hinaus Beachtung findet. Wie die zuständige Energiebehörde des Landes offiziell bekannt gab, hat die installierte Leistung von Photovoltaikanlagen im Juli dieses Jahres erstmals die Kapazitäten der traditionellen Kohlekraftwerke übertroffen. Dieser Wandel markiert einen symbolträchtigen Moment in der globalen Energiewende, da China als einer der weltweit größten Energieverbraucher und Produzenten gilt. Zum Ende des Monats Juli belief sich die installierte Leistung der Solaranlagen auf insgesamt 1.286 Gigawatt, während die Kohlekraftwerke mit 1.285 Gigawatt nur knapp dahinter rangierten. Laut Berichten des chinesischen Staatsfernsehens entspricht dies einem Anteil von 31,5 Prozent an der gesamten installierten Stromerzeugungskapazität des Landes. Dieser Erfolg ist das Ergebnis jahrelanger, massiver Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien, wobei insbesondere die westlichen und nordwestlichen Regionen Chinas durch weitläufige Solar-Parks geprägt sind. Dennoch bleibt die Situation komplex, da trotz dieser beeindruckenden Zahlen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern weiterhin eine zentrale Rolle in der chinesischen Wirtschaftsstrategie spielt.

Die Details hinter den Zahlen und die aktuelle Dynamik

Die von der chinesischen Energiebehörde veröffentlichten Daten zeichnen ein präzises Bild der aktuellen Kapazitäten. Dass Solarenergie die Kohle bei der installierten Leistung überholt hat, ist das Resultat einer kontinuierlichen Aufholjagd. Dennoch ist der Vorsprung von lediglich einem Gigawatt extrem gering, was die enorme Bedeutung der Kohle für das chinesische Stromnetz unterstreicht. Die 1.286 Gigawatt aus Photovoltaik stehen einer fast identischen Kapazität an Kohlekraftwerken gegenüber. Interessant ist hierbei die zeitliche Einordnung: Während die Kapazitäten für Solarenergie über Jahre hinweg rasant gewachsen sind, zeigt sich im laufenden Jahr eine deutliche Abkühlung des Ausbautempos. Wie die Behörden einräumten, wurden im Zeitraum von Januar bis Juli dieses Jahres 62 Prozent weniger neue Solarkapazitäten ans Netz angeschlossen als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Diese Entwicklung ist direkt auf eine regulatorische Anpassung zurückzuführen, die im Sommer des vergangenen Jahres in Kraft trat. Durch die Abschaffung von Preisgarantien für neue Solarstrom-Projekte hat sich das Investitionsklima für die Branche spürbar verändert, was nun in den aktuellen Ausbauzahlen zum Ausdruck kommt.

Hintergrund der chinesischen Energiepolitik und Kohleabhängigkeit

Der Weg zu diesem Kapazitätszuwachs ist tief in der chinesischen Strategie verwurzelt, die Energieversorgung sowohl zu diversifizieren als auch die Abhängigkeit von teuren Importen zu verringern. Kohle gilt in China nach wie vor als vergleichsweise kostengünstige Energiequelle, die zudem als essenzielle Reserve in Zeiten von Energiekrisen dient. Über die reine Stromerzeugung hinaus nutzt China die Kohle in großem Stil für die Kohlevergasung. Dieses industrielle Verfahren ermöglicht es, chemische Grundstoffe zu produzieren, für die andernfalls Erdöl benötigt würde. Da China bei Erdöl in hohem Maße von Importen abhängig ist, stellt die Kohlevergasung eine strategische Maßnahme zur Sicherung der industriellen Basis dar. Diese doppelte Nutzung – einerseits als Stromreserve und andererseits als chemischer Rohstoffersatz – erklärt, warum der Kohleausstieg trotz des beeindruckenden Solar-Booms eine enorme Herausforderung bleibt. Die Energiewende in China ist daher kein linearer Prozess, sondern ein komplexes Abwägen zwischen ökologischen Zielen, wirtschaftlicher Stabilität und der Versorgungssicherheit für die riesige industrielle Infrastruktur des Landes.

Die Akteure und die Rolle der Energiebehörde

Die treibenden Kräfte hinter dieser Entwicklung sind primär staatliche Institutionen, allen voran die chinesische Energiebehörde, die für die Planung, Überwachung und regulatorische Steuerung des Energiesektors verantwortlich ist. Ihre Mitteilungen bilden die Grundlage für die Einschätzung des Fortschritts. Auch das chinesische Staatsfernsehen spielt eine zentrale Rolle bei der Verbreitung dieser Informationen und ordnet die Kapazitätsanteile in den nationalen Kontext ein. Die Akteure auf dem Markt, also die Betreiber von Solarparks und Kohlekraftwerken, agieren in einem Umfeld, das stark von staatlichen Vorgaben geprägt ist. Die Entscheidung, Preisgarantien für Solarprojekte zu streichen, zeigt, wie direkt politische Eingriffe das Marktverhalten beeinflussen können. Dass China trotz des Ausbaus der Erneuerbaren weiterhin zu den weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen wie Kohlendioxid gehört, macht die Akteure in der internationalen Klimapolitik zu kritischen Beobachtern. Während die Regierung den Ausbau der Photovoltaik als Erfolg feiert, bleibt die industrielle Basis des Landes, die auf Kohle basiert, ein zentraler Kritikpunkt in der globalen Debatte um Klimaschutzmaßnahmen.

Einordnung der Entwicklung und offene Fragen

Einzuordnen ist dieser Erfolg als ein bedeutender Schritt in der Kapazitätsplanung, der jedoch nicht unmittelbar mit einer entsprechenden Stromerzeugung gleichzusetzen ist. Da Solaranlagen wetterabhängig sind, ist die installierte Leistung nur ein Teil der Wahrheit; die tatsächliche Stromproduktion hängt von den Sonnenstunden ab. Den Berichten zufolge bleibt die Kohle als Backup unverzichtbar, was die Systemstabilität betrifft. Dennoch unterstreicht der Überholvorgang den Willen Chinas, die technologische Führerschaft bei grünen Energien zu beanspruchen. Offen bleibt jedoch, wie das Land den Rückgang beim Zubau neuer Solarkapazitäten kompensieren will, um die Energiewende langfristig auf Kurs zu halten. Der Quelltext beantwortet nicht, ob die Regierung plant, die Preisgarantien in anderer Form zu ersetzen oder ob der Markt nun ohne diese Subventionen auskommen muss. Auch bleibt unklar, wie sich die Kohlevergasung langfristig mit den Klimazielen des Landes vereinbaren lässt, da dieses Verfahren besonders energieintensiv ist. Ebenso fehlen Angaben dazu, wie die Stromnetze die schwankende Einspeisung der Solaranlagen technisch bewältigen, wenn der Anteil der Kohle als Grundlastlieferant weiter sinken sollte. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der aktuelle Einbruch beim Ausbau nur eine temporäre Delle darstellt oder eine dauerhafte Trendwende einleitet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/arbeiten-technologie-modern-innovation-4254159/ · Foto: Gustavo Fring
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/china-stromquelle-solar-kohle-100.html