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Erneuerbare Energien: China in der Energiewendefalle
Technik · 27.07.2026 11:28

Erneuerbare Energien: China in der Energiewendefalle

Kurz: China forciert den Ausbau erneuerbarer Energien in einem beispiellosen Tempo. Doch der massive Zubau stößt an infrastrukturelle Grenzen bei der Stromübertragung

Ein beispielloser Ausbau mit Hindernissen

China verfolgt ein ambitioniertes Ziel: Bis zum Jahr 2030 soll die Hälfte des gesamten Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Um dieses Vorhaben zu realisieren, treibt das Land den Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen in einem Tempo voran, das weltweit seinesgleichen sucht. Die installierte Leistung im Bau belief sich im Jahr 2025 auf rund 500 Gigawatt – ein Wert, der die gesamte Wind- und Solarkapazität Deutschlands mehr als verdoppelt.

Der Fokus liegt dabei auf den dünn besiedelten Regionen im Nordosten Chinas. Hier stehen weite Trockengebiete zur Verfügung, die sich ideal für großflächige Energieparks eignen. Doch genau diese geografische Konzentration erweist sich zunehmend als strukturelles Problem für das chinesische Energiesystem.

Das Problem der räumlichen Diskrepanz

Die Energie wird dort produziert, wo die Nachfrage gering ist. Da die Ballungszentren und industriellen Schwerpunkte weit von den Erzeugungsstandorten entfernt liegen, entstehen massive Engpässe. Laut Analysen des Global Energy Monitor können aktuell zwischen 10 und 17 Prozent des Solarstroms sowie 4 bis 9 Prozent der Windenergie nicht in das Stromnetz eingespeist oder effektiv genutzt werden. Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Wert bei etwa 4 Prozent.

Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass der reine Kapazitätsausbau allein nicht ausreicht, um eine erfolgreiche Energiewende zu vollziehen. Ohne eine entsprechende Infrastruktur zur Verteilung der Energie verpufft ein signifikanter Teil des erzeugten Stroms ungenutzt.

Infrastrukturelle Defizite im Fünfjahresplan

Um den Strom über die enormen Distanzen effizient zu transportieren, ist der Einsatz von Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) zwingend erforderlich. Diese Technologie ist bereits in Europa etabliert, um nationale Stromnetze miteinander zu verknüpfen.

Berichten zufolge sieht der aktuelle chinesische Fünfjahresplan jedoch vor, lediglich 11 neue Stromtrassen zu errichten. Experten des Global Energy Monitor bewerten dies als unzureichend, da der tatsächliche Bedarf bei fast 30 neuen Trassen liegen würde. Diese Diskrepanz zwischen Ausbauzielen für Erzeugungsanlagen und der notwendigen Netzkapazität droht die Energiewende in China auszubremsen.

Lehren aus der europäischen Erfahrung

Die aktuelle Situation in China erinnert an Herausforderungen, die auch in Europa und insbesondere in Deutschland bekannt sind. Auch hier zeigt sich, dass der parallele Ausbau von Erzeugung und Netzinfrastruktur eine zentrale Hürde darstellt.

Ein Ansatz zur Entschärfung der Problematik wäre eine dezentralere Verteilung der Anlagen. Würden Wind- und Solarparks gleichmäßiger über das Land verteilt – auch in Regionen mit geringerem Ertragspotenzial –, ließe sich der Druck auf das Übertragungsnetz verringern. Dies ist jedoch mit hohen Kosten verbunden: Ein Kilometer einer HGÜ-Leitung schlägt mit über einer Million Euro zu Buche.

Die chinesischen Großprojekte verdeutlichen somit ein globales Dilemma: Die Energiewende erfordert nicht nur technologische Fortschritte bei der Stromerzeugung, sondern vor allem eine massive Investition in die physische Vernetzung der Strommärkte. Die kommenden Jahre werden zeigen, inwieweit China bereit ist, den Netzausbau an die Geschwindigkeit der Energieerzeugung anzupassen, um die gesteckten Klimaziele tatsächlich zu erreichen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/landschaft-wald-bauernhof-farm-20581391/ · Foto: Hoài Nam
Quelle: https://www.golem.de/news/erneuerbare-energien-china-in-der-energiewendefalle-2607-211307.html