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Erfinder von "Körperwelten" - Leichenpräparator Gunther von Hagens gestorben
Schlagzeilen · 27.07.2026 12:36

Erfinder von "Körperwelten" - Leichenpräparator Gunther von Hagens gestorben

Kurz: Der Anatom und Unternehmer Gunther von Hagens ist im Alter von 81 Jahren verstorben. Er wurde durch die Erfindung der Plastination weltweit bekannt.

Ein Pionier der anatomischen Konservierung

Der Mediziner und Unternehmer Gunther von Hagens ist im Alter von 81 Jahren verstorben. Dies bestätigte seine Familie. Mit seinem Tod verliert die Wissenschaft einen der umstrittensten, aber auch einflussreichsten Anatomen der letzten Jahrzehnte. Von Hagens erlangte internationale Bekanntheit durch die Entwicklung eines Verfahrens, das die Art und Weise, wie wir den menschlichen Körper betrachten, nachhaltig verändert hat.

Die Entwicklung der Plastination

In den 1970er Jahren gelang von Hagens ein Durchbruch in der anatomischen Präparationstechnik: die sogenannte Plastination. Bei diesem Verfahren wird das Wasser und Fett in biologischen Geweben durch spezielle Kunststoffe ersetzt. Das Resultat sind dauerhaft haltbare, geruchsneutrale und trockene Präparate, die einen detaillierten Einblick in die menschliche Anatomie ermöglichen, ohne dass diese verwesen.

Diese Technik bildete das Fundament für sein wohl bekanntestes Projekt: die "Körperwelten"-Ausstellungen. Durch diese Schauen machte er das Innere des menschlichen Körpers für ein Millionenpublikum sichtbar. Was für die medizinische Ausbildung als Meilenstein galt, löste in der breiten Öffentlichkeit jedoch regelmäßig intensive Diskussionen aus.

Zwischen wissenschaftlichem Anspruch und ethischer Debatte

Die Arbeit von Gunther von Hagens war über Jahrzehnte hinweg von Kontroversen begleitet. Während Befürworter die pädagogische Bedeutung der Ausstellungen hervorhoben, die Laien ein besseres Verständnis für den eigenen Körper und gesundheitliche Zusammenhänge vermittelte, äußerten Kritiker regelmäßig ethische Bedenken hinsichtlich des Umgangs mit menschlichen Überresten.

Die Debatten drehten sich dabei häufig um die Frage, ob die öffentliche Zurschaustellung plastinierter Körper die Würde des Verstorbenen achtet. Von Hagens selbst sah in seinen Ausstellungen stets eine Bildungsaufgabe und ein Instrument, um die Anatomie aus dem rein akademischen Umfeld in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Lebensweg: Von Jena in die Welt

Der Lebensweg des Anatomen war von einschneidenden historischen Ereignissen geprägt. Geboren wurde er 1945 als Gunther Liebchen im heute polnischen Posen. Sein Studium der Medizin begann er 1965 in Jena. In der damaligen DDR geriet er in politische Gefangenschaft, bevor er schließlich von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft wurde. Später nahm er den Namen seiner ersten Ehefrau an und wurde unter dem Namen Gunther von Hagens zu einer globalen Marke in der Anatomie.

Ein Erbe mit Bestand

Mit dem Tod von Hagens endet eine Ära, in der die Anatomie durch seine Arbeit eine neue Form der öffentlichen Wahrnehmung erfuhr. Die Plastination als wissenschaftliches Verfahren bleibt jedoch ein fester Bestandteil der modernen Lehre und Forschung. Wie sich die Zukunft der "Körperwelten"-Ausstellungen ohne ihren Gründer gestalten wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass seine Arbeit die Grenzen zwischen Wissenschaft, Kunst und Ethik dauerhaft verschoben hat.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/geschaftsmann-mann-person-sitzung-5511640/ · Foto: Mike van Schoonderwalt
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/leichenpraeparator-gunther-von-hagens-gestorben-104.html