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Drug Checking: Wiesbaden zufrieden mit Pilotprojekt für Cannabis-Tests
Regional · 19.08.2026 21:15

Drug Checking: Wiesbaden zufrieden mit Pilotprojekt für Cannabis-Tests

Kurz: Wiesbaden zieht eine positive Bilanz nach einem fünfmonatigen Pilotprojekt für Cannabis-Tests. Ob das Angebot dauerhaft etabliert wird, bleibt jedoch ungewiss.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

In Wiesbaden endete ein fünfmonatiges Pilotprojekt, bei dem Clubbesucher die Möglichkeit hatten, mitgebrachtes Cannabis auf Schadstoffe und Verunreinigungen untersuchen zu lassen. Dieses Vorhaben markierte eine Premiere für das Bundesland Hessen. An insgesamt neun verschiedenen Veranstaltungen, darunter Hip-Hop-Partys, Dub-Reggae-Events und Punkrock-Konzerte, konnten Konsumenten ihre Substanzen freiwillig und kostenlos an einem Stand chemisch analysieren lassen. Das Projekt wurde von Experten der Suchthilfe in enger Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Beratungsprojekt „Safe Party People“ durchgeführt. Die Stadtverwaltung Wiesbaden hat nun eine erste Bilanz gezogen, die von den Verantwortlichen als positiv bewertet wird. Dennoch bleibt die Frage, ob Drug Checking als festes Angebot in der hessischen Landeshauptstadt etabliert werden kann, zum aktuellen Zeitpunkt noch unbeantwortet. Während das Angebot bei den Nutzern auf Resonanz stieß, hängen die weiteren Schritte von politischen Entscheidungen und der ausstehenden landesrechtlichen Regelung ab. Das Pilotprojekt beschränkte sich dabei ausschließlich auf Cannabis, da die rechtlichen Rahmenbedingungen in Hessen derzeit keine Untersuchung von illegalen Substanzen wie Ecstasy oder Kokain zulassen.

Die Einzelheiten des Pilotprojekts

Insgesamt wurde das Angebot des Drug Checkings bei den neun Veranstaltungen 48 Mal in Anspruch genommen. Die chemischen Analysen ergaben häufig einen hohen Gehalt des psychoaktiven Wirkstoffs THC. Ein interessanter Aspekt der Untersuchungen war die Prüfung auf Feuchtigkeit im Pflanzenmaterial. Teresa Müller von der Stadt Wiesbaden berichtete, dass häufig feuchtes Cannabis festgestellt wurde, was auf einen unzureichenden Trocknungsprozess beim privaten Eigenanbau zurückzuführen sei. Dies berge gesundheitliche Risiken, da beim Rauchen Schimmelpilze eingeatmet werden könnten. Neben den reinen Laboranalysen leistete das Team umfangreiche Aufklärungsarbeit. Insgesamt wurden 520 Beratungsgespräche geführt, bei denen Flyer verteilt und Mythen über Suchtmittel entkräftet wurden. Die Zielgruppe des Angebots war dabei durchaus divers: Es fanden sich sowohl erfahrene Konsumenten im Durchschnittsalter von 38 Jahren als auch interessierte Personen ohne direkten Konsumwunsch ein. Die Veranstalter der Clubs zeigten sich ebenfalls kooperativ und nutzten die Gelegenheit, ihr Personal im Umgang mit der Thematik schulen zu lassen. Trotz der positiven Resonanz gab es keinen Fall, in dem die Experten aufgrund der Testergebnisse explizit vom Konsum abraten mussten.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Initiative für dieses Pilotprojekt entsprang dem Wunsch, die gesundheitliche Sicherheit im Bereich des Drogenkonsums zu erhöhen. Während der Bund bereits im Jahr 2023 den rechtlichen Rahmen für Drug Checking in Deutschland grundsätzlich geschaffen hat, liegt die Umsetzung in der Hand der einzelnen Bundesländer. Diese müssen jeweils eine eigene Landesverordnung erlassen, um solche Projekte zu legitimieren. In anderen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Berlin ist dies bereits geschehen. In Hessen hingegen befindet sich die entsprechende Prüfung noch im Gange. Wiesbaden sah sich gezwungen, das Projekt auf legale Cannabis-Proben zu beschränken, da die Untersuchung illegaler Substanzen weiterhin untersagt ist. Dies steht im Kontrast zu anderen Regionen, etwa Mecklenburg-Vorpommern, wo Mediziner der Universität Rostock auf Festivals wie der Fusion oder Pangea auch illegale Drogen analysieren. Die Wiesbadener Stadtverwaltung hatte ursprünglich den Wunsch geäußert, auch gefährlichere Substanzen wie Ecstasy, Speed, Ketamine oder Kokain zu testen, um Nutzer vor hochdosierten Pillen mit MDMA-Gehalten von über 200 Milligramm zu warnen, wie sie aktuell von Frankfurter Projekten gemeldet werden.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Die Durchführung des Projekts lag in den Händen der städtischen Suchthilfe sowie des Frankfurter Beratungsprojekts „Safe Party People“. Teresa Müller vertrat dabei die Stadt Wiesbaden bei der öffentlichen Bilanzierung. Auf politischer Ebene ist die Dezernentin Milena Löbcke (Die Linke) eine zentrale Akteurin, die sich für eine Ausweitung der suchtbezogenen Sozialarbeit und die Etablierung einer umfassenden Drogenstrategie einsetzt. Die Caritas-Suchthilfe spielte ebenfalls eine wichtige Rolle, indem sie durch ihre Präsenz ein niedrigschwelliges Angebot schuf, das auch Menschen erreichte, die sonst keinen Kontakt zum Hilfesystem haben. Die künftige Ausgestaltung der Drogenpolitik liegt nun in der Verantwortung der neuen Rathaus-Koalition, bestehend aus CDU, Grünen, FDP und Volt. Hierbei kommt dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Christian Diers, der als künftiger Kämmerer gehandelt wird, eine entscheidende Rolle zu, da er bereits auf notwendige Sparmaßnahmen und Personalabbau verwiesen hat. Die verschiedenen Akteure müssen nun abwägen, wie die städtische Drogenhilfe unter Berücksichtigung der knappen Haushaltsmittel weiterentwickelt werden kann.

Einordnung der Situation

Einzuordnen ist das Projekt als Versuch der Stadt Wiesbaden, eine moderne und gesundheitsorientierte Drogenpolitik zu etablieren, die sich von rein repressiven Ansätzen entfernt. Den Berichten zufolge war die Akzeptanz bei den Clubbetreibern und den Nutzern hoch, was darauf hindeutet, dass ein Bedarf für solche präventiven Angebote besteht. Die Stadt sieht sich jedoch in einem Spannungsfeld: Einerseits besteht der Wunsch, das Drug Checking fortzusetzen und die Suchthilfe auszubauen, andererseits drängt die finanzielle Realität zu Sparsamkeit. Zudem übt die Stadt Frankfurt Druck aus, da man dort keinen „Drogentourismus“ aus benachbarten Städten wie Wiesbaden oder Darmstadt wünscht. Die Forderung nach einem Drogenkonsumraum oder einem mobilen Angebot, wie einem Drogenkonsummobil, unterstreicht den Ernst der Lage. Die Stadt Wiesbaden steht somit vor der Herausforderung, eine Gesamtstrategie zu entwickeln, die sowohl den gesundheitlichen Schutz der Konsumenten als auch die fiskalischen Möglichkeiten der Stadt berücksichtigt. Es ist ein Balanceakt zwischen der Prävention von Drogentoten und der Konsolidierung des städtischen Haushalts.

Offene Fragen zur Zukunft

Der Quelltext lässt einige zentrale Fragen unbeantwortet, die für die weitere Entwicklung entscheidend sind. Zunächst ist unklar, wann genau die hessische Landesverordnung in Kraft treten wird, die eine Ausweitung des Drug Checkings auf illegale Substanzen ermöglichen würde. Auch die Finanzierung der geplanten Gesamtstrategie bleibt vage; während Kosten für einzelne Maßnahmen wie einen Drogenkonsumraum (etwa eine Million Euro) oder ein Drogenmobil (etwa 200.000 Euro) genannt werden, ist nicht geklärt, woher diese Mittel in Anbetracht der angekündigten Sparmaßnahmen kommen sollen. Zudem bleibt offen, wie die neue Rathaus-Koalition die Prioritäten setzen wird. Zwar wurde der Antrag zur Erarbeitung einer Gesamtstrategie breit unterstützt, doch bei der konkreten Umsetzung der Maßnahmen könnten sich innerhalb des Bündnisses aus CDU, Grünen, FDP und Volt unterschiedliche Auffassungen zeigen. Auch die Frage, ob die von Dezernentin Löbcke geforderte Aufstockung des Streetwork-Personals umsetzbar ist, bleibt angesichts der Haushaltslage ungeklärt.

Wie es weitergeht

Die Zukunft des Drug Checkings in Wiesbaden hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab: der landesweiten Gesetzgebung in Hessen und den Beschlüssen der neuen Rathaus-Koalition. Teresa Müller hofft, dass die Landesverordnung zeitnah verabschiedet wird, was es der Stadt ermöglichen würde, das Angebot fortzusetzen und aktiv zu bewerben. Parallel dazu läuft der Prozess zur Entwicklung einer städtischen Gesamtstrategie zur Drogenhilfe. Diese umfasst neben dem Drug Checking auch Überlegungen zu einem Drogenkonsumraum, einem mobilen Hilfsangebot, einer jährlichen Abwasseranalyse zur Überwachung des Drogenkonsums sowie einer verstärkten Präventionsarbeit bei Lachgas und Medienkonsum. Die Kosten für ein solches Gesamtpaket könnten sich auf bis zu 1,4 Millionen Euro belaufen, zuzüglich der Personalkosten. Ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung dieser Maßnahmen existiert im Quelltext nicht. Am 29. August steht mit dem „Overpowered Festival“ eine Großveranstaltung an, bei der 2.000 Besucher erwartet werden. Dort wird es jedoch vorerst keine Tests auf illegale Substanzen geben, da die rechtlichen Voraussetzungen für ein umfassendes Drug Checking in Hessen noch nicht vorliegen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/charmantes-historisches-gebaude-im-winterwunderland-30140190/ · Foto: Arlind D
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-drug-checking-wiesbaden-zufrieden-mit-pilotprojekt-fuer-cannabis-tests-100.html