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DMA: EU verhängt 890 Millionen Euro Strafe gegen Google
Technik · 23.07.2026 13:44

DMA: EU verhängt 890 Millionen Euro Strafe gegen Google

Kurz: Die EU verhängt eine Strafe von 890 Millionen Euro gegen Google. Der Vorwurf: Unfaire Bevorzugung eigener Dienste und Einschränkungen im App-Store-Wettbewerb.

Wettbewerbsverstoß durch Suchmaschinen-Dominanz

Die Europäische Kommission hat gegen den US-Technologiekonzern Google eine Geldbuße in Höhe von 890 Millionen Euro verhängt. Hintergrund der Entscheidung sind unfaire Geschäftspraktiken, die nach Ansicht der Brüsseler Wettbewerbshüter gegen geltende EU-Regeln verstoßen. Der Vorwurf wiegt schwer: Google soll seine marktbeherrschende Stellung bei der Suchmaschine sowie beim App-Marktplatz Google Play missbraucht haben, um Konkurrenten gezielt zu benachteiligen.

Im Zentrum der Kritik steht die Art und Weise, wie Google eigene Dienste in den Suchergebnissen präsentiert. Laut der Kommission werden Angebote wie Sportergebnisse, Hotelbuchungen oder Reiseinformationen optisch hervorgehoben – etwa durch eingefärbte Boxen –, während konkurrierende Anbieter weniger prominent platziert werden. Diese Praxis führe dazu, dass Nutzer bei der Suche nach spezifischen Informationen primär auf Googles eigene Lösungen stoßen, was den fairen Wettbewerb untergrabe.

Einschränkungen bei Google Play

Neben der Suchmaschine ist auch der App-Marktplatz Google Play Gegenstand der Untersuchung. Die EU-Kommission bemängelt, dass App-Entwickler in ihren Möglichkeiten eingeschränkt werden, Nutzer auf günstigere Angebote außerhalb des Google-Ökosystems hinzuweisen. Bisher sei es Entwicklern erschwert worden, auf alternative App-Stores oder Webseiten zu verweisen, auf denen Produkte möglicherweise zu besseren Konditionen erhältlich sind.

Google hat auf die Entscheidung mit deutlicher Kritik reagiert. Der Konzern argumentiert, dass die regulatorischen Vorgaben die Qualität der Dienste mindern könnten. Insbesondere Funktionen, die Nutzer schätzen – wie etwa Echtzeit-Preisvergleiche oder direkte Verfügbarkeitsanzeigen für Restaurants und Unterkünfte – müssten unter Umständen entfernt werden, um den Anforderungen der EU zu entsprechen.

Regulatorische Forderungen und Anpassungen

Die EU-Kommission fordert von Google nicht nur die Zahlung der Strafe, sondern auch eine grundlegende Änderung der Geschäftspraktiken. Künftig müssen Drittanbieter in den Suchergebnissen diskriminierungsfrei und gleichberechtigt neben Googles eigenen Diensten gelistet werden. Google hat bereits signalisiert, Anpassungen an der Darstellung in der Suche zu testen, was von der Kommission positiv aufgenommen wurde.

Für den Bereich Google Play bedeutet dies, dass Entwickler künftig technisch und vertraglich in die Lage versetzt werden müssen, ihre Angebote auf anderen Plattformen zu bewerben. Für die initiale Akquise neuer Kunden darf Google zwar weiterhin eine Gebühr erheben, die bisherigen Beschränkungen müssen jedoch fallen. Dem Unternehmen bleibt eine Frist von 60 Tagen, um diese Vorgaben umzusetzen. Sollte dies nicht geschehen, drohen weitere Sanktionen in Form von regelmäßigen Strafzahlungen, die bis zu fünf Prozent des weltweiten Jahresumsatzes erreichen können.

Politische Dimension und Handelskonflikte

Die Entscheidung fällt in eine politisch sensible Zeit. Bereits im Vorfeld wurde über mögliche Reaktionen der US-Regierung spekuliert. Da US-Präsident Donald Trump in der Vergangenheit die europäischen Digitalgesetze scharf kritisiert und bei früheren Strafen gegen US-Konzerne mit Zöllen gedroht hatte, wird der Zeitpunkt der Entscheidung genau beobachtet. Da am 24. Juli 2026 der zeitliche Rahmen für bestehende Einfuhrzölle endet, besteht theoretisch die Gefahr, dass die aktuelle Milliardenstrafe als Anlass für neue handelspolitische Maßnahmen genutzt werden könnte.

Google hat die Möglichkeit, die Entscheidung der EU-Kommission gerichtlich anzufechten. Angesichts vergleichbarer Fälle aus der Vergangenheit ist davon auszugehen, dass ein solcher Rechtsstreit sich über einen längeren Zeitraum erstrecken könnte. Der Konzern steht nun vor der Herausforderung, die Balance zwischen den regulatorischen Anforderungen der EU und der Aufrechterhaltung seiner gewohnten Servicequalität zu finden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/euro-banknoten-und-munzen-auf-der-oberflache-30991552/ · Foto: Willfried Wende
Quelle: https://www.golem.de/news/dma-eu-verhaengt-890-millionen-euro-strafe-gegen-google-2607-211203.html